Von: luk
Zürich/VAE – Die jüngste militärische Eskalation im Nahen Osten könnte auch die internationalen Finanzströme verändern. Vermögende Investoren aus dem Golfraum prüfen laut der Nachrichtenagentur Reuters zunehmend, Teile ihres Vermögens in die Schweiz zu verlagern.
Mehr als ein Dutzend Banker und Finanzberater, die zusammen Vermögenswerte von über einer Billion US-Dollar betreuen, berichten von wachsendem Interesse wohlhabender Kunden. Hintergrund sind die steigenden geopolitischen Spannungen nach jüngsten Militäraktionen der USA und Israel gegen den Iran sowie der militärischen Antwort aus Teheran.
Kapitalflüsse bereits sichtbar
Erste Verschiebungen zeichneten sich bereits in den vergangenen Jahren ab. Laut Branchenangaben sind Einlagen von Privatpersonen und anderen Akteuren aus den Vereinigte Arabische Emirate in der Schweiz in den vergangenen drei Jahren um rund 40 Prozent gestiegen.
Der Trend habe sich insbesondere nach den ersten militärischen Angriffen auf den Iran im Juni des vergangenen Jahres verstärkt.
Auch in der Finanzbranche wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Patrik Spiller von Deloitte Switzerland sagt gegenüber Reuters, dass derzeit konkrete Gespräche stattfinden. Immer mehr Vermögen aus dem Nahen Osten könnten künftig in der Schweiz verbucht werden.
Stabilität als Hauptargument
Die Attraktivität der Schweiz liegt für viele Investoren vor allem in ihrer politischen Stabilität, der Rechtssicherheit und der als besonders zuverlässig geltenden Finanzinfrastruktur. Diese Faktoren werden unter dem Begriff „Swissness“ zusammengefasst.
Auch an den Finanzmärkten zeigt sich diese Rolle als sicherer Hafen: Nach den jüngsten Angriffen auf den Iran erreichte der Schweizer Franken gegenüber dem Euro den höchsten Stand seit rund zehn Jahren.
Milliarden könnten folgen
Große Vermögensverlagerungen erfolgen in der Regel nicht über Nacht. Branchenexperten rechnen damit, dass mögliche Kapitalzuflüsse Wochen oder Monate benötigen könnten, bevor sie sichtbar werden.
Nach Einschätzung von Spiller könnte die Schweiz jedoch Vermögenswerte im Umfang von „mehreren Dutzend Milliarden Dollar“ aus dem Nahen Osten anziehen – abhängig davon, wie sich der Konflikt weiter entwickelt.
Zunächst werde meist Liquidität transferiert, später folgten komplexere Anlagen wie Aktienportfolios, Anleihen oder Unternehmensbeteiligungen.
Die großen Finanzhäuser reagieren bislang zurückhaltend. Der Vermögensverwalter UBS sowie Julius Bär wollten sich zu möglichen neuen Kapitalzuflüssen nicht äußern. Die Privatbank Pictet bestätigte hingegen eine steigende Zahl von Kundenanfragen, betonte jedoch, dass von einer massiven Kapitalbewegung derzeit noch keine Rede sein könne.




Aktuell sind 3 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen