VW-Chef Blume will Konzern robuster aufstellen

VW vor Riesen-Umbau – Absatz eingebrochen

Freitag, 10. Juli 2026 | 12:53 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Nach der Sitzung des VW-Aufsichtsrates zu Einsparungen hat Konzernchef Oliver Blume das Ziel bekräftigt, den kriselnden deutschen Autobauer neu auszurichten. Laut “Süddeutscher Zeitung” (online), hat der Sparplan im Aufsichtsrat am Freitag allerdings keine Mehrheit erhalten. Der Vorstand treibe die Transformation weiter voran, so der Manager in einem Statement am Freitag. Unterdessen ist der Absatz von VW im zweiten Quartal um gut 8 Prozent eingebrochen.

Verkauft wurden weltweit 2,1 Mio. Fahrzeuge. In China brach der Absatz um mehr als 36 Prozent ein. In anderen Regionen gab es ein Plus.

Samt Audi, Skoda, Porsche und Co lieferte der Volkswagen-Konzern im gesamten ersten Halbjahr mit 4,13 Millionen Autos 6 Prozent weniger Fahrzeuge an die Kunden aus als im Vorjahr. In China brach der Absatz dabei um rund 26 Prozent ein. Zuwächse erzielte Volkswagen dagegen in Europa, in Nordamerika habe es im zweiten Quartal sogar ein Plus von 8 Prozent gegeben.

Sparpaket durchgefallen

Das Sparpaket von VW-Chef Blume ist unterdessen bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag laut “SZ” unter Berufung auf Konzernkreise durchgefallen. Die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen stellten sich gegen das Paket. Da derzeit ein Sitz der Kapitalseite unbesetzt ist, haben Arbeitnehmer und Niedersachsen zusammen eine Mehrheit von 12 zu 7 Stimmen im Aufsichtsrat. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass das Land keiner Entwicklung zustimmen werde, “die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt”. Auch die IG Metall hatte Widerstand gegen die Sparpläne angekündigt.

VW äußerte sich am Freitag nicht zu einzelnen Abstimmungen im Aufsichtsrat. Blume betonte aber, der Vorstand treibe die Transformation weiter voran. “Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf.”

Blume zu “Zukunftsplan”

“Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf”, so Blume in seinem Statement vor Veröffentlichung der Absatzzahlen. Er sprach von der “umfassendsten Neuausrichtung der Konzerngeschichte”.

Der Vorstand übernehme damit “Verantwortung für die nachhaltige Zukunft des Unternehmens – in einer Zeit, in der die Automobilindustrie weltweit stark unter Druck steht”, so Blume weiter. “Wir begrenzen Risiken, erschließen neue Chancen aus eigener Stärke und setzen ein klares Zeichen für Aufbruch am Wirtschaftsstandort Deutschland.” Die Krise der deutschen Autobauer strahlt auch negativ auf die Zulieferer aus Österreich aus.

Modellpalette soll schrumpfen

Direkt nach der Aufsichtsratssitzung hatte Blume bereits in einem Video-Statement angekündigt: “Wir reduzieren Komplexität, fokussieren unsere Technologien, richten Produkte, Entwicklung und Produktion noch regionaler in den Märkten aus, bauen Überkapazitäten ab”. Unter anderem soll die Modellpalette um die Hälfte schrumpfen, die Zahl der Ausstattungsvarianten sogar um drei Viertel.

“Gerade jetzt kommt es darauf an, die ganze Stärke unseres Konzerns zu entfalten, Synergien über alle Marken und Regionen hinweg maximal heben, Kosten senken und unsere Effizienz weiter steigern”, so Blume in dem Video. Ziel sei es, “den Volkswagen-Konzern schneller, robuster und wettbewerbsfähiger” zu machen.

“Präsenz auf den großen Weltmärkten stärken”

Finanzvorstand Arno Antlitz ergänzte: “Wir wollen weiterhin in begeisternde Elektrofahrzeuge und neueste Softwarelösungen für unsere Kunden investieren, gleichzeitig unsere Verbrennerfahrzeuge technologisch wettbewerbsfähig halten und unsere Präsenz auf den großen Weltmärkten stärken.”

Dafür müsse der Konzern konsequent Kosten senken, Konzernsynergien heben, Komplexität reduzieren und so die Ertragskraft nachhaltig steigern, betonte Antlitz: “Der Zukunftsplan ist dafür ein starker Hebel.”

In Wolfsburg, dem Volkswagen-Hauptsitz, hatte der Aufsichtsrat am Donnerstag über mögliche neue Sparpläne beraten. Beschlüsse gab es nicht. Laut Medienberichten könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Womöglich könnten es sogar bis zu 120.000 sein. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht den Berichten zufolge sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. In Zwickau werden nur E-Modelle gefertigt.

Elektro-Bestellungen “über Erwartungen”

Zu den Absatzzahlen hieß es weiter, dass das Geschäft mit Elektroautos gut gelaufen sei. “In unserer Heimatregion kommt die erst vor wenigen Wochen eingeführte Electric Urban Car Family sehr gut bei unseren Kunden an”, sagte Vertriebschef Marco Schubert. Für die Fahrzeuge im Einstiegssegment von VW, Skoda und Cupra seien bereits mehr als 54.000 Bestellungen eingegangen: “Das liegt deutlich über unseren Erwartungen.”

“Herausfordernd bleibt die Situation in China”, bilanzierte Schubert. Auch Konkurrenten wie BMW oder Mercedes-Benz hatten dort Federn lassen müssen.

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