Akademiegespräch

“Wenn Mut Regie führt”

Mittwoch, 04. Februar 2026 | 12:39 Uhr

Von: luk

Bozen – Vor Kurzem hat in der Gärtnerei Schullian in Bozen ein besonderer Abend zum Thema “Wenn Mut Regie führt” auf Einladung des Dienstleistungszentrums für das Ehrenamt Südtirol stattgefunden.

Die Gäste dabei waren die Unternehmerin Julika Fink, die den Verein “Offline-Kids” gegründet hat, der sich zum Ziel gesetzt hat, gemeinsam eine Zukunft zu gestalten, in der immer weniger Kinder an Südtirols Mittelschulen ein Smartphone besitzen. “Mit vereinten Kräften schaffen wir eine bewusste, gesunde und verantwortungsvolle Mediennutzung. Nur gemeinsam erreichen wir dieses Ziel. Dabei fördern wir das digitale Wohlbefinden unserer Kinder und stärken ihre Selbstbestimmung jenseits der Bildschirme”, so Julika Fink.

Geladen war unter anderem auch der neue Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Christian Tanner, der über die aktuellen Herausforderungen im Dritten Sektor und auch bei den Genossenschaften sprach und davon, dass es Mut braucht, Dinge im Alltag der Organisationen konkret umzugehen.

Höhepunkt des Abends war schließlich der Talk zwischen der Journalistin Verena Pliger und dem bekannten Südtiroler Filmemacher Andres Pichler, der in den letzten Jahren beeindruckende Arbeiten als Dokumentarfilmer ablieferte und als Südtiroler die internationale Szene auf diesem Gebiet durchgewirbelt hat. Die Bandbreite der Themen waren dabei beispielsweise der Overtourismus, die Probleme der Lagunenstadt Venedig, die Schieflage bei den Milchbauern, das Leben mit den Bären und als letztes, aktuelles Werk die Arbeitsbedingungen bei Tesla im Imperium der reichsten Menschen der Welt, Elon Musk. Dieser Film hatte vor Kurzem Weltpremiere in Amsterdam und wird ab April 2026 in Bozen zu sein. Die Spannung hierfür ist bereits groß.

Der Direktor des Dienstleistungszentrums für das Ehrenamt Südtirol Ulrich Seitz erinnert, dass das Ehrenamt in Südtirol weit über die bloße Hilfe hinausgeht, es ist eine zutiefst persönliche und gesellschaftlich gewinnbringende Erfahrung. In Südtirol wurden über das DZE Südtirol im Jahre 2025 rund 50 neue Vereine gegründet. “Das ist neuer Rekord in einer Zeit, wo es viel und oft über die Bürokratie Beanstandungen beziehungsweise Kritiken gibt. Nur etwa zehn Vereine haben im Jahre 2025 hingegen ihre Tätigkeiten eingestellt, und zwar aus Krankheitsgründen oder aufgrund eines Todesfalls.”

Seitz führt weiter aus, dass in einer Zeit, in der wir mit vielen gesellschaftlichen Herausforderungen und politischen Spannungen konfrontiert sind, der Mut der Ehrenamtlichen als eine bedeutsame Ressource für unsere Demokratie angesehen werden müsse. “Sich für andere einzusetzen und aktiv am Gemeinwohl teilzunehmen, erfordert ebenso Entschlossenheit wie den Willen zur Mitgestaltung.”

Es werde jedoch immer schwieriger, Nachwuchs im Ehrenamt zu finden, obwohl dies ein Herzstück und eine Säule unserer Gesellschaft ist. “Neben fehlender Zeit und Energie durch steigende Anforderungen im Arbeitsleben stehen auch Verantwortung und Haftung häufig im Fokus und schüren Ängste.”

Seitz unterstreicht ebenso, dass Verantwortung zu übernehmen, sich der Haftung bewusst zu sein und die eigene Komfortzone zu verlassen, um sich neuen Aufgaben zu stellen, keineswegs leicht sei, und teils besonderes Wissen sowie spezielle Kenntnisse erfordert. “Dabei können Rückschläge und persönliche Herausforderungen auftreten, die nicht zu unterschätzen sind. Umso wichtiger ist es, aktiv zu bleiben und den Mut nicht zu verlieren.”

“Besonders Ehrenamtliche, die sich für soziale Gerechtigkeit, Integration oder Umweltschutz einsetzen, müssen in besonderer Weise Zielstrebigkeit beweisen. Sie stellen sich gegen Vorurteile und kämpfen für eine inklusive Gesellschaft. Als Vorbilder begeistern sie andere zur Mitwirkung und somit zur Stärkung unserer Demokratie, denn sie bringen neue Ideen und Ansätze ein, um gesellschaftliche Probleme anzugehen”, so Seitz.

Ein Beispiel für diesen Mut im Ehrenamt seien Freiwillige, die sich um Menschen in schwierigen Lebenslagen wie Obdachlosigkeit kümmern. “Häufig riskieren sie, mit gesellschaftlichen Vorurteilen in Konflikt zu geraten. Dennoch setzen sie sich unermüdlich für Menschlichkeit und Solidarität ein und ergreifen die Chance, ihre persönlichen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.”

DZE-Präsident Sergio Bonagura erinnert auch daran, dass Mut im Ehrenamt auch positive Auswirkungen auf die Ehrenamtlichen selbst hat. Viele berichten von einer tiefen persönlichen Bereicherung durch ihr Engagement. “Sie entwickeln neue Fähigkeiten, erweitern den eigenen Horizont, knüpfen wertvolle Kontakte und erleben ein Gefühl von Zugehörigkeit und Sinn. Diese Erfahrungen bringen sie dazu, weiterhin engagiert zu sein und andere zu motivieren, es ihnen gleichzutun und den Schritt in ein Ehrenamt zu wagen.”

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen