Sein Leben gerät aus dem Gleichgewicht

Alpines Murmeltier: Überlebenskünstler ist im Klimastress

Samstag, 07. Februar 2026 | 11:13 Uhr

Von: luk

Das Alpenmurmeltier – fast „Tier des Jahres 2026“ – ist ein echtes Urgestein der Eiszeit. Doch für den König des Winterschlafs wird es jetzt eng: Klimawandel und Mensch lassen seinen Lebensraum schrumpfen und setzen dem kleinen Überlebenskünstler immer stärker zu.

„Das Alpenmurmeltier ist ein echter Überlebenskünstler. Doch durch Klimawandel, Lebensraumverlust und Jagdtourismus stoßen selbst seine erstaunlichen Anpassungen an ihre Grenzen“, sagt Alexios Wiklund, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins. Das Alpine Murmeltier musste sich als „Tier des Jahres 2026“ letztlich dem Mauswiesel geschlagen geben.

Überlebensstrategie mit extralangem Winterschlaf

Das Alpenmurmeltier lebt hoch oben in den Bergen, dort, wo kaum andere Säugetiere überleben. Bis zu sieben Monate verbringt es dabei im extremen Winterschlaf tief unter der Erde. In dieser Zeit senkt es seine Körpertemperatur auf fast zwei Grad Celsius, der Herzschlag fällt auf wenige Schläge pro Minute. So spart das Tier Energie, wenn Schnee und Kälte jede Nahrungssuche unmöglich macht. Dabei verliert es bis zu einem Drittel seines Körpergewichts.

Leben des Murmeltiers aus dem Gleichgewicht

Doch ihre ausgeklügelte Überlebensstrategie gerät durch den Klimawandel zusehends ins Wanken. Denn im Alpenraum steigen die Temperaturen deutlich schneller als im Flachland. Sichtbar etwa am rapiden Schmelzen der Gletscher. Daher weichen Murmeltiere immer weiter nach oben in kühlere Regionen aus. Doch dort stößt ihr Lebensraum an Grenzen: Gipfel, Fels und zu wenig grabfähiger Boden lassen kaum Raum zum Ausweichen.

Murmeltiere vertragen Hitze schlecht

Forscher warnen: Alpenmurmeltiere können sich immer schlechter an Umweltveränderungen anpassen. Hitze setzt ihnen besonders zu – schon ab etwa 20 Grad geraten sie unter Stress, weil ihnen Schweißdrüsen fehlen. Die Tiere ziehen sich dann selbst im Sommer in ihre kühlen Baue zurück oder verfallen in kurze Energiesparphasen. Die Folge: weniger Zeit zum Fressen, geringere Fettreserven und ein deutlich höheres Risiko, den extralangen Winterschlaf nicht zu überleben.

Genetisch verwundbar – anfälliger für Krankheiten

Als Eiszeitrelikt verfügt das Alpenmurmeltier über eine sehr geringe genetische Vielfalt. Studien zeigen, dass isolierte Populationen anfälliger für Krankheiten sind und sich schlechter an Umweltveränderungen anpassen können. Dennoch gilt das Alpine Murmeltier offiziell nicht als bedroht – auch, weil aktuelle, flächendeckende Daten fehlen. „Die österreichische Rote Liste der Säugetiere stammt noch aus dem Jahr 2005 und wurde seit über 20 Jahren nicht aktualisiert – fatal für eine realistische Einschätzung der tatsächlichen Lage“, kritisiert Alexios Wiklund.

Verrückt: Murmeltier-Jagdreisen ins Hochgebirge

Je nach Bundesland dürfen jedes Jahr tausende Tiere bei der Jagd getötet werden. Skandalös sind geführte Murmeltier-Jagdreisen als Freizeiterlebnis. Für den Österreichischen Tierschutzverein ist das angesichts von Klimastress, Lebensraumverlust und genetischer Schwäche völlig unverantwortlich.

Mehr Schutz und bessere Erforschung

Das Alpenmurmeltier ist kein niedliches Maskottchen, sondern ein hochspezialisierter Überlebenskünstler, dessen Lebensraum schrumpft. Zu seinem besseren Schutz fordert der Österreichische Tierschutzverein:

  • eine sofortige Aktualisierung der Roten Liste
  • langfristige Populations- und Genstudien
  • eine Neubewertung der Murmeltierjagd
  • besseren Schutz alpiner Lebensräume

Wissenswertes: Sozial und wachsame Alpentiere 

Alpenmurmeltiere können nur deshalb im Hochgebirge überleben, weil sie Winterschlaf halten – meist von Oktober bis April. Vorher verschließen sie alle Zugänge zu ihren Bauen von innen mit Erde, Steinen, Nistmaterial und Kot. Die Tiere leben in Familienverbänden von bis zu 20 Tieren. Sie begrüßen einander mit Nasenreiben und warnen sich mit schrillen Pfiffen vor Feinden wie Steinadler oder Fuchs. Das Sitzen aufrecht auf Steinen dient primär der Parasitenbekämpfung durch Sonnenwärme, weniger dem Aufwärmen, wie Verhaltensbeobachtungen zeigen.

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