Jede Woche eine Anzeige in Südtirol

Angriffe auf Zugpersonal: Es wird immer schlimmer

Samstag, 10. Januar 2026 | 09:38 Uhr

Von: luk

Bozen/Bologna – Die Tötung eines Zugbegleiters in Bologna hat die Aufmerksamkeit landesweit auf ein Problem gelenkt, das Gewerkschaften seit Jahren anprangern: die zunehmende Gewalt gegen Zugpersonal. Auch in Südtirol ist die Lage angespannt. Nach Angaben der Gewerkschaft Uiltrasporti wurden allein im Jahr 2024 rund 50 Anzeigen von Zugbegleitern und Kontrolleuren erstattet – statistisch eine pro Woche. Für 2025 liegen noch keine offiziellen Zahlen vor.

Zugbegleiter und Kontrolleure berichten übereinstimmend von Beleidigungen, Drohungen und körperlichen Übergriffen. Selbst ins Gesicht würde ihnen Gespuckt. Viele sprechen nur anonym, aus Angst vor Repressalien. “Wir haben Angst. Abends wollen wir einfach nur sicher nach Hause kommen”, sagt ein Zugbegleiter aus Bozen gegenüber der Zeitung Alto Adige. Einige geben zu, aus Selbstschutz Pfefferspray mitzuführen.

Die Präsenz der Sicherheitskräfte an Bord reicht nach übereinstimmender Einschätzung der Beschäftigten oft nicht aus. Nicht aus mangelndem Einsatz, sondern wegen begrenzter Ressourcen und der hohen Zahl an Zügen. Die Staatspolizei und andere Ordnungskräfte würden vielfach nicht über ausreichende Mittel verfügen.

Besonders problematisch sei die Situation auf stark frequentierten Linien wie der Brennerstrecke oder der Verbindung nach Meran, vor allem zu später Stunde. Mehrfach mussten Züge angehalten werden, um auf das Eintreffen der Carabinieri zu warten. Gleichzeitig drohten dem Personal rechtliche Konsequenzen wegen möglicher “Unterbrechung des öffentlichen Dienstes”.

Hinzu kommen Berichte über vernachlässigte Bahnhöfe, Menschen, die dort übernachten, sowie aggressive Fahrgäste ohne Fahrschein. Das Arbeitsklima wird von ehemaligen und aktiven Beschäftigten als “angespannt” beschrieben. “Der Gedanke am Ende jeder Schicht ist nicht mehr der Feierabend, sondern heil nach Hause zu kommen”, heißt es.

Artan Mullaymeri von der Uiltrasporti bestätigt dies: “2024 haben wir allein in Südtirol 50 Anzeigen gezählt – wegen Beschimpfungen sowie verbaler und körperlicher Angriffe.” Die Gewerkschaft fordert mehr Prävention und Zivilcourage auch von Fahrgästen. Während Zugbegleiter von Trenitalia bereits mit Bodycams ausgestattet sind, gilt dies nicht für das Personal der Sad. Gespräche mit der zuständigen Landesrätin Ulli Mair sowie mit dem Regierungskommissariat laufen, um Maßnahmen für den Ernstfall zu definieren.

Bezirk: Bozen

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