Frauenhausdienste besorgt rund um Gesetzentwurf

“Anonymität und Sicherheit kann nicht garantiert werden”

Freitag, 22. Oktober 2021 | 17:22 Uhr

Bozen – Als Frauen, die täglich in Kontakt mit Frauen in Gewaltsituationen sind und diese Frauen und ihre Kinder unterstützen, möchten die Frauenhausdienste Südtirols mit dieser Presseaussendung nochmals in der Öffentlichkeit ihre Sorge rund um den Gesetzesentwurf „ Interventionen zur Verhinderung und Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt und zur Unterstützung von Frauen und ihren Kindern“ äußern.

In einer großen Aktion war bereits im September ein offener Brief mit den Bedenken seitens der Frauenhausdienste veröffentlicht worden. Am Montag, den 25. Oktober sind Vertreterinnen der Frauenhausdienste zu einer Anhörung im Landhaus bei der zuständigen Gesetzeskommission eingeladen. Im Zuge dieser Anhörung möchten die Mitarbeiterinnen der Frauenhausdienste ihre Besorgnis nochmals klar erläutern und zum Ausdruck bringen.

Allergrößte Sorge bereitet den Fachexpertinnen, dass durch die Einführung von territorialen Schaltern, die – losgelöst von den Beratungsstellen gegen Gewalt an Frauen und Frauenhäusern – allgemeine Beratungen für Frauen in schwierigen Situationen anbieten sollen – die Gefahr bestehe, dass die notwendige Unterstützung sowie die  Anonymität und Sicherheit von Frauen in Gewaltsituationen, nicht garantiert werden können. Die Expertinnen weisen darauf hin, dass Gewalthandlungen leider als extreme Konsequenz bis zum Tod der betroffenen Frauen führen können und die Sicherheit der Frauen, die sich beraten lassen, im Vordergrund stehen und gewährleistet werden müsse. Es sei unklar, wie die Figur der BeraterInnen in den territorialen Schaltern aussehen soll, die informieren und auch beraten sollten.

“In den Beratungsstellen der Frauenhausdienste finden betroffenen Frauen und Personen, die sie unterstützen möchten, fachlich ausgebildete und auf das Thema spezialisierte und dafür sensibilisierte Beraterinnen vor, an die sich wenden können und die professionell vernetzt sind im Bedarfsfall. Dadurch kann eine adäquate individuelle Risikoeinschätzung für jede Frau und ihre Kinder garantiert werden sowie Schutz und Sicherheit rund um die Uhr. Aus diesem Grund erachten die Frauenhausdienste es als äußerst riskant, für die Frauen, sich an einen territorialen Schalter zu wenden, dessen Funktion, zu informieren, aktuell bereits von den Sozialsprengeln, den Ordnungskräften und den Gesundheitsdiensten erfüllt wird. Es herrscht große Sorge, dass die Komplexität dieses Phänomens nicht im richtigen Ausmaß erkannt wird und die betroffenen Frauen und ihre Kinder die Leidtragenden sind. Gewalt an Frauen bedarf- wie international besonders in der Konvention von Istanbul festgehalten wird, eigener, spezifischer Interventionen”, heißt es weiter.

“Die betroffenen Frauen und ihre Kinder stehen im Zentrum all dieser Überlegungen und werden dies auch weiterhin sein, betonen die Mitarbeiterinnen der Frauenhausdienste Südtirols, die ihre Stimme weiterhin zum Schutz der betroffenen  Frauen  erheben wollen”, so das Netzwerk der Frauenhausdienste Südtirols.

 

Von: luk

Bezirk: Bozen

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