Untergruppe des Herzinfarkts im Fokus

Bozner Studie: KI erkennt spezielle Infarktform früher

Montag, 04. Mai 2026 | 10:57 Uhr

Von: mk

Bozen – Eine Arbeitsgruppe der Kardiologie Bozen hat in einer Studie aufgezeigt, dass Künstliche Intelligenz (KI) im ersten EKG schneller wichtige Hinweise zur Erkennung einer speziellen Art von Herzinfarkten liefern kann.

Eine Studie der Kardiologie am Krankenhaus Bozen zeigt, dass Künstliche Intelligenz (KI) bei einer besonders schwer erkennbaren Form des Herzinfarkts bereits im ersten EKG wertvolle Hinweise liefern kann. Der Vorteil zeigte sich vor allem in der sehr frühen Phase der Abklärung, also dann, wenn noch nicht alle weiteren Untersuchungsergebnisse vorliegen.

Im Mittelpunkt stand der sogenannte okklusive Myokardinfarkt, kurz OMI. Dabei handelt es sich um eine spezielle Untergruppe des Herzinfarkts, bei der ein verschlossenes Herzkranzgefäß im ersten EKG nicht immer sofort die klassischen, eindeutig erkennbaren Veränderungen wie sogenannte ST-Streckenhebungen verursacht. Wichtig ist deshalb die Einordnung: Solche Infarkte werden in der klinischen Routine nicht einfach übersehen. Sie werden mit der vollständigen leitliniengerechten Diagnostik aus ärztlicher Beurteilung, Verlaufskontrollen, Troponin-Bestimmung und bei Bedarf Koronarangiographie erkannt und behandelt. Die Studie zeigt vielmehr, dass eine KI in dieser frühen Phase schneller einen entscheidenden Verdacht liefern kann.

An der Untersuchung nahmen 1.490 Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom teil, bei denen im ersten EKG keine ST-Streckenhebung vorlag. Die KI erkannte einen okklusiven Myokardinfarkt in 84 Prozent der Fälle korrekt; die Sensitivität lag bei 77 Prozent, die Spezifität bei 99 Prozent. Damit war sie der unmittelbaren Erstbeurteilung des ersten EKGs durch die aktuell gängige Standarddefinition überlegen.

Entscheidend ist dabei, dass sich der Vergleich ausschließlich auf die allererste EKG-Interpretation bezieht, nicht auf die gesamte kardiologische Diagnostik. Gerade darin liegt die praktische Bedeutung der Arbeit: Wenn ein kritischer Befund früher erkannt wird, können weitere Abklärung und Therapie früher eingeleitet werden.

Die Ergebnisse wurden auf einem internationalen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in Lissabon durch Dr. Federico Nani vorgestellt und fanden dort große Beachtung. Die Studie entstand in der Arbeitsgruppe um Dr. Matthias Unterhuber innerhalb des Teams der Kardiologie am Krankenhaus Bozen unter der Leitung von Primar Dr. Rainer Oberhollenzer.

Die Arbeit unterstreicht die enge Verbindung von klinischer Erfahrung, wissenschaftlicher Forschung und technischer Innovation in der Bozner Kardiologie. Künstliche Intelligenz erscheint dabei nicht als Ersatz für Ärztinnen und Ärzte, sondern als zusätzliches Werkzeug mit Nutzen für Patientinnen und Patienten.

Bezirk: Bozen

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