Von: APA/sda
Einen Monat nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana hat die Walliser Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf eine vierte Person ausgeweitet. Der heutige Leiter des Dienstes für öffentliche Sicherheit der Gemeinde wird am kommenden Freitag als Beschuldigter einvernommen. Seine Anwälte Nicolas Rivard und Frédéric Pitteloud bestätigten am Freitag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA einen Bericht des Westschweizer Radio und Fernsehens RTS.
Die Verteidiger wiesen darauf hin, dass der Betroffene seine Tätigkeit bei der Gemeinde erst im Mai 2024 aufgenommen habe. Er könne daher nicht für ein mutmaßliches Versäumnis bei Sicherheitskontrollen seit 2019 verantwortlich gemacht werden. Weitere Stellungnahmen werde es vor der Einvernahme nicht geben.
Kontrollen hätten jährlich stattfinden sollen
Bei der Bar “Le Constellation”, in der beim Brand in der Silversternacht 40 Menschen ums Leben kamen und 116 verletzt wurden, waren in den Jahren 2016, 2018 und 2019 nur dreimal Sicherheitskontrollen durchgeführt worden. Allerdings wurde 2016 nur die Veranda begutachtet, durch die Gemeinde Chermignon. Die Kontrollen hätten eigentlich jährlich stattfinden sollen.
Im Verlauf des Jänner hatte die Walliser Staatsanwaltschaft strafrechtliche Ermittlungen gegen die Betreiber der Bar, ein Ehepaar, eröffnet. Zudem wurde am Mittwoch eine dritte im Schweizer Recht sogenannte Strafuntersuchung gegen den früheren Sicherheitsverantwortlichen der Gemeinde eingeleitet. Dieser soll am 9. Februar als Beschuldigter angehört werden.
Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit möglichen Versäumnissen im Bereich der Sicherheitskontrollen. Die Staatsanwaltschaft äußert sich derzeit nicht zu den konkreten Vorwürfen. Für alle beschuldigten Personen gilt die Unschuldsvermutung.
EU-Katastrophenschutzmechanismus “effizient”
Die Schweiz und Österreich haben unterdessen ihre Zusammenarbeit im Bereich Katastrophenschutz besprochen. Auch die Kooperation mit mehreren Ländern im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus (UCPM) kam zur Sprache. Diese sei effizient verlaufen, teilte das Schweizer Bundesamt für Bevölkerungsschutz mit.
Noch immer werden mehr als 40 Personen mit schwersten Verbrennungen in Spezialkliniken außerhalb der Schweiz behandelt. Diese “hohe Zahl” übersteige die Kapazitäten des Schweizer Gesundheitssystems. Zuletzt hatte die Schweiz zwei spezialisierte Fachteams zu den Schweizer Verletzten in ausländischen Verbrennungszentren entsendet. Sie sollten den Zustand der Patientinnen und Patienten und deren Weiterbehandlung und Rehabilitationsbedarf im eigenen Land klären. Die Brandopfer werden in spezialisierten Kliniken in Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien behandelt.




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