Von: apa
Rund um den Rückruf des gesamten Babykostgläschen-Sortiments von Hipp bei Spar Österreich wegen möglicher Manipulationen eines Artikels laufen Ermittlungen der Landespolizeidirektion Burgenland. Grund ist ein Hinweis, wonach entsprechende Gläser “im burgenländischen Bereich aufgetaucht sein könnten”, sagte Polizeisprecher Helmut Marban am Samstag auf APA-Anfrage. Aber: “Wir haben noch nichts entdeckt.” Hinweise der Bevölkerung wurden erbeten.
Nähere Details zu den Ermittlungen nannte Marban nicht. Der Sprecher verwies in diesem Zusammenhang auf kriminaltaktische Erwägungen. Kontakt mit der Polizei soll aufgenommen werden, “wenn jemand etwas beobachtet hat”. Informationen zu etwaigen manipulierten Hipp-Babygläschen mit möglichen lebensbedrohlichen Inhalten nehmen die Ermittler unter der Telefonnummer +43-5913310-3333 entgegen.
Seitens der Staatsanwaltschaft Eisenstadt hieß es am Samstag auf Anfrage, dass noch keine Verfügungen in der Causa getroffen worden seien. Eine schriftliche polizeiliche Berichterstattung werde geprüft. Die APA hat die Behörden und Hipp mehrfach nach einer möglichen Erpressung befragt. Sämtliche Anfragen blieben diesbezüglich bisher unbeantwortet.
Hipp-Elternservice-Telefon geöffnet
“Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aufgrund der laufenden Ermittlungen derzeit keine weitergehenden Informationen geben können. Wir verweisen an die zuständigen Behörden”, hieß es am Samstagvormittag auch in einer schriftlichen Anfragebeantwortung von Hipp an die APA.
Das Hipp-Elternservice Österreich für besorgte Mütter und Väter ist demnach statt üblicherweise nur werktags nun auch am Wochenende unter der Nummer +43-7612-76577-104 erreichbar. “Der Kanal ist offen und beunruhigte Verbraucher können sich jederzeit dort melden.”
Unternehmen: Rückruf “vorsorglich”
Der Rückruf sei “vorsorglich erfolgt, um auch ein theoretisches Risiko auszuschließen”, hieß es seitens der Hipp-Pressestelle gegenüber der APA. “Wenn ein Kind keine Beschwerden zeigt, besteht kein Anlass zur Sorge. Wenn Eltern unsicher sind oder Symptome bemerken, sollen sie sich bitte an Kinderarzt oder medizinische Notfallstelle wenden.” Unklar blieb, um welchen gefährlichen Stoff es sich handeln soll und wie viele Hipp-Gläser von dem Rückruf betroffen sind.
Die Causa war am späten Freitagabend publik geworden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass durch Manipulation in den Artikel “Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel” 190 Gramm ein gefährlicher Stoff eingebracht wurde, hieß es in einer Aussendung von Hipp. “Der Verzehr eines solchen Gläschens kann lebensgefährlich sein”, wurde betont.
Markierung am Glasboden
Nach derzeitigen Informationen sind die in Frage kommenden Produkte mit einer am Glasboden angebrachten Markierung in Form eines weißen Aufklebers mit einem roten Kreis erkennbar, wurde in dem Produktrückruf erläutert. Um einen unbemerkten Verzehr sicher auszuschließen, werden Kundinnen und Kunden gebeten, jedoch alle Hipp-Babykostgläschen, die bei Spar Österreich gekauft wurden, aus Sicherheit nicht zu konsumieren. Die Produkte können in jedem Spar-, Eurospar- sowie Interspar-Markt oder Maximarkt zurückgegeben werden. Der Kaufpreis wird auch ohne Kassabon rückerstattet.
Spar Österreich war am Samstagvormittag vorerst nicht erreichbar. Das Gesundheitsministerium war ebenfalls in die Angelegenheit involviert. Weitere Details konnten jedoch auch dort momentan nicht bekanntgegeben werden, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Büro von Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ).
Kritik von Foodwatch
“Wenn der Verdacht besteht, dass ein Lebensmittel für den Verzehr nicht sicher oder sogar, wie offenbar in diesem Fall, gesundheitsgefährdend für die Babys sein kann, dann muss der Hersteller alle relevanten Informationen vollständig, klar und öffentlich kommunizieren”, kritisierte Foodwatch Österreich in einer Aussendung. Es sei zwar zu berücksichtigen, dass im Fall einer mutmaßlichen Manipulation und laufender Ermittlungen möglicherweise noch nicht alle Informationen vollständig vorliegen, dennoch gelte “in einer solchen Situation das Gebot höchstmöglicher proaktiver Transparenz”, betonte Indra Kley-Schöneich, Leiterin von Foodwatch Österreich.




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