Bilanz der Finanzpolizei

Falscher Student erschwindelt sich Stipendium – doch das ist nur die Spitze

Donnerstag, 04. Oktober 2018 | 13:16 Uhr

Bozen/Trient – Im Kampf gegen die Steuerhinterziehung und Steuerbetrug hat die Finanzpolizei im Trentino-Südtirol seit Jänner 2017 auch ein besonderes Augenmerk auf „schwarz“ vermietete Wohnungen und das Kassieren von Sozialbeiträgen bei vorgetäuschter Armut gelegt. Hilfreich waren dabei die eigenen Datenbanken.

Im Rahmen von 122 Kontrollen in Zusammenhang mit vermieteten Immobilien wurden insgesamt Abgaben in der Höhe von mehr als 1,3 Millionen Euro ermittelt, die hinterzogen worden waren. Während im Trentino bei 78 Kontrollen eine Summe von 956.004 Euro aufgedeckt wurde, waren es in Südtirol 372.713 Euro bei 34 Kontrollen.

Rund die Hälfte der Fälle konnte die Finanzpolizei dank einer fundierten Risikoanalyse mittels der unterschiedlichen Datenbanken lösen, die der Behörde zur Verfügung stehen.

Bei einer Analyse wurden rund 1.500 Personen, die über Zweit- oder Drittwohnungen verfügen, als „potentielle“ Steuerhinterzieher enttarnt. Die Betroffenen hatten entweder keine Steuererklärung abgegeben oder bei der Steuererklärung waren keine Angaben über eventuelle Mieteinkünfte aufgeschienen.

Die Finanzpolizei wird in den kommenden Monaten ihre Kontrolltätigkeit fortsetzen. Bei 22 Kontrollen in Trient und 28 in Bozen wurden 270.000 Euro sichergestellt in Zusammenhang mit gänzlich „schwarz“ vermieteten Wohnungen sichergestellt (162.000 Euro in Trient und 108.000 Euro In Bozen).

Vor allem in Trient wurden viele Wohnungen schwarz an Universitätsstudenten, die von außerhalb kommen, vermietet. Die Trientner Finanzpolizei konnte in den vergangenen zwei Jahren insgesamt eine Steuerhinterziehung in Höhe von 76.547 Euro ermitteln. Acht Wohnungsbesitzer wurden gemeldet.

Was den unrechtmäßigen Bezug von Sozialleistungen anbelangt, hat die Finanzpolizei seit 2017 in der Region insgesamt 236 Kontrollen durchgeführt. In 153 Fällen wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt und es konnte eine Summe von mehr als 100.000 Euro an ausgezahlten Beiträgen zurückerlangt werden.

In Südtirol wurden bei 88 Kontrollen in 49 Fällen Unregelmäßigkeiten festgestellt. Während 22 Personen verwarnt wurden, gab es in Südtirol auch zwei Anzeigen. Die Summe an ausgezahlten Beiträgen, die in Südtirol zurückerlangt werden konnte, beläuft sich auf 73.870 Euro. Laut Strafgesetz ist bei erschwindelten Beiträgen unter 4.000 Euro eine Geldstrafe von maximal 25.864 vorgesehen. Wird der Betrag von 4.000 Euro überschritten, droht eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu drei Jahren.

Ein Fall sticht in diesem Zusammenhang besonders ins Auge: Ein Italiener, der in Bozen lebt, wurde von der Finanzpolizei bei der Staatsanwaltschaft wegen erschwerten Betrugs anzeigt. Er hat beim Land um ein Stipendium angesucht. Allerdings war er kein Student. Stattdessen hatte er sich als Universitätsstudent in Verona ausgegeben und eine entsprechende Identität samt Matrikelnummer und Studienplan „gestohlen“. Auch die Studiengebühren hat der Betroffene in Verona nie bezahlt und die entsprechenden Unterlagen gefälscht.

Weil er ein Stipendium von 6.000 Euro erhalten hat, muss sich nun der falsche Student vor Gericht wegen erschwerten Betrugs verantworten. Dafür droht ihm eine ein- bis sechsjährige Haftstrafe. Das zuständige Landesamt hat bereits ein Verfahren eingeleitet, um das zu Unrecht ausbezahlte Stipendium zurückzuerlangen.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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19 Kommentare auf "Falscher Student erschwindelt sich Stipendium – doch das ist nur die Spitze"


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Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
11 Tage 10 h

Alles nur zum Lachen ,diese Schwindel müssten ja von den Gemeinden sofort entdeckt und folgedessen auffliegen. Warum kann man bei solchem Betrug nicht die Strafen verzehnfachen ?? 
Wer ehrlich ist kann sich somit heute mehr oder weniger echt als Depp betrachten.

erika.o
erika.o
Superredner
11 Tage 7 h

@Milkemann
Du hast vollkommen Recht,
doch meinst du nicht
wer zweit und dritt Wohnungen besitzt gehört schon eher zu der gehobenen Klasse, wo einige Augen zugedrückt werden?
Im Normalfall sind wir bereits so durchsichtig, dass es sich eigentlich keiner mehr leisen könnte sich irgendwie strafbar zu machen….
…außer man kann sich einen guten Steuerberater leisten

ma che
ma che
Grünschnabel
11 Tage 11 h

Ba 88 Kontrolln 49 Unregelmäßigkeiten?!
Jo guate Nocht!

werner66
werner66
Superredner
11 Tage 4 h

Da gibt´s noch viel Arbeit. Ein paar Tausend Kontrollen scheinen da ja eine Goldgrube zu werden….

m69
m69
Universalgelehrter
11 Tage 10 h

Man sollte 100% der geförderten Gelder überprüfen, wurscht ob es jetzt für die Förderungen von Wohnungen oder anderen Belangen ausbezahlt werden, nur so wird der Missbrauch auf ein Minimum reduziert!

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
11 Tage 4 h

am besten nicht fördern und die preise senken

Staenkerer
11 Tage 1 h

de regelmäsigen kontrollen tatn sich mehr als auszohl!
mehr geld kanntn a poor neutealw, ortsfremde londesbeomte an steuern nie einzreibn und den lond an beiträge nie einsporn!
ober dazua a poor fix unzugstelltn trogs ohnscheinent nit!

der Vinschger
der Vinschger
Superredner
10 Tage 16 h

Genau 👍

der Vinschger
der Vinschger
Superredner
10 Tage 16 h

Do kemmen ollaweil sinscht nou viel zu viele durch

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
10 Tage 6 h

@Staenkerer 
a die kontrollen kostn ,glei a mol soviel, wie s ausbezohlte geld

Oma
Oma
Tratscher
11 Tage 10 h

Eine klitzekleine Spitze…..

Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
11 Tage 6 h

@ erika.o
Also genau diese scheinheiligen Augenzudrücker ermöglichen größtenteils solchen Betrug und man muß denne genauso an den Kragen.
Bedenke auch:
ein guter Steuerberater wird dich niemals des Betruges schuldig machen !!

mmhm_sel_schu
mmhm_sel_schu
Grünschnabel
11 Tage 4 h

In meinen Augen alles kleine Fische. Wiso hört man vor den Wahlen von den vorausgezahlten Renten aller Parteien nichts mehr?
Wurden da nicht pro Kopf so um die 900000€ ausbezahlt? Dort wäre viel mehr Geld in kurzer Zeit bei viel weniger Kontrollen zu holen. Aber da wird wieder einmal mit zweierlei Maß gemessen, Politiker stehen deutlich über den normalen Bürger…

zep
zep
Neuling
11 Tage 2 h

stimmt! Die noch größeren Fische sind jedoch die Konzerne bzw. Firmen wie die Fiat welche ihren Steuersitz dank unserer Politiker legal ins Ausland verlegen.. 

Sommerschnee
Sommerschnee
Grünschnabel
11 Tage 5 h

Wo ein Beitrag da ein Betrug? 🤔

traktor
traktor
Universalgelehrter
11 Tage 2 h

gut weiter so.
bitte wieder alles auf das konto der ehrlichen steueezahlee übwrweisen

Anduril61
Anduril61
Grünschnabel
10 Tage 17 h

Wäre für die Abschaffung jedweder Förderung, egal welcher Bereich. Förderungen treiben nur die Preise nach oben zudem immer wieder ein riesiger bürokratischer Aufwand, und sie öffnen dem Missbrauch Tür und Tor. Mal ganz ehrlich, wer soll denn diese ganzen Beiträge, Sozialleistungen, Stipendien und weiss Gott was noch alles kontrollieren ob da alles rechtens ist.
Im grossen und ganzen sind es wohl nur Stichproben die durchgeführt werden….

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
10 Tage 16 h

ja wollte nur weiter so, Finanzer, leider bremsen die Gerichte und die unsägliche Flut der Rekurse konkrete Maßnahmen und Sanktionen her.

iluap
iluap
Grünschnabel
10 Tage 15 h

Ich wäre auch für die Abschaffung aller Beiträge ausser der ehrenamtlichen Vereine, dafür aber die Steueren senken, denn dann haben alle was davon.
.

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