Von: mk
Bozen – Im Fall des zweijährigen Buben aus Neapel, der nach einer fehlgeschlagenen Herztransplantation am Wochenende gestorben ist, laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Die Inspektoren, die das Gesundheitsministerium in Rom nach Bozen geschickt, haben Südtirol unterdessen wieder verlassen.
Ihre Aufgabe war es, Unterlagen zum Fall einzuholen, nachdem Minister Orazio Schillaci eine umfassende Aufklärung gefordert hatte. Die Staatsanwaltschaft hat unterdessen sieben Mediziner aus Neapel ins Ermittlungsregister eingetragen.
Im Raum steht die Frage über das richtige Kühlmittel für den Transport des Spenderorgans von Bozen nach Neapel. Übereinstimmenden Berichten zufolge wurde Trockeneis mit minus 78 Grad an Stelle von herkömmlichen Eiswürfeln verwendet. Für Diskussionen sorgt zudem der Transportbehälter: Medienberichten zufolge wurde eine handelsübliche Kühlbox des Typs „Fiesta“ des Herstellers Gio’ Style verwendet. Moderne, temperaturgesteuerte Einweg-Transportsysteme des Typs „Paragonix“, die rund 6.000 Euro kosten und im Krankenhaus Monaldi vorhanden sein sollen, kamen offenbar nicht zum Einsatz.
Die Inspektoren des Gesundheitsministeriums haben in Bozen nicht nur sämtliche Dokumente eingeholt, sondern auch Beteiligte angehört. „Die Inspektion verlief in einer sehr konstruktiven und positiven Atmosphäre. Seitens des Südtiroler Sanitätsbetriebes wurde von Beginn an maximale Zusammenarbeit zugesichert; eine lückenlose Aufklärung der Ereignisse liegt auch im Eigeninteresse des Sanitätsbetriebes selbst. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt der Sanitätsbetrieb keine weiteren Erklärungen zu den laufenden Verfahren ab und drückt gleichzeitig sein volles Vertrauen in die Arbeit der zuständigen Behörden aus“, zitiert die Nachrichtenagentur Ansa eine offizielle Mitteilung.
Wie Alto Adige online berichtet, soll unterdessen ein Mitarbeiter des Bozner Sanitätsbetriebes eingeräumt haben, dass er es gewesen sei, der das Eis in die Box gefüllt hat, in der sich das Herz befand. Allerdings habe das involvierte Gesundheitspersonal in Bozen lediglich Anweisungen des Teams aus Neapel befolgt.
Der Mitarbeiter des Bozner Krankenhauses hat gegenüber den Ermittlern die Ereignisse vom Vormittag des 23. Dezembers rekonstruiert. An diesem Tag erfolgte die Entnahme des Spenderherzens, das in Neapel anschließend transplantiert wurde, obwohl es beschädigt worden war. Experten kamen in der Folge zum Schluss, dass der Bub nicht mehr transplantierbar sei.
Gegen den Bozner Pflegehelfer wird derzeit nicht ermittelt, er wurde von der Carabinieri-Sondereinheit NAS aus Trient als informierte Person einvernommen.




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