Kinder- und Jugendanwältin spricht zu ihrer Tätigkeit im Landtag

Gewalt gegen Kinder nimmt in Südtirol zu

Mittwoch, 10. April 2019 | 11:41 Uhr

Bozen – Sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt gegen Kinder nimmt zu. Das hat Südtirols Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter bei der heutigen Anhörung im Südtiroler Landtag mitgeteilt.

Als Sprachrohr für Heranwachsende in unserem Land hat sie den Jahresbericht 2018 vorgestellt. Die Anfragen im Jahr 2018 sind im Vergleich zu 2017 konstant geblieben: 411 neue Anfragen kamen hinzu, an 696 Situationen aus dem Vorjahr wurde weitergearbeitet.

Gewalt in ihren verschiedenen Ausformungen nahm zu. Es ging um Jugendschutz, familiäre Konflikte, Trennung, Scheidung, um Fremdunterbringung, um Adoption, um Schule und Mobbing, um Internet und das Selbstbestimmungsrecht Jugendlicher – meistens waren Mehrfachproblematiken zu erkennen. Die Kija hat im vergangenen Jahr zudem an 75 Arbeitsgruppentreffen teilgenommen. Die Einrichtung wird heuer zehn Jahre alt.

Nicht alle Kinder und Jugendlichen in Südtirol können in einem sicheren und geschützten Umfeld aufwachsen. Paula Maria Ladstätter betonte im Landtag, dass alles getan werden müsse, dass kein Kind benachteiligt werde. Alle Minderjährigen in unserem Land hätten ein Recht auf Existenzsicherung und bestmögliche Entfaltungsmöglichkeiten. Sie sollten bei Entscheidungen, die sie betreffen, mitreden und ihre Meinung frei und ohne Angst äußern können.

Da ist ein 14-jähriger Junge, der vom Vater regelmäßig Schläge bekommt, dessen Mutter sich aber hinter den Mann und nicht vor den Sohn stellt. Da ist ein Vater, der erfährt, dass seine frühere Lebensgefährtin die beiden gemeinsamen Söhne seit der Trennung gravierend ungleich behandelt. Da ist eine Mutter, die sich um ihre Tochter sorgt, weil diese in der Schule heftig gemobbt wird.

landtag

Im vergangenen Jahr 2018 hat die Kinder- und Jugendanwältin gemeinsam mit ihren zwei Mitarbeiterinnen und dem Mitarbeiter 1.767 telefonische Beratungen gemacht, 192 Face-to-Face-Gespräche geführt, 184 Anfragen per Mail und 13 Anfragen über Social Media beantwortet. Es ging um Kinder- und Jugendschutz, um Schulverweigerung, um Vernachlässigung, Ungleichbehandlung und altersgemäße Entwicklung von Kindern, um familiäre Konflikte, Trennung und Scheidung, um das Besuchsrecht eines Elternteils und Unterhaltszahlungen, um häusliche Gewalt, psychische, physische und sexualisierte Gewalt, um Probleme zwischen Eltern und Kindern, Fragen der Erziehung und Fremdunterbringung, um die Integration schwacher Schülerinnen und Schüler und von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in Schule und Alltag, um Mobbing, Cybermobbing und Bullying in Schule und Freizeit. In vielen Situationen wurden Mehrfachproblematiken sichtbar. Die Fälle sind meist komplex, die Bearbeitung gestaltet sich aufwändig und zieht sich oft über mehrere Jahre. „Es braucht Einzel- und Mediationsgespräche und laufend Treffen mit den zuständigen Netzwerkpartnerinnen und -partnern“, erklärte Paula Maria Ladstätter.

Die Kinder- und Jugendanwältin und ihr Team haben im vergangenen Jahr an 75 Netzwerk- und Arbeitsgruppentreffen teilgenommen. Dabei wurden Erfahrungen ausgetauscht, Themen und Strategien zum Kindeswohl erarbeitet, Vorbeugungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen entwickelt.

Im Anschluss an den Vortrag der Kinder- und Jugendanwältin gab es Gelegenheit für Fragen und Bemerkungen der Abgeordneten.

Die Süd-Tiroler Freiheit fragte nach den Gründen für die hohe Selbstmordrate unter den Jugendlichen, dem Kopftuchzwang unter dem Aspekt der Kinderrechte, zu Anteil und Methodik der gelösten Fälle, zur Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen, zu Anfragen von außerhalb des Landes und zu den Möglichkeiten für den Landtag, Verbesserungen zu erreichen.

Die Grünen erkundigten sich nach festgestellten Trends in den letzten fünf Jahren und nach dem Phänomen der Schulphobie.

Die Freiheitlichen kritisierten mit Verweis auf die Suizidrate die verkürzten Sprechstunden bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie, wiesen auf das Zunehmen von Gewalt in den Schulen und Drogenkonsum hin.

Die Demokratische Partei erkundigte sich nach der Zusammenarbeit mit dem Jugendgericht, nach dem Konsum von Alkohol und Drogen durch Jugendliche, nach der Verbreitung des “Hikomori”-Phänomens und nach der Meinung der Jugendanwältin zum Pillon-Gesetz.

Das Team Köllensperger stellte Fragen zur Handhabe von telefonischen Anfragen um Hilfestellung, zur Zusammenarbeit mit Kinderpsychologen, zur Suizidprävention, zum Kontakt mit den Schulen, zu Fällen in der Hotelfachschule, nach der personellen Ausstattung der Jugendanwaltschaft und nach ihren Wünschen, um die Arbeit zu verbessern.
Die SVP fragte nach den Präventivmaßnahmen für die Familien, damit schon dort aufkommende Probleme erkannt werden, sowie nach Problemtrends in anderen Regionen, die auch in Südtirol auftreten könnten.

Ein schwieriges familiäres Umfeld gehöre zu den häufigsten Gründen für Suizid unter Jugendlichen, antwortete Paula Maria Ladstätter auf eine Frage, die von mehreren Abgeordneten gestellt wurde. Auch Mobbing sei ein häufiger Grund. Sie betonte die Wichtigkeit einer Unterstützung für die Familien, auch schon vor der Geburt der Kinder, denn Partnerschaftskrisen, die auch die Kinder belasteten, könnten sehr früh auftreten. Kinder mit Migrationshintergrund lebten oft im Spannungsfeld von zwei Kulturen, hier habe man öfters Unterstützung anfordern müssen. Ladstätter rief dazu auf, nicht bei den Jugendlichen zu sparen, in Schule, Sanität oder anderen Bereichen, denn das werde zum Bumerang. Die Sozialdienste hätten oft schon mit der dritten Generation derselben Familie zu tun, das zeige, dass mehr am Umfeld gearbeitet werden müsse und dass die Dienste auch entsprechend ausgestattet werden müssten, damit die Mitarbeiter nicht abwandern. In der Sanität sollte der pädiatrische Dienst auch am Wochenende zur Verfügung stehen, aber auch die Schule brauche Ressourcen, da sich die Probleme häuften. Auch Maßnahmen gegen die Kindesarmut seien notwendig. Sie wünsche sich, dass der Umbau in der Kinder- und Jugendanwaltschaft heuer erfolge, erklärte Ladstätter schließlich, und dass das Personal aufgestockt werde, auch mit einem Psychologen, was sich übrigens abzeichne.

Für die Anliegen von Minderjährigen steht das Team der Kinder- und Jugendanwaltschaft telefonisch unter T. 0471 946 050, per WhatsApp (Tel. +39 331 1738847), per Mail an info@kinder- jugendanwaltschaft-bz.orgund über Facebook (facebook.com/kijagaia) zur Verfügung.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija)

ist eine Einrichtung des Landes Südtirol. Sie wurde mit Landesgesetz Nr. 3 vom 26. Juni 2009 errichtet und wird heuer zehn Jahre alt. Die Kinder- und Jugendanwältin ist bei der Ausübung ihres institutionellen Auftrags unabhängig und überparteilich. Sie berät und unterstützt junge Menschen mit Problemen, ist Sprachrohr für Heranwachsende und vertritt deren Interessen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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30 Kommentare auf "Gewalt gegen Kinder nimmt in Südtirol zu"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
aristoteles
aristoteles
Universalgelehrter
10 Tage 18 h

alles nimmt zu….

Sag mal
Sag mal
Kinig
10 Tage 18 h

arist…..das Negative nimmt zu.Andererseits wurden Kinder wohl noch nie so verwöhnt.

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
10 Tage 18 h

außer das gute im menschen….

typisch
typisch
Kinig
10 Tage 17 h

@falschauer
In welcher statistik ist das zu finden?

aristoteles
aristoteles
Universalgelehrter
10 Tage 17 h

@falschauer, ja dann fang endlich an etwas gutes zu tun. nicht immer nur bla bla

Krissy
Krissy
Superredner
10 Tage 17 h

@aristotoles
nur die Zahl der Straftaten nimmt ab.(Ironie aus)

Staenkerer
10 Tage 13 h

worscheimlich isch des gefühl von gewolt schun do, wenn man ihnen es smartphon von der hond nimmt, ba a schlechter note a lautes wort follt oder amoll a ausgehverbot im raum steht…

Staenkerer
10 Tage 13 h

@falschauer de güte isch schun do, ober es werd jo olleweil mehr davon gfordert!

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
10 Tage 12 h

@aristoteles wie soll ich das verstehen?

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
10 Tage 11 h

@typisch… dazu braucht es keine statistik, sondern nur offene augen und ohren…und wenn das wie bei dir nicht klappt, dann kannst du auf statistiken zurückgreifen….

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
10 Tage 11 h

@Krissy… ja eines der vielen beispiele die bittere realität sind, nur scheinst dies der fake philosoph nicht erkennen zu wollen…

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
10 Tage 11 h

@Staenkerer güte in bezug auf was…?? du scheinst nicht zu verstehen was ich meine…hier tagtäglich zu lesen, morde, überfälle, kindesmissbrauch, rassismus, ausnutzung von bediensteten und arbeitnehmern, gehässigkeit den bauern gegenüber, unternehmerfeindlichkeit usw ich könnte noch zig beispiele anführen, welche alle nichts mit DEM GUTEM im menschen zu tun haben….

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
10 Tage 11 h

@aristoteles eigentlich eine frechheit was du dir erlaubst …wenn du so viel gutes getan hast wie ich, dann kannst du reden, aber dass du deines profilnamens nicht würdig bist habe ich dir bereits oft geschrieben….werde mit deiner meinung glücklich… fys

Staenkerer
10 Tage 9 h

@falschauer des gute im menschen hoaßt jo a nit blind und taub durs lenb zu gien! wer nit de augn auftuat und beobachtet und olles kritiklos hinnimmt, isch naiv und werd höchstens ausgenummen und benutzt!
güte muaß a vedient wern und dazua muaß man unterscheidn kennen!

DerTom
DerTom
Grünschnabel
10 Tage 18 h

i denk es wor allm a so (mehr oder wieniger) lei heint wert mehr geredet über selche sochn – und isch a guet so, daß man redet und anzeigt solche grausige feige verbrechn

Tottele
Tottele
Superredner
10 Tage 16 h

genau an dieser Anlaufstelle sucht man und denkt Hilfe zu bekommen , aber nein anstatt der Hilfe wird es an das Jugendgericht weitergeleitet ohne nachzudenken welcher Schaden sowieso schon ist und mit hinlosem Denken wird mit Gewalt noch ein wenig Schaden hinzugefügt .

Mikeman
Mikeman
Kinig
10 Tage 18 h

Kein Wunder,es gibt ja immer mehr Wesen die regelrecht sp……
man bemerkt es ja täglich.😳

Der Futzii
Der Futzii
Neuling
10 Tage 19 h

Lei mear traurig sowos 😠

natan
natan
Superredner
10 Tage 17 h

ich glaub nicht, dass heute mehr kindergewalt hersche, als noch vor z.B. 30 jahre. Der unzerschied liegt aber darin, dass das was früher “Erziehungsmaßnahmen” waren, heute als “Gewalt” gilt. Sei es in der Familie, in der Schule und in den Betrieben als Lehrlinge. So verwöhnt wie die heutige Jugend war noch keine

mithirnundherz
mithirnundherz
Tratscher
10 Tage 12 h

gewalt ist gewalt keine erziehungsnasnahme.. früher hatte man mehr angst als kind und respeck voreinander und angst darf man nicht verwexeln das lieg sehr nah beieinander 😢😢

Samanda
Samanda
Neuling
10 Tage 16 h

I glab nit dass des in Geigensotz zu friahr schlimmer gwordn isch. Ehr in Geigentaol. Friahr hot man di Kinder schun efter uans in Loch gstoaßn wennsi nit gfolg hoben, sem wor sell i sog mol “normal”, so horts a kling… Heint traut sich sell kuaner mear. Plus weart heint uanfoch viel mear driber gred.

Steinbock 1
Steinbock 1
Grünschnabel
10 Tage 17 h

viel geht’s es schon von Eltern aus das ihre Kinder andere Kinder Mobbing machen weil sie nich die schönen markenkleider haben

Aurelius
Aurelius
Universalgelehrter
10 Tage 18 h

ich glaube Gewalt gegen Kinder und Frauen gab es immer schon. Nur heute macht durch die Medien mehr die Runde….

Neumi
Neumi
Kinig
10 Tage 17 h

Vom Mobbing abgesehen, denke ich, ist es vor allem die Anzahl der Anzeigen, die nach oben geht. Kinder wachsen heute viel behüteter auf als früher.

mithirnundherz
mithirnundherz
Tratscher
10 Tage 12 h

Hätt es früher schon soche hilfe gegeben währe es heute sicher nicht so priblematisch den sogar die heutigen jungen eltern bräuchten manchmal nen trit in den allerwertesten ..

ExSuedtiroler
ExSuedtiroler
Tratscher
10 Tage 16 h

Die Statistik verwundert wenig. Eher wundert mich wie drei Mitarbeiter hier etwas bewirken können. Das scheint mir ist ein mehrschichtiges Thema wo noch mehr Infoabende, Seminare, u.ä. öffentlich angeboten werden sollten, bzw. z.T. auch bei schweren Fällen auferlegt werden sollten.
Es ist nicht schlimm eigene Sichtweisen von anderen hinterfragen zu lassen und evtl. Fehler einzugestehen, aber schlimm sind Scheuklappen und Sturheit.

wellen
wellen
Superredner
10 Tage 10 h

Wieso hat die Gewalt zugenommen, wenn die Anfragen seit 2 Jahren gleichgeblieben sind? Gibtves Daten der Sozialdienste die das bestätigen? So schaut es danach aus, dass die Anwältin ihre Existenz und Wiederbeauftragung begründen muss?

Tabernakel
10 Tage 6 h

Danke Salvini!

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
9 Tage 23 h

Tabernakel
Was kann da Salvini dafür?

Hausdetektiv
Hausdetektiv
Grünschnabel
10 Tage 9 h

Warum wird in den harten Fällen keine Ordnungshaft erhoben? Nur als letztes Mittel würde ich das Sorgerecht entziehen.

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