Von: APA/AFP/Reuters/dpa
Ein groß angelegter Angriff der russischen Streitkräfte auf die ukrainische Energieinfrastruktur hat Samstagfrüh nach Angaben des staatlichen Netzbetreibers in weiten Teilen der Ukraine Stromausfälle verursacht. Infolge der Schäden durch den “massiven Angriff” sei in den meisten Regionen der Strom abgeschaltet worden, erklärte der Netzbetreiber Ukrenergo auf Telegram. Mit den Attacken soll die Moral der Zivilbevölkerung gebrochen werden, so das Außenministerium in Wien auf X.
In dem X-Post wurde der Kreml erneut aufgefordert, “den Krieg zu beenden und sich ernsthaft an Friedensverhandlungen zu beteiligen”. “Bis dahin sind wir entschlossen, die Sanktionen zu verschärfen, um Russland unter Druck zu setzen, seinen Kurs sinnloser Angriffe zu ändern”, hieß es dazu weiter.
Sobald die Sicherheitslage dies zulasse, werde mit Reparaturarbeiten begonnen, fügte Ukrenergo hinzu. Energieminister Denys Schmyhal erklärte, es seien zwei Wärmekraftwerke im Westen des Landes sowie wichtige Verteilerstationen getroffen worden. Der größte private Energieversorger DTEK meldete erhebliche Schäden – es sei der zehnte Angriff auf seine Werke seit Oktober 2025.
Infolge der Attacken produzieren ukrainische Atomkraftwerke weniger Strom. “Ein Reaktor schaltete sich automatisch ab. Das ist ein Niveau von Angriffen, das sich kein Terrorist der Welt erlaubt”, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Im Interesse der Sicherheit der Region müsse Russland die Reaktion der “ganzen Welt” darauf spüren, verlangte Selenskyj.
Die polnische Armee meldete den Einsatz von Flugzeugen zum Schutz ihres Luftraums. Bei russischen Angriffen auf den Westen der Ukraine nahe der Grenze zum Nachbarland Polen war dies bereits mehrfach der Fall. Wegen der Attacken in Grenznähe und der Militäraktivitäten zur Verteidigung stellten zwei polnische Flughäfen vorübergehend den Betrieb ein. Der Regionalgouverneur von Lwiw (Lemberg) sagte, der Luftalarm in der Region, die an Polen grenzt, habe mehr als sechs Stunden gedauert. Die Regierung in Kiew bat das Nachbarland um Notstromlieferungen, da es landesweit zu Notabschaltungen komme.
Kämpfe trotz Gesprächen
Trotz jüngster Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs in der Ukraine attackieren die russischen Streitkräfte seit Monaten massiv die ukrainische Energieinfrastruktur. Inmitten einer winterlichen Kältewelle wurde dadurch vielerorts die Energieversorgung unterbrochen. Insgesamt Hunderttausende Menschen sind bei Temperaturen um die minus 20 Grad Celsius ohne Strom und Heizung.
Am Donnerstag war die zweite Runde der Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi zu Ende gegangen. Alle Seiten sprachen von Fortschritten, aber teils auch von schwierigen Gesprächen, einen Durchbruch für ein Ende der Kämpfe in der Ukraine oder die Zukunft der von Moskau besetzten bzw. annektierten Gebiete gab es nicht. Kiew und Moskau vereinbarten immerhin einen Gefangenenaustausch und kündigten eine Fortsetzung der Gespräche an.
Nächste Runde kommende Woche in Miami
Laut Selenskyj soll die nächste Verhandlungsrunde in den USA stattfinden. Washington habe “erstmals vorgeschlagen”, dass sich sowohl die ukrainische als auch die russische Delegation in den Vereinigten Staaten treffen, teilte Selenskyj am Samstag mit. Das Treffen solle voraussichtlich in der kommenden Woche in Miami abgehalten werden.
Die USA dringen Selenskyj zufolge auf eine Lösung zur Beendigung des Krieges noch vor dem Sommer. Hintergrund seien die Kongresswahlen in den USA, die Anfang November stattfinden. “Die Wahlen sind definitiv wichtiger für sie. Wir sollten nicht naiv sein. Und sie sagen, sie wollen bis Juni alles erledigt haben.” Selenskyj bestätigte damit einen Reuters-Bericht zu einem möglichen Zeitplan.
Der ukrainische Präsident betonte erneut, dass Kiew keine ausschließlich zwischen Moskau und Washington ausgehandelten Vereinbarungen akzeptieren werde, die sein Land beträfen. Eine Vereinbarung, die “über uns, ohne uns” getroffen worden sei, sei für die Ukraine nicht annehmbar, erklärte er.




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