Von: APA/Reuters/dpa/AFP
UNO-Generalsekretär António Guterres hat Regierungen dazu aufgerufen, die Anpassung an den Klimawandel zu einer zentralen Aufgabe zu machen. Angesichts zunehmender Klimarisiken müsse dringend gehandelt werden, um eine wachsende Finanzierungslücke zu schließen, sagte Guterres am Mittwoch bei der Klima-Veranstaltung “London Climate Action Week”. Die Aufgabe der Anpassung sei bisher unterschätzt und chronisch unterfinanziert worden.
“Finanzminister, Zentralbanken, Planungsministerien und öffentliche Investitionsbehörden müssen Klimarisiken als zentralen Bestandteil der Wirtschaftspolitik behandeln, um mehr heimische Ressourcen zu mobilisieren”, erklärte der Generalsekretär. Um die Finanzierung anzukurbeln, forderte Guterres eine Übergewinnsteuer für Unternehmen im Bereich der fossilen Brennstoffe. Die Einnahmen daraus sollten in Anpassungsmaßnahmen sowie in die Bewältigung klimabedingter Schäden und Verluste fließen. Zudem müssten die Anteilseigner multilateraler Entwicklungsbanken den Geldgebern deutlich mehr Schlagkraft verleihen, etwa durch Kapitalerhöhungen. So sollten Projekte, mit denen die Widerstandsfähigkeit erhöht wird, verstärkt finanziert werden. Guterres sprach vor dem Hintergrund, dass Dürren, Überschwemmungen und andere extreme Wetterereignisse Länder und Kommunen weltweit betreffen.
Welle heftiger als vorhergesagt
Angesichts der derzeit extrem hohen Temperaturen in weiten Teilen Europas rief auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu mehr Investitionen in den Hitzeschutz auf. “Die Hitzewelle in Europa führt zu Schulschließungen und gefährdet die Gesundheit der Menschen”, erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch im Onlinedienst X. “Wir können uns keine weiteren Verzögerungen leisten”, mahnte Tedros. Die Regierungen müssten “Investitionen in klimaresiliente Gesundheitssysteme Priorität einräumen und zugleich den Klimaschutz beschleunigen und die Treiber der Klimakrise zurückfahren”.
Die Hitzewelle in Europa fällt nach Angaben des Weltklimarats IPCC heftiger aus als in manchen wissenschaftlichen Prognosen vorhergesagt. Europa werde angesichts der globalen Erwärmung zwangsläufig mit weiteren Extremsituationen konfrontiert werden, sagte IPCC-Chef Jim Skea am Mittwoch. Die Bedingungen, unter denen Europa in dieser Woche leide, lägen am oberen Rand des Spektrums dessen, was der Weltklimarat seit langer Zeit prognostiziert habe, führte Skea aus. Einige Auswirkungen auf regionaler Ebene und im Ozean überstiegen die Erwartungen, fuhr er fort.
Hitze über Westeuropa
Laut dem European Heat Tracker erlebten am Mittwoch etwa 356 Millionen Menschen auf dem Kontinent Temperaturen von 30 Grad Celsius oder mehr. Für 436 Millionen waren es ungewöhnlich heiße Temperaturen. Die Hitze lag um plus 5,3 Grad über dem Durchschnitt von 1961 bis 1990 für das heutige Datum.
In Frankreich waren Zehntausende Haushalte im Nordwesten des Landes vom Strom abgeschnitten. 68.000 Haushalte seien betroffen, teilte die bretonische Präfektur Finistère mit Sitz in Quimper am Mittwoch mit. Grund ist demnach ein Vorfall an einem Transformator am Dienstag, der mit den hohen Temperaturen in Verbindung steht. Frühestens am Abend könnten die Haushalte wieder ans Netz angeschlossen werden.
Für insgesamt 58 französische Départements gilt aktuell die höchste Hitzewarnstufe Rot, darunter auch Finistère. Der französische Wetterdienst Météo France spricht von einer ungewohnt intensiven Hitzewelle. Temperaturrekorde könnten im Tagesverlauf gebrochen werden. Bereits um 5.00 Uhr kratzte das westfranzösische La Rochelle fast an der 30-Grad-Marke. In Bordeaux zeigte das Thermometer 27 Grad Celsius und in Paris 26 Grad Celsius.




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