MV Hondius liegt vor Teneriffa

Hantavirus-Ausbruch: Schiff auf Teneriffa eingetroffen

Sonntag, 10. Mai 2026 | 09:24 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa

Das von einem Ausbruch des Hantavirus betroffene Kreuzfahrtschiff “Hondius” ist in den Hafen von Granadilla im Süden der spanischen Urlaubsinsel Teneriffa eingefahren. Der staatliche Fernsehsenders RTVE zeigte die Ankunft des Schiffes in der Früh. Von Granadilla aus sollen die Menschen an Bord der “Hondius” unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zu einem nahe gelegenen Flughafen gebracht und sofort in ihre Heimatländer geflogen werden.

Zunächst sollen die Passagiere, die bisher keine Symptome zeigen, von spanischen Gesundheitsbehörden getestet werden. Anschließend werden sie in kleinen Booten an Land und von dort in isolierten Bussen zum nahe gelegenen Flughafen gebracht, um in ihre Heimatländer zu fliegen. Spanische Staatsbürger sollen das Schiff als Erste verlassen. 30 Besatzungsmitglieder bleiben an Bord und sollen das Schiff zur Desinfektion in die Niederlande steuern.

Drei Erkrankte bisher gestorben

Bei dem Ausbruch waren nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) acht Menschen erkrankt, sechs davon nachweislich an dem Hantavirus. Drei der Erkrankten starben. Die europäische Gesundheitsbehörde stufte am späten Samstagabend vorsorglich alle Passagiere als Hochrisikokontakte ein. Für die Allgemeinheit schätzt die WHO das Risiko als gering ein, für die Menschen an Bord jedoch als moderat.

Die “MV Hondius” hatte am Mittwoch die Küste der Kapverden in Richtung Teneriffa verlassen. Zuvor hatten die WHO und die Europäische Union Spanien gebeten, die Evakuierung zu übernehmen.

WHO-Chef versichert: “Kein neues Covid”

Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García, Innenminister Fernando Grande-Marlaska und der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO waren eigens auf die Insel gekommen, um die komplizierte Aktion zu überwachen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handle. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: “Das ist nicht ein neues Covid.” Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering – zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei.

Zunächst hatte es geheißen, das Schiff werde aus Sicherheitsgründen vor dem Hafen vor Anker gehen. Die spanische Handelsmarine erteilte in der Nacht dann aber doch die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen.

Medizinisches Personal soll die Menschen an Bord zunächst auf akute Krankheitssymptome untersuchen, wie die spanischen Behörden mitteilten. Liegen keine vor, werden die Passagiere in Gruppen von maximal fünf Personen ausgeschifft. Nach Angaben Garcías müssen sie FFP2-Schutzmasken tragen und dürfen nur leichtes Handgepäck mitnehmen.

Per Bus geht es dann zum wenige Autominuten entfernten Flughafen. Dort sollen die streng abgeschotteten Menschen mit ihren jeweiligen Landsleuten ohne weitere Abfertigung sofort die für sie bereitgestellten Flugzeuge besteigen und in ihre Heimatländer zurückgebracht werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsbehörde WHO sollen alle Flüge am Sonntag und Montag starten, da später eine Schlechtwetterfront aufzieht. Nach der Ankunft dürften alle Ausgeflogenen in Quarantäne müssen, da eine Entwarnung wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist.

Sobald die Menschen von Bord sind, soll die “Hondius” ihre Fahrt sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst dort soll der Leichnam einer an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen.

Virusausbruch löst international Besorgnis aus

Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann bei engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch überspringen. Der Ausbruch der südamerikanischen Andes-Variante des Virus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus – auch und gerade wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie. Vor allem auf den Kanaren äußerten Menschen Angst wegen einer möglichen Infektion mit dem potenziell tödlichen Virus.

Doch der jetzige Fall ist anders gelagert als der Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere käme, wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht weiter übertragbar, “sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme”. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus sei “sehr gering”.

Im Fall der “Hondius” spricht die WHO von sechs bestätigten Hantavirus-Fällen und zwei Verdachtsfällen. Bei den Toten handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.

Spanisches Gesundheitssystem gab den Ausschlag

Die WHO hatte Spanien gebeten, die Menschen auf den Kanaren vor der Westküste Afrikas an Land gehen zu lassen, weil die Inselgruppe das erste potenzielle Ziel auf der Route des Schiffes mit einer erstklassigen Gesundheitsversorgung war. Kap Verde, wo die “Hondius” zuletzt vor Anker gelegen hatte, wollte die Passagiere mit Verweis auf die unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten dort nicht aufnehmen.

Die “Hondius” hatte ihre Fahrt durch den Südatlantik am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens begonnen. Zehn Tage später starb ein Niederländer, seine Frau verließ das Schiff bei einem Zwischenstopp auf St. Helena und flog am 24. April nach Südafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide starb die Deutsche dann am 3. Mai.

Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem verstorbenen niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.

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