Passagiere und Teile der Crew kommen in Heimat unter Quarantäne

Hantavirus: Bereits 94 “Hondius”-Passagiere ausgeflogen

Sonntag, 10. Mai 2026 | 23:14 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa

Am ersten Tag der Evakuierungsaktion auf Teneriffa sind 94 Passagiere und Crewmitglieder des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs “Hondius” ausgeflogen worden. Die Menschen aus insgesamt 19 Ländern hätten die Kanareninsel in acht Sondermaschinen verlassen, sagte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García am späten Abend am Hafen von Granadilla im Süden Teneriffas vor Journalisten.

Als Letztes hob ein US-Flugzeug mit 18 betroffenen Menschen vom Flughafen Tenerife Sur ab. Zuvor waren im Rahmen der Evakuierungsaktion bereits Maschinen aus Spanien, Frankreich, Kanada, Großbritannien, Irland, den Niederlanden und der Türkei gestartet. Am Montagnachmittag sollen eine weitere Maschine aus den Niederlanden sowie ein Flugzeug aus Australien zum Einsatz kommen und jeweils 18 sowie sechs weitere Betroffene ausfliegen.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Alle Evakuierten waren zuvor unter strengen Sicherheitsvorkehrungen schrittweise von der im Hafen von Granadilla vor Anker liegenden “Hondius” ausgeschifft worden. In kleinen Gruppen wurden sie mit Booten an Land gebracht und anschließend mit Bussen zum Flughafen Tenerife Sur gefahren.

Vor Beginn der Ausschiffung hatten Ärzte eine epidemiologische Untersuchung an Bord durchgeführt. Dabei waren bei keinem der insgesamt 152 Personen an Bord Symptome festgestellt worden. 34 Menschen, mehrheitlich Mitglieder der Besatzung, sollen laut García an Bord bleiben und mit der “Hondius” zurück in die Niederlande fahren. Die Aktion sei bisher reibungslos verlaufen, bilanzierte die Ministerin. “Wir können stolz sein, wir haben eine phänomenale Arbeit geleistet.”

Evakuierter Franzose mit Symptomen

Einer der ausgeflogenen fünf französischen Passagiere soll auf dem Flug von Teneriffa nach Paris Symptome gezeigt haben. Wie Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu mitteilte, wurden daher alle fünf Personen sofort bis auf weiteres unter strenge Quarantäne gestellt. Sie würden medizinisch versorgt und würden Tests sowie einer medizinischen Untersuchung unterzogen. Welche Symptome der Passagier entwickelt haben soll, präzisierte der Premierminister nicht.

“Noch heute Abend werde ich ein Dekret erlassen, das es ermöglicht, geeignete Isolationsmaßnahmen für Kontaktpersonen zu ergreifen und die allgemeine Bevölkerung zu schützen”, kündigte der Premierminister an.

Hantavirus-Einsatz auch im Südatlantik

Das britische Militär schickte zudem per Fallschirm Helfer auf die abgelegene Insel Tristan da Cunha im Südatlantik, um einen Briten zu behandeln, der möglicherweise infiziert ist. Sechs Soldaten und zwei Mediziner seien am Samstag zusammen mit Sauerstoff und weiteren Hilfsgütern über der Insel im Südatlantik abgesprungen, teilte das Verteidigungsministerium in London mit.

Es sei das erste Mal, dass die Streitkräfte medizinisches Personal für einen humanitären Einsatz per Fallschirm absetzten. Die Verdachtsperson war Passagier des Schiffes und lebt auf der Insel, die britisches Überseegebiet ist und keinen Flughafen hat. Vier Patienten befinden sich zudem in Krankenhäusern in Südafrika, den Niederlanden und der Schweiz.

WHO: Risiko für Allgemeinheit gering

Bei dem Ausbruch auf der “Hondius” waren nach Angaben der WHO acht Menschen erkrankt, sechs davon nachweislich an dem Hantavirus. Drei Erkrankte starben, ein niederländisches Paar und eine Deutsche. Die europäische Gesundheitsbehörde stufte vorsorglich alle Passagiere als Hochrisikokontakte ein. Für die Allgemeinheit schätzt die WHO das Risiko einer Ansteckung als gering ein, für die Menschen an Bord jedoch als moderat.

Das Hantavirus wird in der Regel durch Nagetiere übertragen, kann in seltenen Fällen jedoch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Das spanische Gesundheitsministerium schrieb in einem Bericht, auf dem Schiff seien keine Nagetiere entdeckt worden. Die WHO geht davon aus, dass sich die erste betroffene Person vor dem Betreten des Schiffes, möglicherweise während einer Reise in Argentinien und Chile, infiziert hat.

Die “Hondius” hatte am Mittwoch die Küste der Kapverden in Richtung Teneriffa verlassen. Am 2. Mai war das Virus entdeckt worden, nachdem die südafrikanischen Behörden einen Briten getestet hatten, der auf der Intensivstation behandelt wurde. 21 Tage zuvor war der erste Passagier gestorben.

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