Immer mehr Menschen ohne familiäres Netzwerk

Herausforderungen in der Sachwalterschaft nehmen zu

Freitag, 17. April 2026 | 15:34 Uhr

Von: luk

Bozen – Die Zahl der Menschen in schwierigen Lebenslagen ohne unterstützendes familiäres Umfeld steigt. Gleichzeitig werden die Fälle in der Sachwalterschaft zunehmend komplexer. Das geht aus der jüngsten Mitgliederversammlung des Vereins für Sachwalterschaft in Bozen hervor.

An der Spitze des Vereins wurde Präsident Werner Teutsch im Amt bestätigt. Auch Paola Cozza bleibt Vizepräsidentin. Im Vorstand wurden Sylvia Hofer und Francesco de Guelmi wiedergewählt, neu hinzugekommen ist der ehemalige Landesrat Florian Mussner.

Landesweit zeigt sich ein wachsender Bedarf: In Italien stehen derzeit rund 340.000 Menschen unter Sachwalterschaft, etwa 3.600 davon in Südtirol. Jährlich kommen über 500 neue Verfahren hinzu. Diese Entwicklung unterstreiche die zunehmende Bedeutung des Systems zum Schutz vulnerabler Personen, hieß es bei der Versammlung.

Der Verein verzeichnete im Jahr 2025 mehr als 5.000 telefonische Kontakte sowie über 1.700 Beratungen. Damit festige er seine Rolle als zentrale Anlaufstelle für Betroffene, Angehörige und Sachwalter. Als zusätzliche Herausforderung wird die Einführung des telematischen Zivilverfahrens genannt, das für viele Bürgerinnen und Bürger eine Hürde darstelle und den Beratungsbedarf weiter erhöhe.

Vor diesem Hintergrund betonte der Verein die Notwendigkeit strukturierter Modelle, die Kontinuität und fachliche Begleitung gewährleisten. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Projekt „Egida“, über das der Verein selbst Sachwalterschaften übernimmt, wenn keine geeigneten Bezugspersonen vorhanden sind.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Netzwerkarbeit und der transkulturellen Betreuung. Im Rahmen der Versammlung wurde dazu auch ein Austausch mit einer spezialisierten Einrichtung aus Hannover organisiert.

Neu vorgestellt wurde zudem die überarbeitete Website des Vereins. Die zweisprachige Plattform soll Informationen übersichtlicher aufbereiten und ermöglicht unter anderem eine vereinfachte Terminbuchung.

Auch im Gesundheitsbereich gibt es Neuerungen: Seit 2025 bestehen erstmals Beratungsstellen in den Krankenhäusern von Bozen, Meran, Brixen und Bruneck. Ziel ist es, Menschen in besonders sensiblen Situationen direkt vor Ort Unterstützung zu bieten. Ergänzend dazu wurde eine Informationsbroschüre für Gesundheitspersonal entwickelt, um die Zusammenarbeit zwischen medizinischen Einrichtungen und rechtlicher Betreuung zu stärken.

Auf europäischer Ebene engagiert sich der Verein ebenfalls: 2025 wurde in Bozen ein internationales Forum zum Schutz vulnerabler Personen organisiert. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Ethikkodex für Sachwalter vorgestellt, der mittlerweile international Anerkennung gefunden hat.

Zu den zentralen Zielen des neu gewählten Vorstands zählen der Ausbau der Zusammenarbeit mit sozialen Diensten und Institutionen, die Stärkung der Präsenz im Land sowie die Weiterentwicklung bestehender Modelle, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.

Bezirk: Bozen

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