Länderübergreifender Austausch - praxisnahe Schulungen

Herdenschutz: Neues Projekt soll Nutztierhalter in Südtirol ausbilden

Donnerstag, 15. Oktober 2020 | 10:04 Uhr

Bozen – Mehr als 84.000 Weidetiere werden allein in Südtirol jedes Jahr auf die Almen aufgetrieben. Neben Krankheiten und Unfällen, die für Verluste verantwortlich sein können, sehen die Nutztierhalter auch eine Gefahr durch anwesende Beutegreifer in Südtirol. Ein Abschuss der geschützten Raubtiere ist nach den geltenden gesetzlichen Richtlinien nicht möglich, außer im Fall von dokumentierten Problemtieren. Gleichzeitig zeigen Beispiele aus anderen Bergregionen, dass die Weidewirtschaft aufrecht erhalten werden kann, trotz zunehmender Präsenz von Wolf und Bär. Vor diesem Hintergrund startet nun zum ersten Mal ein groß angelegtes EU-Projekt namens LIFEstockProtect in Bayern, Österreich und Südtirol, das sich umfassend dem Herdenschutz der Weidetiere widmet.

In den kommenden fünf Jahren sollen die Nutztierhalter in Südtirol, Bayern und Österreich praxisnahe und umfassende Ausbildung zum Herdenschutz und Herdenmanagement erhalten. Für die Ausbildung sollen „Kompetenzzentren für den Herdenschutz“ aufgebaut werden – fünf davon in Südtirol. „Die ersten Schulungen zum Thema Herdenschutz und Zaunbau sollen im kommenden Frühjahr stattfinden“, erklärt Julia Stauder von Eurac Research, die das Projekt auf italienischem Gebiet koordiniert.

Das Projekt umfasst viele verschiedene Aspekte des Herdenschutzes: Nicht nur Schafe, auch Rinder, Pferde, Ziegen, Schweine und Geflügel werden als Weidetiere gehalten – und brauchen jeweils unterschiedliche Schutzsysteme. Gleichzeitig müssen zum Beispiel Zäune je nach Gegebenheit verschiedenen Anforderungen gerecht werden. Das richtet sich nach dem Steilheitsgrad des Geländes, der Beschaffenheit des Bodens, der Anzahl der Tiere und auch danach, ob viele Menschen – beispielsweise Wanderer – durch das Weidegebiet gehen müssen. Auch Herdenschutzhunde sind ein Teil des Projekts: Kriterien für die Zucht und die Haltung sollen entwickelt werden; auch die Frage, wie Schutzhunde und Bergtourismus miteinander vereinbar sind, soll untersucht werden und Vorschläge zu Zucht, Haltung und Einsatz erarbeitet werden. Zudem soll ein Netzwerk an freiwilligen Helfern aufgebaut werden, die Nutztierhalter und Hirten bei ihrer Arbeit auf der Alm zum Schutz der Herde unterstützen können.

„Menschen und Weidetiere haben seit den Zeiten Ötzis eine Kulturlandschaft geschaffen: Diese wird von sehr vielen Wildpflanzen, von Wirbellosen, von Reptilien, Amphibien und Vögeln genutzt. Mit geführtem Herdengang ist es möglich diese Landschaft zu erhalten“, resümiert David Gruber, Direktor des Naturmuseums Südtirol, das die Inhalte aus dem Projekt aufbereiten und vermitteln wird. „Hirt oder Hirtin sehen die Weideflächen als Ganzes, sie führen die Tiere gezielt weiter, um die Vegetation ausgeglichen zu nutzen. Das ist eine wichtige Maßnahme, um die Weiden zu pflegen und die alpine Biodiversität zu bewahren.“

Das EU-Projekt LIFEstockProtect vereint 17 Partner unter der Leitung von BIO AUSTRIA Niederösterreich/Wien mit Unterstützung der European Wilderness Society. In Südtirol-Italien arbeiten unter der Koordination von Eurac Research das Naturmuseum Südtirol, die Arbeitsgemeinschaft für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise sowie die norditalienische Sozialgenossenschaft Eliante zusammen.

Weidetierhalter im Südtirol-Trentino aufgepasst

Wer Interesse hat, dass Schutzmaβnahmen auf seinem bzw. ihrem Weideareal getestet werden oder an Schulungen zum Herdenschutz teilnehmen will, kann sich an die Arbeitsgemeinschaft für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise (Dietmar Battisti: 328 6126658) oder an das Institut für Regionalentwicklung von Eurac Research (Julia Stauder: julia.stauder@eurac.edu, 0471 055423) wenden.

Internetseite des Projekts: https://lifestockprotect.info

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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9 Kommentare auf "Herdenschutz: Neues Projekt soll Nutztierhalter in Südtirol ausbilden"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Tanne
Tanne
Superredner
8 Tage 14 h

Ohjeh, ich höre sie schon lärmen, die Selbsternannten Landschaftspfleger. ” Bei uns nicht möglich!” Ja klar! Was sonst? Wo kein Wille da auch kein Weg.

rantanplan
rantanplan
Tratscher
8 Tage 12 h

komm und mach mit …projekt hin, projekt her, hier wird geld zum fenster hinausgeschmissen , aber für viel bürokratie arbeit geschaffen…draufzahlen wird hier nur der nutztierhalter!!!

mmhm_sel_schu
mmhm_sel_schu
Tratscher
8 Tage 14 h

Da wird mal ordentlich Geld verbraten… Es wäre besser das Hirtentum bei hns mehr zu fördern, siehe Beispiel Schweiz. Fann würden wir weniger Kompetenzzentren-Müll usw. benötigen. Aber besser jahrelange Schulungen ins leben rufen, nachhaltig ist anders….

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
8 Tage 13 h

Steve
Steve
Neuling
8 Tage 8 h

Wahnsinn wie mit unseren Steuergeldern umgegangen wird. Zuerst wird viel Geld ausgegeben um diese wilden Raubtiere anzusiedeln und dann wird noch mehr Geld ausgegeben um die entstehenden Schäden zu begrenzen. Weg mit diesen nutzlosen und gefährlichen Raubtieren!

Tanne
Tanne
Superredner
8 Tage 8 h

©Steve Nutzlose Tiere??? Du meinst sie bringen kein Geld für dich.
Jedes Lebewesen hat einen Nutzen, außer die Menschen, da muss man vielen grosse abstriche machen.

Steve
Steve
Neuling
8 Tage 5 h

@Tanne Nein, ich meine keinen finanziellen Nutzen, sondern einen Nutzen für die Natur. Normalerweise sollten Raubtiere die Aufgabe der Jäger übernehmen und kranke Wildtiere reißen. Aber die künstlich ausgesetzten Raubtiere sind kaum scheu und jagen lieber gesunde Nutztiere wie Schafe und kommen auch den Menschen gefährlich nahe.

Tanne
Tanne
Superredner
7 Tage 14 h

©Steve
Wir Menschen sind den Raubtieren gefährlich nahe gekommen, und nicht umgekehrt. Dass die Raubtiere zuerst die Beute erlegen die sie ohne grossen aufwand reissen können, liegt in der Natur der Tiere. Und Natürlich frassen sie auch jeglichen Aas, und reissen auch kranke und schwache Tiere aller Art. Den Jäger bräuchte es nicht, wenn wir der Natur freien Lauf lassen. Einen Spruch dazu kann ich dir gerne liefern. “Die Natur kann ohne den Menschen, aber der Mensch kann nicht ohne Natur”. Wir müssen mit der Natur Leben, und nicht immer meinen den Herrgott ersetzen zu müssen.

Gudrun
Gudrun
Superredner
8 Tage 14 h

Herdenschutz für Wildtiere – und jetzt Herdenschutz für die Weihnachtsmärkte….. 😷😷

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