Alle Hipp-Babykostgläschen bei Spar Österreich zurückgerufen

Hipp-Glas mit Rattengift im Burgenland sichergestellt

Samstag, 18. April 2026 | 22:49 Uhr

Von: apa

Im Zusammenhang mit dem Rückruf aller Babykostgläschen von Hipp bei Spar Österreich dürfte es sich um einen mutmaßlichen Erpressungsversuch handeln. Samstagabend ist die Sicherstellung eines offensichtlich manipulierten Behältnisses in Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) bekannt geworden. Eine Probe des sichergestellten Produkts wurde positiv auf Rattengift getestet, teilte die Landespolizeidirektion Burgenland mit.

“Dieses Gläschen war von einem Kunden gemeldet worden, ein Verzehr hat nicht stattgefunden”, hieß es vonseiten der Polizei. Bei dem vom Landeskriminalamt Burgenland sichergestellten Gläschen handelt es sich laut einer Aussendung um “Karotten mit Kartoffeln 190 Gramm”, also um jenes Produkt, das vom am Freitagabend getätigten Rückruf umfasst ist. Der Inhalt wurde am Samstagnachmittag unter Mitwirkung des Bundeskriminalamts untersucht und positiv auf Rattengift getestet.

In Tschechien und der Slowakei seien ebenfalls markierte Gläser polizeilich sichergestellt worden, hieß es in der Aussendung. “Erste Laboruntersuchungen ergaben bei diesen Produkten einen giftigen Zusatzstoff. Zudem wurde berichtet, dass manipulierte Gläser verdorben riechen würden”, teilte die burgenländische Polizei mit.

Laufende Ermittlungen in Deutschland

Verwiesen wurde weiters auf laufende Ermittlungen in Deutschland. In diesem Zuge seien nämlich die heimischen Behörden darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass sich eventuell verunreinigte Hipp-Gläser im Raum Eisenstadt im Umlauf befinden könnten. Die weiteren Erhebungen in Österreich werden vom Landeskriminalamt Burgenland in Kooperation mit dem Bundeskriminalamt geführt. Einen Verdächtigen gibt es derzeit nicht.

Ersucht wurde erneut um “erhöhte Aufmerksamkeit und rasche Meldung verdächtiger Wahrnehmungen”. Nach aktuellem Ermittlungsstand seien verdächtige Produkte erkennbar an einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden. Hinzu komme ein geöffneter oder beschädigter Deckel und ein fehlender Sicherheitsverschluss, wodurch das sogenannte Knack-Geräusch beim ersten Öffnen fehlt. Laut Zeugenaussagen sei auch ein “ungewöhnlicher oder verdorbener Geruch” zu vernehmen. Bei Auffälligkeiten sollten die Produkte nicht geöffnet und keinesfalls einem Baby oder Kleinkind zum Verzehr angeboten werden. Weiterhin nimmt die Landespolizeidirektion Burgenland Informationen im Zusammenhang mit der Causa unter der Telefonnummer +43-5913310-3333 entgegen.

“Besondere Vorsicht geboten”

Bereits zuvor hatten am Samstagabend Gesundheitsministerium und Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf APA-Anfrage in der Causa von möglicherweise beigemengtem Rattengift gesprochen. Es sei “besondere Vorsicht geboten, bis der Fall vollständig aufgeklärt ist”.

Rattengifte enthalten demnach unterschiedliche Wirkstoffe mit entsprechend unterschiedlichen gesundheitlichen Auswirkungen. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff sei Bromadiolon, ein sogenannter Vitamin-K-Antagonist. Dieser hemmt die Wirkung von Vitamin K, das für die Blutgerinnung erforderlich ist. Infolge dessen kann es zu einer verminderten Gerinnungsfähigkeit des Blutes kommen. Mögliche Folge davon sind unter anderem Blutungen (Zahnfleischbluten, Nasenbluten, blaue Flecken, Blut im Stuhl).

Verzögerte Symptome

Die Symptome tauchen typischerweise verzögert, etwa erst zwei bis fünf Tage nach der Aufnahme auf, wurde informiert. Bei Auftreten von Blutungen, extremer Schwäche oder Blässe ist umgehend eine Ärztin oder ein Arzt aufzusuchen, so die Handlungsempfehlung. “Informieren Sie medizinisches Personal unbedingt darüber, dass das betroffene Produkt verzehrt wurde. Überprüfen Sie Kindernahrungsmittel vor dem Verzehr sorgfältig (Aussehen, Geruch)”, wurde geraten. Außerdem: “Falls Ihnen verdächtige Gläschen an Säuglingsnahrung auffallen, verständigen Sie bitte umgehend die regional zuständige Polizeiinspektion.”

“Es handelt sich dabei um einen mutmaßlichen Erpressungsversuch”, erläuterte die AGES dabei online. Bei entsprechender ärztlicher Behandlung, insbesondere durch die Gabe von Vitamin K, ist die Vergiftung gut behandelbar, informierten die AGES-Experten.

“Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aufgrund der laufenden Ermittlungen derzeit keine weitergehenden Informationen geben können. Wir verweisen an die zuständigen Behörden”, hieß es am Samstagvormittag auch in einer schriftlichen Anfragebeantwortung von Hipp an die APA.

Hipp-Elternservice erreichbar

Das Hipp-Elternservice Österreich für besorgte Mütter und Väter ist demnach statt üblicherweise nur werktags nun auch am Wochenende unter der Nummer +43-7612-76577-104 erreichbar. “Der Kanal ist offen und beunruhigte Verbraucher können sich jederzeit dort melden.”

Der Rückruf sei “vorsorglich erfolgt, um auch ein theoretisches Risiko auszuschließen”, hieß es am Samstag seitens der Hipp-Pressestelle gegenüber der APA. “Wenn ein Kind keine Beschwerden zeigt, besteht kein Anlass zur Sorge. Wenn Eltern unsicher sind oder Symptome bemerken, sollen sie sich bitte an Kinderarzt oder medizinische Notfallstelle wenden.” Unklar blieb, wie viele Hipp-Gläser von dem Rückruf betroffen sind.

Causa wurde am späten Freitagabend publik

Die Causa war am späten Freitagabend publik geworden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass durch Manipulation in den Artikel “Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel 190 Gramm” ein gefährlicher Stoff eingebracht wurde, hieß es in einer Aussendung von Hipp. “Der Verzehr eines solchen Gläschens kann lebensgefährlich sein”, wurde betont.

Spar Österreich wurde Freitagabend über die Geschehnisse informiert, sagte Sprecherin Nicole Berkmann auf APA-Anfrage. Aufgrund des Verdachts einer Manipulation seien “aus Sorgfaltspflicht” vor Öffnung der Filialen am Samstag sämtliche Hipp-Produkte aus dem Sortiment genommen worden. Spar Österreich hat 1.500 Filialen in Österreich. Die Produkte wurden nun eingelagert.

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