Von: AP
Kaltern – Bei der 121. Hauptversammlung des Alpenvereins Südtirol (AVS) blickte Präsident Georg Simeoni sowohl auf das 80‑jährige Bestehen des AVS als auch auf die aktuellen und kommenden Herausforderungen des Vereins. Neben Rückblicken, Neuwahlen und Ehrungen standen insbesondere Natur‑ und Umweltschutz sowie das Ehrenamt im Mittelpunkt der Versammlung.
Ein zentrales Tätigkeitsfeld des AVS bleiben die Schutzhütten. Für 2026 bis 2028 sind umfangreiche Sanierungen der Marteller Hütte und der Dreischuster‑Hütte geplant. Im vergangenen Jahr wurden bereits die Tiefrasten‑ und Sesvennahütte energetisch und hygienisch modernisiert sowie Unterkünfte für das Personal geschaffen. Die Kosten trägt der Gesamtverein, unterstützt vom Land Südtirol und Solidaritätsbeiträgen einzelner Sektionen. Gemeinsam mit dem ÖAV wurde zudem das Helmhaus im Rahmen eines Interreg‑Projekts als Ort der Begegnung saniert.
Simeoni erinnerte an die Gründung des AVS am 14. Juni 1946 und hob das Ehrenamt als tragende Säule des Vereins hervor. Heute zählt der AVS 37 Sektionen, 59 Ortsstellen, 11 Schutzhütten und rund 83.000 Mitglieder, ein Viertel davon unter 25 Jahre. „Ehrenamtliches Engagement ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr“, betonte Simeoni und verwies auf zunehmende Bürokratie und gesellschaftliche Veränderungen. Umso wertvoller sei der Einsatz vieler – insbesondere junger – Funktionärinnen und Funktionäre, die Werte wie Respekt, Verantwortung und Gemeinschaft an Kinder und Jugendliche weitergeben.

Ein klarer Schwerpunkt der Ansprache lag auf Natur- und Umweltschutz. Simeoni warnte eindringlich vor der fortschreitenden Erschließung der Bergwelt: Skigebietserweiterungen, Speicherbecken, Infrastrukturprojekte und Almerschließungsstraßen gefährdeten zunehmend die letzten unberührten Räume. Er nannte konkret Beispiele wie die Steinerne Stadt, das geplante Großspeicherbecken im Skigebiet, die Abholzungen in der Gallenmahd in Martell, den Windpark am Sandjoch sowie Diskussionen um neue Zufahrts- und Almwege in sensiblen Schutzgebieten.
„Was nützen Naturparke und Gesetze, wenn sie nicht kontrolliert und durchgesetzt werden?“, fragte Simeoni und appellierte eindringlich an die Politik, Umwelt‑, Klima‑ und Naturschutz nicht wirtschaftlichen Einzelinteressen zu opfern. Ein verbautes Südtirol sei nicht attraktiv – es brauche ein Umdenken von ständigem Wachstum hin zu Bewahren und Schützen.
Der AVS versucht dabei, selbst Vorbild zu sein: Viele Sektionen bieten Touren mit öffentlichen Verkehrsmitteln an, zudem ist ein Projekt zur CO₂‑Bilanzierung der AVS‑Aktivitäten geplant. Auch die Toponomastik bleibt ein Anliegen des Vereins; Simeoni verwies auf vorliegende Namensvorschläge und erste politische Gesprächsbereitschaft. Landeshauptmann Arno Kompatscher rief in seinen Grußworten zu konstruktiver Kritik und Dialog auf. Politik genehmige nicht alles, viele Projekte würden abgelehnt. Erschließung sei teils sinnvoll, brauche aber klare Grenzen. Beim Almprojekt bestehe Unsicherheit über spätere touristische Nutzung. Zur Toponomastik bekennt er sich zu Dialog, Wahrung historischer Namen und lehnt neue Erfindungen ab.
Bei den Neuwahlen verabschiedete sich Ingrid Beikircher nach 18 Jahren als Vizepräsidentin. Zur neuen Vizepräsidentin wurde Dorothea Volgger gewählt. Neuer Bezirksvertreter für den Vinschgau ist Stefan Wallnöfer – er folgt auf Albert Platter. Albert Platter betonte den Erneuerungsbedarf eines großen Vereins. Georg Simeoni lobte seine Besonnenheit. Ingrid Beikircher blickte auf 18 Jahre als Vizepräsidentin zurück, prägte „Bergeerleben“ und engagierte sich für Toponomastik, Bergsteigerdörfer sowie Natur- und Umweltschutz.
Ein weiterer Höhepunkt war die Verleihung des alpinen Förderpreises 2026 an den 21‑jährigen Alpinisten Maximilian Braun aus Vahrn. Mit dem Preis würdigt der AVS jungen, vielseitigen und verantwortungsvollen Alpinismus. „Ich lebe meinen Traum“, sagt Maximilian Braun. Kein Ausnah Alpinismus ist ehrlich und verlangt Kopf und Mut; Umkehren und Scheitern gehören dazu. Es geht um Träume, nicht um Rekorde.

Mit einer Diskussionsrunde – moderiert von Evi Keifl – zum Thema „Alpinismus im Alpenverein von morgen“ mit Bergführer Hanspeter Eisendle, „ALPINIST“:in Anna Mantinger, Journalist und kritischen Beobachter Andras Gschleier und Kathrin Zischg, Leiterin der HG Bozen, endete eine Hauptversammlung, die deutlich machte: Weniger ist mehr. Neue Infrastruktur nimmt Raum, birgt aber Chancen. Projekt „ALPINIST“, Dialog und Weitsicht wurden als zentral betont.




Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen