Von: luk
Bozen/ New York – In den USA ist Ende März ein Manager eines norditalienischen Waffen- und Munitionsunternehmens festgenommen worden. Dem 61-jährigen Manfred Gruber aus dem Südtiroler Unterland wird vorgeworfen, Munition im Wert von über 500.000 Dollar illegal exportiert und letztlich nach Russland weitergeleitet zu haben – unter Umgehung strenger US-Exportkontrollen.
Wie das US-Justizministerium im Bezirk Eastern District of New York mitteilte, wurde Gruber am 30. März verhaftet. Er sitzt derzeit in einem Gefängnis in Brooklyn und wartet auf das Urteil. Das Verfahren könnte sich noch über Monate hinziehen.
Geständnis und komplexes Netzwerk
Laut Anklage hat sich Gruber der Verschwörung zur Umgehung von Exportvorschriften schuldig bekannt. Die Ermittler zeichnen das Bild eines verzweigten Systems: Munition wurde zunächst legal von US-Firmen nach Italien geliefert, durfte von dort jedoch nicht weiter exportiert werden.
Hier beginnen die Vorwürfe: Über Tarnfirmen und Zwischenhändler soll Gruber die Ware nach Kirgisistan umgeleitet haben. Von dort aus sei ein Großteil der Munition nach Russland gelangt. Es wird angenommen, dass damit der Krieg gegen die Ukraine unterstützt wurde.
Ermittlungen führen zu internationalem Netzwerk
Ausgangspunkt der Untersuchungen war offenbar ein bereits verurteilter Waffenhändler aus Kirgisistan, Sergei Zharnovnikov. Er hatte sich schuldig bekannt, US-Waffen und Munition illegal nach Russland geliefert zu haben, und wurde zu 39 Monaten Haft verurteilt.
US-Staatsanwalt Joseph Nocella sprach von einem gezielten Versuch, “militärische Munition über Umwege in ein Kriegsgebiet zu bringen”. Auch das FBI bestätigte, dass Gruber Teil eines internationalen Netzwerks gewesen sein soll, das US-Munition trotz Sanktionen nach Russland schleuste, wie die Zeitung Alto Adige heute berichtet.
Verschleierung und abgefangene Nachrichten
Besonders brisant: Laut Gerichtsunterlagen war sich Gruber der Exportbeschränkungen bewusst. Er habe gezielt Maßnahmen ergriffen, um die wahre Endbestimmung der Lieferungen zu verschleiern.
Abgehörte Nachrichten deuten darauf hin, dass die Beteiligten sogar diskutierten, Lieferungen aufzuteilen, um weniger aufzufallen. Hintergrund war offenbar die Sorge, bereits entdeckte ähnliche Geschäfte könnten die Behörden alarmieren.
Den Unterlagen des US-Justizministerium zufolge war sich der 61-Jährige also bewusst, dass er mit seinen Handlungen gegen amerikanisches Recht verstieß.
In den abgefangenen Nachrichten zwischen Gruber und einem Geschäftspartner geht es etwa um die Lieferung von rund 100.000 Schuss Munition und mögliche Versandwege.
Als der Kontakt nach Lieferzeiten fragt, antwortet Gruber zunächst ausweichend – und wird dann deutlich: Er erkundigt sich, ob die Ware “auf einmal” geliefert werden müsse, und verweist auf das Risiko wegen der “möglichen Destination”. Dabei erwähnt er auch einen bereits aufgeflogenen Fall eines Zwischenhändlers mit Russland-Bezug. Der Geschäftspartner schlägt daraufhin vor, die Lieferung aufzuteilen. Grubers Antwort: Das sei besser, “damit es unbemerkt bleibt” – versehen mit einem augenzwinkernden Emoji.
Für die US-Ermittler sind diese Nachrichten ein zentraler Beleg: Sie sollen zeigen, dass der Beschuldigte die Exportbeschränkungen kannte und gezielt versuchte, sie zu umgehen.
Nutzung von US-Infrastruktur
Für die Exporte wurde laut Anklage unter anderem der Flughafen John F. Kennedy in New York genutzt. Die US-Behörden betonen, dass sie konsequent gegen jeden vorgehen wollen, der amerikanische Unternehmen oder Produkte zur Unterstützung ausländischer Kriegsführung missbraucht.
Der Fall sorgt auch in Südtirol für Aufsehen: Der Beschuldigte lebt in der Unterland und war als Vertriebsleiter eines bekannten Branchenunternehmens tätig.




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