Von: ka
Bozen/Crans-Montana – Seit einigen Jahren wird die Welt von menschlichen Tragödien heimgesucht, die das Vorstellungsvermögen der Mitteleuropäer, die immer noch das Privileg genießen, in Frieden zu leben, bei Weitem sprengen.

Kaum ist im Gazastreifen, wo in den vergangenen zwei Jahren zehntausende Menschen durch israelische Luftangriffe ums Leben kamen, ein wenn auch brüchiger Frieden eingekehrt, werden im Südsudan bei Massakern und im Iran bei blutigen Protesten Tausende unschuldige Menschen ermordet. Auch in der Ukraine, wo russische Drohnen- und Raketenangriffe täglich Unschuldigen das Leben kosten, nimmt das Sterben kein Ende.

Doch folgte zum Jahreswechsel die Brandkatastrophe im Le Constellation im Schweizer Nobelskiort Crans-Montana. Ein Grund, warum uns diese Tragödie besonders berührt, könnte sein, dass wir von den ständigen Hiobsbotschaften aus Nahost, Afrika und der Ukraine dermaßen abgestumpft sind, dass wir sie nur noch am Rande wahrnehmen. Ein weiterer ist, dass die Opfer der Kriege und deren Heimatländer weit weg von uns sind. Die jugendlichen Opfer im Le Constellation jedoch könnten die Kinder, Enkel oder Schulfreunde eines jeden von uns gewesen sein – „insre Kindr” eben.

Dabei schwingt auch die Angst mit, die alle Eltern empfinden, wenn ihre Kinder am Wochenende ausgehen und vielleicht erst in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages wieder nach Hause kommen. „Hoffentlich passiert ihnen nichts auf der Straße oder in der Disko?”, bangen viele Mütter und Väter.

Besonders erschreckend ist, dass sich die Tragödie ausgerechnet in der „sicheren Schweiz” ereignete. Es ist schmerzlich festzustellen, dass die angeblich strengsten und am besten kontrollierten Sicherheitsvorschriften in der gelebten Praxis nur auf dem Papier existierten.

Nach der Katastrophe, bei der 40 junge Menschen starben und viele weitere für den Rest ihres Lebens gezeichnet sein werden, wird immer deutlicher, dass Nachlässigkeit, Fahrlässigkeit und möglicherweise sogar kriminelle Machenschaften für das Desaster verantwortlich sind.

Der Tod ist nicht weit weg, er könnte auch ganz nah sein – das macht allen Angst.




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