Ähnliche Bedingungen haben früher nicht so hohe Temperaturen erzeugt

Klimawandel macht Hitzewelle bis zu vier Grad heißer

Mittwoch, 24. Juni 2026 | 13:28 Uhr

Von: APA/dpa/AFP

Der menschengemachte Klimawandel verschärft die derzeitige Hitzewelle in weiten Teilen Europas Fachleuten zufolge deutlich. “Das Wettermuster hinter dieser Hitzewelle ist nicht außergewöhnlich”, sagte Davide Faranda von dem Projekt Climameter. “Was außergewöhnlich ist, ist, dass der Klimawandel den Temperaturen in Teilen Westeuropas bis zu vier Grad Celsius hinzugefügt hat.” Man nähere sich den Grenzen dessen, woran sich Gesellschaften und Ökosysteme anpassen könnten.

Climameter beschäftigt sich mit dem Einfluss des Klimawandels auf Wetterbedingungen in Europa. Das Projekt wird von der Europäischen Union und dem französischen Forschungsinstitut CNRS finanziert und vom Klimaforschungsinstitut IPSL unterstützt.

Für ihre Analyse haben sich die Wissenschafterinnen und Wissenschafter Zirkulationsmuster am 22. Juni angeschaut. Temperaturen seien etwa zwei bis vier Grad Celsius wärmer, als sie bei ähnlichen meteorologischen Bedingungen in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen wären. Dass ähnliche Wettermuster heute höhere Temperaturen hervorbrächten, liege an Treibhausgasemissionen.

Auch in Wien 1,5 Grad heißer

Die Fachleute listen in ihrer Untersuchung die berechneten Temperaturunterschiede für mehrere Städte in Europa auf. Im spanischen Saragossa sei es vier Grad Celsius heißer, in Mailand 3,8 Grad und in Paris 2,4 Grad, als es unter ähnlichen Bedingungen noch vor mehreren Jahrzehnten gewesen wäre. Auch in Wien treibe der Klimawandel die Hitzewelle mit 1,5 Grad mehr an.

Die Expertinnen und Experten betonen, dass es bereits mehrfach in der Vergangenheit ähnliche Zirkulationsmuster gegeben habe. Nun aber führten sie zu deutlich höheren Temperaturen. Auch verwiesen sie darauf, dass Extremhitzeereignisse in Westeuropa bereits deutlich stärker zugenommen haben, als Klimamodelle dies angenommen hatten.

Auch das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) analysierte diese Woche in einer im Fachjournal “Nature” veröffentlichten Studie, wie die Bedrohung durch gefährliche Hitze in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat. So liegt demnach etwa in Südeuropa die maximale gefühlte Temperatur an den zehn wärmsten Tagen des Jahres heute bis zu vier Grad höher als in den 1970er-Jahren, in Teilen Südwesteuropas sogar bis zu fünf Grad. Extremer Hitzestress kommt in Europa demnach mittlerweile rund zweieinhalbmal häufiger vor.

Europa erwärmt sich am schnellsten

Die aktuelle Hitzewelle erinnert eindrücklich daran, dass Europa der Kontinent ist, der sich am schnellsten erwärmt. Die Erde insgesamt ist heute etwa 1,4 Grad wärmer als im vorindustriellen Zeitraum von 1850 bis 1900. Europa hingegen hat sich laut dem EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus bereits um rund 2,4 Grad erwärmt.

Der langfristige Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperaturen ist hauptsächlich auf Treibhausgasemissionen aus der Verbrennung von Öl, Gas und Kohle zurückzuführen. Das Ausmaß unterscheidet sich jedoch von Region zu Region. So erwärmen sich zum Beispiel Landflächen schneller als Ozeane, da Wasser mehr Wärme aufnehmen und sich durch Verdunstung wieder abkühlen kann.

Häufigere Hochdrucklagen

Hochdruckgebiete, die für stabiles Wetter und höhere Temperaturen sorgen, treten nun laut Copernicus in Europa öfter auf. “Wenn man die letzten 20 bis 30 Jahre betrachtet, sieht man insbesondere im Sommer eine Häufung solcher Hochdrucklagen, die Hitzewellen wahrscheinlicher machen”, sagte Copernicus-Direktor Carlo Buontempo. Ob diese zunehmende Häufigkeit tatsächlich eine Folge des Klimawandels ist oder lediglich eine “statistische Schwankung”, ist Buontempo zufolge unter Wissenschaftern umstritten.

Grund für die erste Hitzewelle des Jahres im Mai war eine sogenannte Hitzekuppel – ein großräumiges Hochdruckgebiet, das über einer Region verharrt und wie ein Deckel wirkt, der heiße Luft einschließt. Die aktuelle Hitzewelle hängt dagegen mit einer dynamischeren Omega-Lage zusammen, deren Form an den griechischen Buchstaben erinnert.

Dabei werden die atlantischen Tiefdruckgebiete in weitem Bogen um Mitteleuropa herum geführt. “Wir haben vor Portugals Küste einen Kältezipfel, der wie eine Wärmepumpe wirkt”, erklärte Sébastien Léas vom französischen Wetterdienst Météo-France die aktuelle Lage.

Nähe zur Arktis und weniger Luftverschmutzung

Eine weitere wichtige Rolle spielt die Geografie: Europa ist mit der Arktis verbunden, die heute bereits 3,2 Grad wärmer ist als in vorindustrieller Zeit. Die steigenden Temperaturen dort sind teilweise auf den sogenannten Albedo-Effekt zurückzuführen. Heller Schnee und Eis reflektieren einen Großteil der Sonnenstrahlung ins All. Wenn sie jedoch schmelzen, kommen dunklere Oberflächen wie Land oder Meerwasser zum Vorschein, die wesentlich mehr Wärme aufnehmen. Auch in anderen Teilen Europas gibt es Regionen, die jetzt weniger lange und regelmäßig schneebedeckt sind als früher.

Durch strengere Umweltauflagen ist die Luftverschmutzung seit den 1980er-Jahren deutlich gesunken. Diese eigentlich positive Entwicklung hat einen negativen Nebeneffekt: Sie trägt indirekt zur Erwärmung bei, da viele der winzigen Partikel verschwunden sind, die kühlend wirken, indem sie Sonnenlicht reflektieren.

Erwärmung in unterschiedlichem Tempo

Innerhalb Europas verläuft die Erwärmung unterschiedlich schnell. Ost- und Südosteuropa sowie Teile Mitteleuropas, darunter die Alpen, erwärmten sich laut Copernicus in den vergangenen 30 Jahren um 0,5 bis 1 Grad Celsius pro Jahrzehnt. In Westeuropa, Südwesteuropa sowie den subarktischen Regionen Finnlands, Norwegens und Schwedens waren es 0,2 bis 0,5 Grad pro Dekade. Besonders stark betroffen ist Spitzbergen, wo die Temperaturen sogar um 1,5 bis 2 Grad Celsius in zehn Jahren stiegen. Zwischen 2022 und 2024 wurden dort Rekord-Sommertemperaturen gemessen.

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