Landesregierung hat umfangreiche Maßnahmen beschlossen

Laimburg: Keine Evakuierung, kein Abbruch nötig

Freitag, 26. August 2016 | 16:20 Uhr

Pfatten – Entgegen einigen Medienberichten dürften Schutzmaßnahmen gegen Naturgefahren am Versuchszentrum Laimburg ausreichen.

Am Dienstag, 23. August hat die Südtiroler Landesregierung das Raumprogramm bezüglich der Minimierung der hydrogeologischen Gefahren im Areal des Land- und Forstwirtschaftlichen Versuchszentrums Laimburg (Beschluss Nr. 908) genehmigt. Der technische Bericht, der dem Raumprogramm zugrunde liegt, kommt zu dem Ergebnis, dass auf dem Areal des Versuchszentrums Laimburg das Risiko von Felsstürzen und Hochwasser nicht ausgeschlossen ist. Um das Areal vor diesen Naturgefahren zu schützen, hat die Landesregierung umfangreiche Maßnahmen beschlossen. Entgegen einigen anderslautenden Medienberichten ist nicht geplant, Gebäude des Versuchszentrums dabei zu evakuieren, zu schließen oder gar abzubrechen, um sie an anderer Stelle neu aufzubauen.

Vor dem Hintergrund der Gefahrenzonenplanung der Gemeinde Pfatten haben die Experten des Amts für Geologie und Baustoffprüfung das Areal des Versuchszentrums Laimburg untersucht, insbesondere die an das Areal angrenzenden Felshänge – sowie die Überschwemmungsgefahr im Areal. Um die geologische Situation zu bewerten, wurde eine dreidimensionale Steinschlagsimulationen durchgeführt und eine Karte der Blocksturzweite erstellt. Aus diesen Simulationen geht hervor, dass sich Teile des Versuchszentrums  in einer Zone befinden, die im Falle eines massiven Felssturzes von bis zu 1,5 Prozent der herabfallenden Steinblöcke erreicht werden könnte. Laut Gesetz müssen Gebäude, die sich in dieser Zone befinden, nicht evakuiert oder abgebrochen werden, jedoch sind Sicherungsmaßnahmen zur Vorbeugung zu treffen, wie nun einen Beschluss der Landesregierung benötigen.

Aus der Prüfung der hydraulischen Gefahr und einer Studie der Wassergefahren in diesem Areal geht zudem hervor, dass das Gebiet durch einen möglichen Anstieg des Pegels der Etsch gefährdet wäre: Der maximale Wasserspiegel des 200-jährigen Hochwassers würde eine Höhe von 1,10 m über der mittleren Geländeoberkante (GOK) erreichen und somit die Erdgeschosse aller bestehenden Gebäude überschwemmen.

Landesregierung ergreift Initiative zur Sicherung des Areals

Obwohl der Gefahrenzonenplan der Gemeinde Pfatten bislang noch nicht genehmigt wurde, hat die Landesregierung mit obengenanntem Beschluss proaktiv Maßnahmen zur Sicherung des Areals ergriffen, die zeitnah umgesetzt werden sollen. Dazu zählen:

Maßnahmen zum Schutz gegen Steinschlaggefahr

Das Absicherungskonzept sieht vor, dass „soweit möglich, neue Bauwerke nicht wieder unter der Felswand errichtet werden […] und für Neubauten überlegt werden [soll], ob bestehende Gebäude in die Neubauten integriert werden sollen“. Dieses Konzept soll für die Errichtung einer Jollystruktur hinter dem Versuchslagerhaus umgesetzt werden. Das dort bestehende Magazin soll – wie bereits lange geplant – zu einer Jollystruktur erweitert werden, in der die Werkstätte und die Remisen sowie temporäre Labors untergebracht werden. Die bestehenden Gebäude (Werkstätte, Remisen) werden anschließend abgebrochen.

Zum Schutz vor einem Felssturz wird im nordwestlichen Bereich des Areals ein Erddamm errichtet, der die Fläche entlang des Versuchslagerhauses und hinter dem Versuchslagerhaus schützen soll. Dieser Erddamm wird aus zwei Abschnitten bestehen:

Beim ersten Abschnitt handelt es sich um einen beidseitig bewehrten Erddamm  mit einer Höhe bis zu fünf Metern einer Gesamtlänge von 140 Metern und einem Volumen von rund 3.300 Kubikmetern. Im zweiten Abschnitt ist der Erddamm auf einer Betonschachtel aufgesetzt (Höhe: bis 8,3 m; Gesamtlänge: 185 m; Erdvolumen: 1.180 m³; Betonvolumen: 2.220,00 m³) und wird neben der Schutzfunktion auch Raum zum Unterbringen landwirtschaftlicher Fahrzeuge, Lager und Ähnliches bieten. Der Kostenpunkt dieser Maßnahmen beträgt 1.550.000 Euro.

Für den Bereich, in dem sich das Mensagebäude, der Eingang zum Felsenkeller und die Weinkellerei mit ihren Nebengebäuden befinden, soll hingegen vor Ort, mittels zerstörungsfreier Materialprüfungen vor Ort und im Labor untersucht werden, ob die bereits bestehenden Felssicherungen oberhalb dieser Gebäude adaptiert, verstärkt und verbessert werden können. Mit einer solchen Verbesserung der Sicherung soll erreicht werden, dass alle darunterliegenden Gebäude langfristig außerhalb der Risikozone liegen. Die Kosten für diese Maßnahmen belaufen sich auf 80.000,00 Euro.

Maßnahmen zum Schutz gegen Hochwasser

Zum Schutz vor Überschwemmungen ist die Errichtung einer zirka 1.300 Meter langen Mauer (Gesamtstärke: 30 cm) entlang des Grabens vorgesehen, der parallel zur Zufahrtsstraße zum Versuchszentrum verläuft. Kostenpunkt: 990.000 Euro.

Gewissheit durch Machbarkeitsuntersuchung

Es ist also davon auszugehen, dass es möglich ist, die Gebäude des Versuchszentrums Laimburg, die sich innerhalb der Risikozone befinden, mit den beschlossenen Maßnahmen zu sichern. Endgültige Gewissheit wird die Machbarkeitsuntersuchung bezüglich der Verbesserung und Adaptierung der bestehenden Felssicherungen bringen, mit der das Amt für Geologie und Baustoffprüfung betraut worden ist.

Von: mk

Bezirk: Überetsch/Unterland

Kommentare

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2 Kommentare auf "Laimburg: Keine Evakuierung, kein Abbruch nötig"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
thomas
Grünschnabel
29 Tage 22 h

so lange dort das psychiatrische Rehabilitationszentrum untergebracht war, hatte sich niemand Sorgen gemacht….

berthu
Neuling
29 Tage 10 h

soviel zur Kurzsichtigkeit und Verantwortung (slosigkeit) unserer Landesherren. Hoffentlich haben die gegenwärtigen und zukünftigen mehr Hausverstand, oder hören auf andere mit Hausverstand.

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