Südtiroler ist nur knapp dem Tod entronnen

Nach der Lawine: Alpinist verklagt Bergführer

Samstag, 02. Juni 2018 | 10:01 Uhr

Bozen – Ein 60-jähriger Südtiroler, der eine Leidenschaft für die Berge hegt und auch selbst über Erfahrung verfügt, lässt sich als Nebenkläger in Verfahren gegen einen deutschen Bergführer ein. Der 60-Jährige macht ihn für körperlichen und psychologischen Schaden verantwortlich. Der Grund: Am 2. März im vergangenen Jahr war er bei einer gemeinsamen Tour oberhalb von Courmayeur im Aostatal von einer Lawine verschüttet worden. Der 60-Jährige ist dabei dem Tod nur knapp entronnen.

Gemeinsam mit zwei Kollegen hatte der 60-Jährige die Tour in Angriff genommen. Aus Sicherheitsgründen engagierten sie den 50-jährigen Bergführer. Die Lawine hat sich gelöst, als die Gruppe eine verschneite Schlucht überqueren wollte.

In der Zone herrscht seit 1996 ein Verbot des Skifahrens abseits der Piste. Der Bergführer wusste davon jedoch nichts und entschloss sich, das Risiko einzugehen. Nun wird ihm vorgeworfen, den Ernst der Lage deutlich unterschätzt zu haben.

Die Lawine, die sich an einem steilen Hang gelöst, verschüttete sowohl die Gruppe des Südtirolers als auch eine zweite Gruppe, die nicht mit demselben Bergführer unterwegs gewesen war.

Insgesamt kamen drei Menschen ums Leben. Fünf weitere wurden schwer verletzt – darunter auch der Südtiroler. Er hat sich nun entschlossen, sich mit Anwalt Nicola Nettis als Rechtsbeistand in das Verfahren gegen den Bergführer als Nebenkläger einzulassen. Der Südtiroler glaubt, dass der Bergführer maßgeblich für das Geschehen verantwortlich ist.

Erst kürzlich hat in Aosta die Vorverhandlung stattgefunden und die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den Bergführer wegen fahrlässiger Tötung erhoben.

Der Bergführer wird unter anderem auch vorgeworfen, die erhöhte Warnstufe für Lawinengefahr ignoriert zu haben. Während in den Tagen zuvor viel Schnee gefallen war, sind die Temperaturen im Anschluss darauf angestiegen und lagen über den Mittelwert, wie er in der Saison normalerweise üblich ist. Außerdem wehte ein relativ starker Wind.

Der 60-jährige Südtiroler, der von der Lawine erfasst worden war, lag etwa 30 Minuten lang unter dem Schnee begraben. Glücklicherweise war er in einer Luftblase eingeschlossen, die ihm weiter das Atmen ermöglichte. Nachdem er von den Bergrettern geborgen worden war, wurde er mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Er hatte sich mehrere Brüche zugezogen und stand rund zwei Monate lang unter ärztlicher Behandlung.

Doch damit nicht genug: Seit dem Unglück plagt ihn auch seelisches Leid. Der Südtiroler erklärt, dass er einen Schock erlitten habe, der ihn immer noch weiter verfolge. So leide er seitdem unter Schlafstörungen und Albträumen.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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18 Kommentare auf "Nach der Lawine: Alpinist verklagt Bergführer"


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andr
andr
Superredner
15 Tage 21 h

Manche Menschen glauben das man mit Bergführer 100 % unterwegs ist dem ist nicht so er kann das Risiko verringern dadurch das er ortskundig ist jedoch bei skitouren ist auch ein großer teil an Selbstverantwortung erforderlich wer sich im Winter im Freien Gelände bewegt weiß das

alsobi
alsobi
Neuling
15 Tage 20 h

In dem Fall war es wohl anders soweit ich die Berichte gelesen habe.

xXx
xXx
Tratscher
15 Tage 20 h

geb ich dir schon recht, aber in diesem Fall hat der Bergführer Verbote missachtet und Wahrnungen ignoriert und die Gruppe bei großer Lawinengefahr in ein Gebiet geführt, wo das befahren verboten ist.
Wenn die Gruppe diesen Weg gehen wollte, muss der Bergführer “Eier” zeigen und Nein sagen und nicht nur auf sein Geld schauen.
Warum sonst soll ich einen Ortskundigen Bergführer engagieren?

Eppendorf
Eppendorf
Superredner
15 Tage 20 h

Lies den Artikel.

enkedu
enkedu
Kinig
15 Tage 17 h

ich sag auch: magst nicht den Artikel lesen?

Sellwoll
Sellwoll
Neuling
15 Tage 18 h

ich kenne die Geschichte aus den Erzählungen des Verunfallten und auch aus den zahlreichen Berichten des obengenannten. Bereits aus dem Krankenhaus wurde jedes Detail auf Fb usw. genauestens geschildert und immer, und immer wieder erwähnt wie nahe er am Tod vorbei geschlittert ist.
Lass gut sein Alpinist! Lass den Bergführer! Mit deiner Erfahrung hättest du damals auch eine Entscheidung treffen können! Sei doch froh, dass du wieder gesund bist! Die Schadensersatzforderung finde ich sehr bedenklich!

aristoteles
aristoteles
Grünschnabel
15 Tage 19 h

meistens kommen in den bergen diese sogenannten erfahrenen leute ums leben, weil sie glauben experten zu sein. die unerfahrenen passen hingegen besser auf

Moar
Moar
Neuling
15 Tage 17 h

Die unerfahrenen gion a la Gogile Tourn. Wos soll sem schu passiern?

AlfonsHatler
AlfonsHatler
Neuling
15 Tage 9 h

@Moar Kemintner, teilweise hosch du Recht, mit dor Erfohrung steigt a dor Drong, gefählichere Sochn zu probiern

jack
jack
Superredner
15 Tage 46 Min

@Moar
und bleibm am leben. wer isch nuar gscheiter?

Giorgia
Giorgia
Grünschnabel
15 Tage 19 h

Den eigenen Hausverstand sollte man zu jeder Zeit abrufbar haben, speziell wenn man in alpinem Gelände unterwegs ist, allein oder in Begleitung! ⛷

Tabernakel
15 Tage 18 h

Das Gericht wird es klären.

marsmaennchen
marsmaennchen
Tratscher
15 Tage 17 h
Dürfte eine interessante Entscheidung werden. Offensichtlich hat der Bergführer elementare Warnhinweise missachtet und somit sich und die ihm anvertrauten Menschen in Lebensgefahr gebracht. Eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung ist ihm sicher. Nicht so sicher ist es, ob der Nebenkläger Anspruch auf einen Schadenersatz hat. Das hängt auch davon ab, wie viel Erfahrung der Alpinist selbst mitbringt und wieweit er mit der Entscheidung des Bergführers einverstanden war. Da er sich sowohl für den Aufstieg als auch gegen eine Rückkehr oder andere Route entschieden hat, trägt er an seinem Unglück eine gehörige Portion Mitverantwortung. Das Gericht muss nun sehr genau abwägen, wie hoch diese Mitverantwortung ist. Fällt… Weiterlesen »
alsobi
alsobi
Neuling
15 Tage 16 h

Versteh auch nicht so recht warum die Geschichte weiterhin in der Öffentlichkeit ausgetragen werden muss. Vielleicht sind die Forderungen überzogen!  Die Schadensersatzforderung kann ich dennoch nachvollziehen.

Zukunft Suedtirol
Zukunft Suedtirol
Grünschnabel
15 Tage 8 h

Awia a Schmerzensgeld, noa verschwinden die Albträume und seelischen Gepläge….. sell hilft gonz sicher dem Bergsteiger

OrB
OrB
Universalgelehrter
15 Tage 1 h

Soll froh sein dass er noch lebt!
Ab Lawinenwarnstufe 2 die Berge sperren!

Audi
Audi
Superredner
15 Tage 3 h

Jedo will lama okassiern, i glab der Alpinist vosteaht wirklich net viel , Sicherheit gibs nia a 100 Prozentiga , und Geld hoalt dein Psychologischn schodn ah net

king76
king76
Tratscher
15 Tage 10 h

I sog olm..die berge von unten die kirch von aussen und gosthaus von innen 😉

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