Von: mk
Bozen – Ein überaus arbeitsintensives Jahr mit Tausenden von ehramtlich geleisteten Stunden im Verein Alzheimer Südtirol ASAA neigt sich dem Ende zu.
Die konkreten Hilfestellungen für Südtirols Familien, die daheim Angehörige mit Demenz pflegen, sehen im Rahmen des Vorhabens “Sollievo-Miteinander” vorrangig Screenings zur Abklärung von Verdachtsfällen auf Alzheimer sowie Hausbesuche von erfahrenen Therapeutinnen vor, die Entspannung in den schwierigen Pflegeprozess bringen sollen. Gleichzeitig wird ab 2026 unter dem Titel “dare luce – Licht geben” ein Augenmerk auf Bewegungstherapie gelegt, welche über den Verein ASAA angefordert werden können.
ASAA-Präsident Ulrich Seitz hofft, dass der Verein somit voll ins Schwarze trifft und Pflegenden Angehörigen noch besser zur Seite stehen kann. Hilfe benötigen nicht nur für die Erkrankten, sondern ebenso die “Caregivers” zuhause, die oft unter schwierigsten Voraussetzungen ein 24 Stunden-Pensum garantieren müssen. Weiterhin aktuell sind ebenso die rechtlichen Beratungen im Hinblick auf die mögliche Rückvergütung von Altersheimspesen für Demenzkranke, die eine intensive medizinische Behandlung benötigen. Interessierte erhalten über info@asaa.it oder die Grüne Nummer 800660561 alle Auskünfte dazu.
„In den letzten Wochen wurde eine von der Bevölkerung sehr gut mitgetragene Veranstaltungsreihe unter dem Titel ‚Mensch sein – Mensch bleiben‘ lanciert. Dabei wurden bisher folgende Thematiken mit Experten aufgegriffen: Schmerztherapien/Lebensende, Sturzgefahren bei Demenz und Patientenverfügung“, so Seitz.
„In der Schmerztherapie am Lebensende sind sehr oft medizinische Maßnahmen zur Schmerzlinderung wie Medikamente (Opioide, Steroide) und strahlen- oder chemotherapeutische Behandlungen sinnvoll“, so Facharzt Franz Ploner. Ebenso wichtig seien aber auch die psychologische und soziale Unterstützung, wie Gespräche über existenzielle Themen und die Einbeziehung der Angehörigen, um die Lebensqualität zu verbessern. Ganz konkret sind es die achtsamkeitsbasierten Techniken und die Stärkung sozialer Kontakte, die helfen, den Fokus vom Schmerz abzulenken und die psychische Widerstandskraft zu erhöhen.
Krankenschwester und Buchautorin Sabine Foraboschi betont, dass Gespräche über den Lebensrückblick, den Sinn des Lebens oder den Glauben helfen würden, Schmerzen in einen größeren Kontext zu stellen. Die Einbindung von Angehörigen sei grundlegend, denn somit könnten Ängste abgebaut werden, was ebenfalls zur Schmerzlinderung beitrage.
Hausärztin Doris Gatterer erinnert hingegen daran, dass Menschen mit Demenz ein bis zu 20-fach erhöhtes Sturzrisiko aufweisen, da kognitive Einbußen (Fehleinschätzung von Gefahren, Gangunsicherheit) und körperliche Symptome (Gleichgewichtsstörungen, Muskelschwäche) zusammenwirken – oft verstärkt durch Medikamente und eine sturzfördernde Umgebung. Um das Risiko zu senken, seien eine angepasste Wohnumgebung (weniger Stolperfallen, Nachtlichter), gezielte Übungen (Kraft/Balance) sowie eine Überprüfung der Medikation und regelmäßige Seh-und Hörkontrollen wichtig, um schwerwiegende Folgen wie Hüftfrakturen zu verhindern.
Der Facharzt Adolf Putz unterstrich bei seinen Ausführungen, dass menschliches Leben inzwischen auch in äußerst prekären Situationen Aufrecht erhalten werden könne, in denen es fraglich sei, ob die Lebensverlängerung überhaupt im Interesse der betroffenen Patienten oder Patientinnen sei. Zudem könne oft durch intensivmedizinische Maßnahmen am Lebensende lediglich der Sterbeprozess kurzfristig verzögert werden. „Daher müssen wir uns entscheiden, auf welche der verfügbaren medizinischen Möglichkeiten wir im Einzelfall effektiv zurückgreifen wollen. Da Menschen in modernen Gesellschaften körperliche und geistige Einschränkungen unterschiedlich bewerten, sollte die betroffene Person nach Möglichkeit selbst für sich entscheiden, ob die lebenserhaltenden Maßnahmen fortgesetzt werden sollen oder nicht“, weist der Fachmann hin.




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