Von: apa
Ein 73-Jähriger ist am Dienstag wegen versuchten Mordes vor dem Landesgericht in Eisenstadt gestanden. Der Pensionist soll im vergangenen September in St. Martin an der Raab (Bezirk Jennersdorf) auf eine 80-jährige Bekannte geschossen, diese aber verfehlt haben. Als Motiv nannte die Staatsanwaltschaft die unerwiderte Liebe des Angeklagten zu der Frau. Er gab an, dass er nicht absichtlich abgedrückt habe. In einem Gerangel habe sich ein Schuss gelöst.
Der Mann habe die Frau 2022 auf einem Pensionistenwandertag kennengelernt und sich verliebt, erläuterte der Staatsanwalt. Die 80-Jährige habe ihn jedoch zurückgewiesen und wollte nur befreundet sein. Als diese einen anderen Mann kennenlernte, sei der Angeklagte immer aufdringlicher geworden. Wenige Tage vor der Tat habe er ein Gewehr hinter einer Holzsäule bei ihrer Terrasse versteckt. Die Frau fand die Waffe und nahm sie mit in ihr Haus.
Als der Mann einige Tage später dort auftauchte, wollte sie ihn nicht hineinlassen. Trotzdem drängte sich der 73-Jährige an ihr vorbei durch die Terrassentür ins Haus. Als sie Richtung Wohnzimmer ging, um die Polizei zu rufen, nahm er laut Anklage das Gewehr und drückte ab. Der Schuss ging knapp an der Frau vorbei in den Türstock.
Angeklagter bestritt Tötungsabsicht
Der Pensionist gestand vor Gericht zwar den Hausfriedensbruch zu, nicht aber den Mordversuch. Er habe die 80-Jährige nie töten wollen. Er habe das Gewehr lediglich aus Angst vor Polizeikontrollen bei ihr versteckt und es später zurückholen wollen. Dabei sei es im Haus zu einem Gerangel gekommen, bei dem sich ein Schuss gelöst habe.
Dass er überhaupt eine Waffe hatte, begründete der Mann damit, dass er 1975 die Jagdprüfung machen wollte, diese aber nicht bestand. Danach sei das Gewehr über Jahrzehnte bei ihm daheim weggesperrt gewesen – bis er einige Zeit vor der Tat seine schwer kranke Katze erschoss und die Waffe anschließend, um sie zu verkaufen, in sein Auto legte.
Kein Gerangel laut Opfer
Die Befragung des 73-Jährigen am Vormittag gestaltete sich schwierig. Lautstärke und Sitzplatz mussten an die Schwerhörigkeit des Mannes angepasst werden. Trotzdem gab es immer wieder Verständigungsschwierigkeiten mit der Richterin. Auf die Frage, wie das Gewehr entsichert wird, war beispielsweise die erschossene Katze die Antwort.
Die 80-Jährige verneinte in ihrer Aussage ein Gerangel um die Waffe und gab, ebenso wie ein Kriminalbeamter, an, ihr seien beim Angeklagten nie Probleme beim Hören aufgefallen. Sie bedauerte, dass der Mann nun in Eisenstadt in Haft sitze, und betonte: “Ich verzeihe ihm.”
(S E R V I C E – In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, u. a. Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter: 0800-222-555, www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at, sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722 und den Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217, https://www.gewaltschutzzentrum.at/, beim Polizei-Notruf: 133, sowie im Burgenland beim Verein Lichtblick unter 02167/3338, beim Gewaltschutzzentrum Burgenland unter 03352/31420 oder beim Frauenhaus Burgenland unter 0509444000.)




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