Von: apa
Am Wiener Straflandesgericht ist am Freitag der Fall eines brutalen Übergriffs auf drei Jugendliche am 6. Oktober 2025 in der Donaustadt verhandelt worden. Ein Opfer wurde dabei bewusstlos geschlagen, ein anderes vergewaltigt. Ausgangspunkt für die heftige Tat war eine Racheaktion. Am Tag davor waren die Väter von zwei Angeklagten von einem Opfer verprügelt worden. Die Beschuldigten bekannten sich zum Teil schuldig. Ein Urteil wird erst am kommenden Dienstag gefällt.
Auf der Anklagebank nahmen am Freitag einer der Väter (56) und elf Jugendliche Platz, darunter der Sohn des Mannes. Die Gruppe kannte einander, zum Teil waren sie miteinander verwandt, liiert oder befreundet. Sie sollen laut Staatsanwalt für brutale Übergriffe bekannt sein, die sie filmen und die Aufnahmen dann untereinander austauschen, wie bei den bereits bekannten Fällen von Sittenwächtern und sogenannten Pädo-Huntern.
Ein Vater bei U-Bahn-Station schwer verletzt
Dem Übergriff vorangegangen war eine Auseinandersetzung bei einer U-Bahn-Station am 5. Oktober 2025. Die Väter und ein weiterer Freund gerieten nach reichlichem Alkoholkonsum mit den drei Jugendlichen in Streit, weil sich die Älteren über das E-Scooter-Fahren der Jüngeren geärgert hatten. Zunächst war der Konflikt geklärt, allerdings kamen weitere Jugendliche hinzu und dann geriet die Situation außer Kontrolle. Einer der Väter wurde geschlagen und über die Stufen zur U-Bahn-Station geschubst. Am Ende blieb er mit einem Rippen- und Nasenbruch liegen. An den Verletzungen Schuld war allerdings nur eines der drei späteren Opfer. Dazu läuft ein eigenes Verfahren. Die beiden anderen waren bei dem Übergriff lediglich Zeugen.
Der 56-Jährige musste ins Spital eingeliefert werden. Laut Anklage war sein 18-jähriger Sohn so erzürnt über die Prügel für seinen Vater, dass er seinen besten Freund, ebenfalls 18, gebeten habe, dass er für ihn Rache ausüben solle, als die drei Burschen am nächsten Tag erneut in der Gegend mit ihren E-Scootern gesichtet wurden. Dazu gingen der Freund des 18-Jährigen, dem auch ein Video des Übergriffs auf die Väter zugespielt wurde, und acht weitere Jugendliche – der Jüngste war erst 14 Jahre alt – auf die drei am Wonkaplatz los. Mit dabei war auch die damals schwangere Freundin des 18-jährigen Freundes. Jener Bursche, der den Vater über die Stiegen gestoßen haben soll, wurde ebenfalls über Treppen geschubst. Danach prügelte man so lange auf ihn ein, bis er bewusstlos liegen blieb. “Das eine ergab das andere”, sagte der Freund bei seiner Aussage. “Man wundert sich, dass er wieder aufgestanden ist”, sagte der Staatsanwalt. Auch seine Geldbörse, sein Handy und sein Gewand wurden dabei geraubt. Dabei sollen laut Ankläger der Sohn und seine Freundin über Videocall dabei gewesen sein und Anweisungen gegeben haben, was diese nun verneinten.
Ein Opfer schwer missbraucht
Danach gingen sie auf die beiden anderen Burschen, die bei der Prügelattacke auf den Vater nur Zeugen waren, mit ihren Fäusten und Füßen los. Am Ende hinzugekommen war der Erstangeklagte, ein ebenfalls 18-Jähriger, den die anderen als “Psycho” bezeichnen, weil bei ihm Gewaltsituationen stets eskalieren würden. Er soll dafür verantwortlich sein, dass sich eines der Opfer ausziehen musste und schwer sexuell missbraucht wurde. Dabei half ihm der 18-jährige Freund. Alle Geschehnisse wurden auf Videos, die zum Teil vor Gericht abgespielt wurden, aufgenommen. Dabei feuerten sich die Mitglieder der Gruppe gegenseitig an, es wurde gelacht und gejohlt.
Über Snapchat hatte sich die Gruppe verabredet, sagte ein Angeklagter im Zeugenstand. “Es hat geheißen, wir machen das gleiche, was sie mit den Vätern gemacht haben.” Dass es auch zu einem Raub und zu einer Vergewaltigung gekommen ist, “das war mir dann auch zu viel”, sagte der Beschuldigte. “Was denkt man sich dabei, auf jemanden einzuschlagen, der schon am Boden liegt”, fragte ihn der Staatsanwalt. “Ich fühle mich schlecht, was passiert ist. Aber damals war alles gleichzeitig. Da kann man nicht so klar denken”, so der Angeklagte. “Ich habe nie gedacht, dass es so eskaliert”, behauptete auch der Sohn.
Auch Vater auf Anklagebank
Der 56-jährige Vater war deshalb mitangeklagt, weil er sich im Anschluss der Tat bei den Jugendlichen per Video bedankt hatte, dass sie so gut auf “einen alten Mann” aufpassen. “Spitze”, sagt er und daraufhin sind er und sein Sohn lachend auf den Aufnahmen zu sehen. Dem 56-Jährigen wurde Beitragstäterschaft angelastet. Die Gruppe fabrizierte nach dem Übergriff auch noch ein Video mit den “besten Aufnahmen” unter dem Namen “Transen-Hunters”.
Vier Angeklagte wurden aus der Haft vorgeführt. Zwei von ihnen standen bereits wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation vor Gericht. Deren bedingte Strafen könnten widerrufen werden. Laut Staatsanwalt wird ihnen eine “Affinität zum IS” angelastet. So habe der gebürtige Österreicher seiner schwangeren Freundin – auch eine gebürtige Wienerin – in einem Video den Niqab anziehen lassen.
Der Gruppe wurde u.a. absichtlich schwere Körperverletzung, Raub, Vergewaltigung, Nötigung, das Herstellen und der Besitz von bildlichen sexualbezogenen Kindesmissbrauchsmaterial minderjähriger Personen, Urkundenunterdrückung und die Entfremdung unbarer Zahlungsmittel vorgeworfen. Am kommenden Dienstag wird die Verhandlung mit der Zeugenbefragung fortgesetzt. Da soll dann auch das Urteil gefällt werden.




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