Von: mk
Bozen – Ende 2025 und Anfang 2026 rief der Lebensmittelkonzern Nestlé in 60 Ländern zahlreiche Chargen verschiedener Säuglingsnahrungen, sowohl Pulver als auch Flüssigkeiten, zurück. Eine der verwendeten Zutaten war möglicherweise mit dem bakteriellen Gift Cereulid belastet. Auf der Internetseite des italienischen Gesundheitsministeriums wurden in diesem Zusammenhang 15 Produktrückruf veröffentlicht. Darauf weist die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) hin.
Laut der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES seien die nachgewiesenen Konzentrationen von Cereulid so gering, dass keine Gefahr für die Gesundheit bestehe. Die deutsche Verbraucherschutzorganisation foodwatch wirft Nestlé jedoch vor, Behörden und Öffentlichkeit erst nach und nach informiert zu haben. Denn obwohl Nestlé Verunreinigungen mit Cereulid bereits am 9. Dezember 2025 an die niederländischen Behörden meldete und in Italien am 10. Dezember drei Produkte zurückgerufen wurden, war dies in Deutschland erst am 5. Januar 2026 der Fall. In der Zwischenzeit, so foodwatch, hätten Eltern ihre Babies möglicherweise mit belasteter Nahrung gefüttert.
Cereulid wird von einem bestimmten Bakterium, emetischer Bacillus cereus genannt, gebildet. „Emetisch“ bedeutet Brechreiz erregend: Die Aufnahme von Cereulid über Lebensmittel kann bereits nach einer halben Stunde Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden innerhalb von 24 Stunden wieder ab. Schwere Krankheitsverläufe sind selten, können aber Leber und Niere schädigen. Da Cereulid hitzebeständig ist, lässt es sich durch Abkochen nicht beseitigen. Umso wichtiger ist es, seiner Bildung vorzubeugen.
Das Bakterium Bacillus Cereus kommt auf der ganzen Welt im Erdboden vor. Da es die Fähigkeit hat, sehr widerstandsfähige Sporen auszubilden, kann es Hitze, Kälte, Tockenheit und andere ungünstige Bedingungen zum Teil jahrelang überdauern. Sporen von Bacillus Cereus können über Erde oder Staub auf Lebensmittel gelangen und stellen in kleinen Mengen kein Gesundheitsrisiko dar. Abhängig von Feuchtigkeit, Temperatur und anderen Bedingungen können die Sporen im Lebensmittel wieder zu aktiven Bakterien werden, sich vermehren und Gift bilden. „Vergiftungen durch Cereulid sind nach dem Verzehr von gekochten Speisen wie Reis und Nudeln, die ungekühlt aufbewahrt und wieder aufgewärmt wurden, bekannt“, weiß Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. „Um die Bildung des Giftes zu vermeiden, sollte man gekochte Speisen daher immer rasch kühlen und gekühlt aufbewahren.
In trockenem Säuglingsmilchpulver kann Bacillus Cereus sich weder vermehren noch Cereulid bilden. Lässt man das Fläschchen mit der zubereiteten Säuglingsmilch jedoch mehrere Stunden lang bei Raumtemperatur stehen, könnte sich das Bakterium vermehren und Cereulid bilden. In den ersten Lebensmonaten eines Säuglings sollte man Säuglingsmilch daher immer frisch zubereiten und dafür abgekochtes Wasser verwenden. Reste im Fläschchen sollte man entsorgen und nicht wieder aufwärmen.




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