Von: APA/dpa/AFP
Nach der Explosion einer Paketbombe in Monaco, bei der ein aus der Ukraine stammender Oligarch schwer verletzt wurde, hat die Staatsanwaltschaft in dem Fürstentum Ermittlungen wegen versuchter Tötung und einer Sprengstoffstraftat aufgenommen. Es gebe keine Hinweise auf einen Terroranschlag, sagte Staatsanwalt Stéphane Thibault am Dienstag in Monaco. Er äußerte sich nicht zur Identität der drei Opfer.
Nach Medienberichten in Monaco, Frankreich und der Ukraine soll es sich um den ukrainischen Oligarchen Wadym Jermolajew, seine Ehefrau und einen Sohn des Paares handeln. Die Verletzten seien noch nicht verhört worden, sagte der Staatsanwalt. Die Frau schwebe weiterhin in Lebensgefahr, der Mann nicht mehr und auch das 13-jährige Kind nicht. Alle drei kamen in eine Klinik ins südfranzösische Nizza.
Der Staatsanwalt sagte, dass der Mann seit spätestens 2021 in Monaco lebt und dass gegen ihn im Fürstentum keine Ermittlungen anhängig sind und dass er auch nicht von ausländischen Behörden gesucht wird. Er sei mit der französischen Antiterror-Staatsanwaltschaft in Kontakt, die ihre Dienste angeboten habe, sagte der Staatsanwalt weiter. Es werde noch geprüft, ob diese benötigt würden.
Jermolajew mit ukrainischen Sanktionen belegt
Wadym Jermolajew (58) ist seit Dezember 2023 mit ukrainischen Sanktionen belegt, Präsident Wolodymyr Selenskyj warf ihm Kooperation mit Russland vor. Vorher war Jermolajew mit seiner Firma Alef einer der größten Stadtentwickler in seiner Heimat Dnipro und zählte regelmäßig zu den reichsten Ukrainern. Der Zeitschrift “Forbes” sagte er einmal, dass er seit 2017 nur noch einen Pass von Zypern habe, nicht mehr der Ukraine.
Jermolajew tauchte auch in Recherchen des Nachrichtenportals “Ukrajinska Prawda” zum spöttisch so getauften “Monaco-Bataillon” auf. Dabei ging es um ukrainische Politiker und Geschäftsleute, die sich wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine an die Côte d’Azur abgesetzt haben.
Suche nach dem Täter
An der Suche nach dem Täter seien auch französische Sicherheitskräfte beteiligt, sagte Thibault. Nach ersten Ermittlungen handle es sich um einen Einzeltäter, der ein Paket im Eingang des Wohnhauses abgelegt habe. Kurz nachdem die drei Bewohner an der Tür erschienen seien, sei ein Sprengsatz detoniert. Es gebe zwei weitere Verletzte, die von Splittern durch berstende Schaufensterscheiben getroffen worden seien, sagte der Staatsanwalt.
Der Verdächtige, der am Abend wohl zu Fuß vom Tatort in Richtung der französischen Stadt Beausoleil geflohen war, sei noch nicht festgenommen worden. Man sei ihm aber auf der Spur, die Polizei versuche, seinen Weg nachzuzeichnen und ihn zu identifizieren. Die Explosion ereignete sich am Montag gegen 21.00 Uhr, wie Monacos Staatsminister Christophe Mirmand im französischen Sender BFMTV sagte. Medien zeigten ein von Überwachungskameras aufgenommenes Bild eines laufenden Mannes mit einem dunklen Hut. Das betroffene Gebäude befindet sich Mirmand zufolge an einem Platz nahe der Grenze zu Frankreich.
Fürst Albert II.: “Schock” für Monaco
Fürst Albert II. von Monaco schrieb in einer Mitteilung in der Nacht, dass die “kriminelle Explosion einen Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft” darstelle. Alle zuständigen staatlichen Dienste seien derzeit mobilisiert, in enger Zusammenarbeit mit den französischen Behörden. “Wir vertrauen darauf, dass sie die Umstände dieser Tragödie so schnell wie möglich aufklären, die Verantwortlichen identifizieren und auf allen Ebenen die notwendigen Antworten liefern werden”, hieß es.
Der Bürgermeister von Nizza, Eric Ciotti (UDR), sprach im Onlinedienst X (vormals Twitter) von einer “Tragödie”, die Monaco getroffen habe. “Die Gedanken gelten den Opfern, ihren Familien und dem monegassischen Volk”, erklärte er.
Anrainer berichtet von dramatischen Szenen. Jean-Marc sagte der Zeitung “Monaco-Matin”, dass er einen blutüberströmten Buben gesehen habe und die Mutter, die regungslos auf dem Boden lag. “Die Person, die dem Buben geholfen hatte, sagte, dass der Frau die Füße abgerissen wurden”, meinte der Nachbar. “Das ist schockierend. Man sagt immer, Monaco sei das sicherste Land der Welt.”




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