Günstiger leben im Süden – ein Kommentar

Südtirol oder Monaco der Alpen?

Freitag, 29. März 2024 | 01:02 Uhr

Bozen – Dass in Südtirol leistbares Wohnen eine Fata Morgana ist, ist nichts Neues. Die hohen Mieten und die noch höheren Kaufpreise treiben insbesondere viele junge Leute ins Ausland oder sie sorgen dafür, dass sie nach dem Auslandsstudium nicht mehr in die Heimat zurückkehren. Nicht neu, aber hierzulande anscheinend trotzdem überraschend ist, dass auch immer mehr Menschen im Ruhestand dem Land den Rücken kehren.

Wer will es ihnen verdenken? In Mittel- und Süditalien, aber auch bereits in Südtirols südlichen Nachbarregionen lässt es sich mit einer Pension, die hierzulande kaum bis ans Monatsende reicht, recht gut leben. „Hier kommst du mit 1.000 Euro über die Runden, in Bozen geht das nicht“, erklärt ein ehemaliger Geometer, den es in die Marken zog. Es sind aber vornehmlich die hohen einheimischen Wohnkosten, die die Ruheständler außer Landes treibt. Da im Süden die Mietkosten viel geringer sind, bleibt ihnen mehr von der Monatsrente.

Alto Adige

Das ganz große Geschäft machen aber diejenigen, die in Südtirol, etwa in Bozen, eine Wohnung verkaufen können. Für den Preis einer kleinen Dreizimmerwohnung in einem Altbau konnte eine pensionierte Krankenpflegerin unweit des Gardasees eine große neue Einfamilienvilla samt Grün erwerben. Sie ist nicht die einzige Südtirolerin, die ihren Lebensabend im Süden verbringen will.

Alto Adige

Beides zeigt, dass Südtirol an beiden „Bevölkerungsenden“ bröckelt. Während die Jungen und Junggebliebenen im Norden höhere Löhne erhalten, die zumeist auch noch mit geringeren Lebenshaltungskosten gepaart sind, können die Älteren im Süden mit dem gleichen Geld ein besseres Leben führen.

Da der neue Quästor tatkräftig und mit Erfolg das Sicherheitsproblem angeht, könnte die neue Landesregierung endlich beginnen, Wohnen wieder leistbarer zu gestalten. Denn das Sicherheitsproblem mag viele bedrücken und bei vielen Ängste auslösen, aber nichts gefährdet auf lange Sicht Südtirols Zukunft mehr als die hohen Wohnkosten. Südtirol ist auf dem Weg, sich in ein Monaco der Alpen zu verwandeln, in dem nur mehr einheimische und ausländische Wohlhabende leben. Letztendlich wäre es das Ende von dem, was wir heute als Südtirol kennen. Wollen wir das?

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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20 Kommentare auf "Südtirol oder Monaco der Alpen?"


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Staenkerer
17 Tage 5 h

des isch es ergebnis der johrzehne longen lobby und freunderl und vettern unterstützung der SVP, ba der de lloanbetriebe und de orbeiter schändlich übergongen wortn und links liegn glossn wortn sein!
des wern de poor nitSVPräte mit de besten ideen und mit größtem einsotz (sofern se den hobn) so schnell nit wieder guat dermochn!
vor ollem weil se dazua ollm no de zustimmung der lobbyistenräte brauchn! und de plötzlich dazua zu bringen endlich a amoll im interesse der kloan steuerzohler eppas zu tien, brauchts schun a wunder!

Oracle
Oracle
Kinig
17 Tage 2 h

@Staenkerer…. wieviel Groll, da muss schon einiges im Leben daneben gegangen sein, wenn man den eigenen Wohlstand nicht schätzt. Wenn es Südtirol zu diesem Wohlstand gebracht hat, dann weil es in den letzten 50 Jahren eine stabile Politik gegeben hat! Man schaue sich z.B. nur Italien an! Wenn Gehälter nicht steigen, dann weil ein Tschenett und die Gewerkschaftslobby nur grosse Reden schwingen. Die sollten sich bei Wiselky eine Scheibe abschneiden!

Staenkerer
16 Tage 16 h

@Oracle
des hot nix mit zorn oder unzufriedenheit zu tien, es isch schlicht a totsoche das de politik, de wirtschoft, der tourismus es in de letzten 50 johr ohne ihre vielen, vielen fleißigen orbeiter zu koan reichtum gebrocht hattn!

Oswi
Oswi
Grünschnabel
16 Tage 15 h

Die Gewerkschaften sind sich untereinander nicht einig! Und solange das so ist, wird es auch nicht zu ordentlichen Tarifverhandlungen kommen, weil eben das Potenzial fehlt, das die Gewerkschaft in D beispielsweise hat. Macht auch wenig Sinn einen Streik zu organisieren, gehen ja sowieso nur ein paar „Hansel „ hin.

Savonarola
16 Tage 8 h

@Oswi

ja glaubt ihr, die Gwerkschaften können alles alleine machen? Ist ja sehr komott, macht alles die Gewerkschaft, ohne dass ich selber etwas beitragen muss. Die Gewerkschaften sind wir! Wenn wir nicht streiken, dann hat die ganze Gewerkschaftsarbeit keinen Sinn.

info
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Universalgelehrter
16 Tage 6 h

@Savonarola
Richtig!

Paladin
Paladin
Universalgelehrter
12 Tage 10 h

@Oswi: Glaubst du wirklich die Gewerkschaften sind noch für ihre Mitglieder da? Dann glaubst du auch noch an den Weihnachtsmann. In einem Punkt hast du aber Recht, wir müssen etwas tun. Als normaler Angestellter hast du aber kein Streikrecht, also dumm gelaufen.

Oracle
Oracle
Kinig
17 Tage 2 h

… es gibt durchwegs auch Landgemeinden, wo das Wohnen nicht so teuer ist! Man muss eben auch Kompromisse eingehen können und nicht über den eigenen Verhältnissen leben wollen!

Babba
Babba
Tratscher
16 Tage 9 h

I glab kaum, dass sich der Trend so schnell umkearn, bzw,. aufholtn losst – die Werte hobn sich gwondelt, dr oanzelne, va die Politiker ongfongen, isch lai mear am oagenen Profit interessiert – Werte, wia Gemeinschaftssinn, Gemeinwohl, Erhalt der Heimat für kemmende Generationen gean ollaweil mear in Boch oidn…

info
info
Universalgelehrter
16 Tage 6 h

Ich glaube, solche “Trends” würden schnell aufhören, wenn Gier von mehr Leuten als das bezeichnet würde, was sie ist: Eklig

Faktenchecker
16 Tage 13 h

In Timbuktu gibt es Klima-Lehmhäuser um 10 € im Monat und da ist es auch noch schön warm.

Kampagne erkannt…

horst777
horst777
Tratscher
17 Tage 7 h

Schon damals hat man auf das Problem aufmerksam gemacht. Passiert ist nicht viel außer verlogene Floskeln von AltLH der jetzt selbst seine Villa um 800 € pro Tag auf airbnb vermietet.
https://www.landtag-bz.org/de/video-suche/36?inizio=25210

Savonarola
16 Tage 8 h

Keines von beiden. Atlantis der Berge.

info
info
Universalgelehrter
16 Tage 6 h

Atlantis ist untergegangen, da haben wir mit 3905m noch etwas Zeit…

Savonarola
14 Tage 16 h

@info

die Unterlandler sehen das anders 😊

Zussra
Zussra
Superredner
16 Tage 11 h

Wir san jo innige Verfechter vo do “freien Marktwirtschaft!”
Des isch holt ‘s Resultat dofun.
I zB lossmo vo do Politik sicho net vorschreibm, wen und zi welan Preis i mein Liegnschoft vomiet! Sebbm lossise schun vo tamisch laare!

Tiroler25
Tiroler25
Superredner
16 Tage 8 h

Bei den Preisen sichet

Paladin
Paladin
Universalgelehrter
13 Tage 15 h
“Südtirol ist auf dem Weg, sich in ein Monaco der Alpen zu verwandeln, in dem nur mehr einheimische und ausländische Wohlhabende leben.” In Monaco zahlt man aber zumindest keine Steuern. Dieses “falsche” Monaco der Alpen ist nur mehr für Reiche interessant und solche die viel Geld mit dem Tourismus verdienen. Hoteliers und Gastbetriebe können von heute auf morgne die Preise anheben. Für einen einfachen Angestellten gilt das nicht. Ein Tourist zahlt auch die horrenden Preise gerne für ein paar Tage oder eine Woche. Auf Dauer wird selbst der Gang in den Supermarkt für Einheimische zum Spießrutenlaufen. Es müsste massive Vergünstigungen… Weiterlesen »
Rosenrot
Rosenrot
Superredner
13 Tage 9 h

Als regelmäßige Gardasee-Besucherin habe ich festgestellt, dass dort die Lebensmittel in den Despar-Läden wesentlich günstiger sind als bei uns in Südtirol. Verstehen tue ich das nicht.

Gredner
Gredner
Kinig
13 Tage 10 h

Das Fürstentum Monaco befindet sich auch in den Alpen – zwar am südlichsten Ende, aber der Bergrücken dort trägt denselben Namen wie bei uns.

Wikipedia: “Monaco zählt zu den Alpenstaaten, hat die Alpenkonvention unterzeichnet und einen eigenen Alpenverein”

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