Von: Ivd
Bozen – Südtirol trauert um eine seiner prägendsten Persönlichkeiten: Roland Riz ist heute im Alter von 98 Jahren verstorben, wie stol.it berichtet. Der Jurist und langjährige SVP-Politiker hinterlässt ein politisches Erbe, das seinesgleichen sucht.
Geboren am 12. Mai 1927 in Bozen, startete Riz seine beeindruckende Karriere im Jahr 1957 als Vizebürgermeister seiner Heimatstadt. Schon ein Jahr später zog er in die römische Abgeordnetenkammer ein – der Beginn einer jahrzehntelangen Präsenz in der italienischen Hauptstadt. Bis 1963 und später erneut von 1968 bis 1987 vertrat er die Interessen Südtirols im Parlament, bevor er 1987 in den Senat wechselte. Dort blieb er bis 1996 – gewählt in den Wahlkreisen Bozen, Meran und erneut Meran.

Architekt der Autonomie
Doch Riz war weit mehr als ein Abgeordneter: Seine größten Verdienste erwarb er sich bei der Umsetzung der Südtiroler Autonomie. Als Mitglied der legendären Neunzehner-, Dreizehner-, Zwölfer- und Sechser-Kommission arbeitete er unermüdlich an der Reform und Verwirklichung des Autonomiestatuts – jener rechtlichen Grundlage, die das Land bis heute prägt.
Auch auf europäischer und nationaler Ebene übernahm Riz Schlüsselpositionen: Von 1976 bis 1979 war er erster Vizepräsident des Justizausschusses im Europäischen Parlament. Später leitete er den Verfassungsausschuss der Abgeordnetenkammer sowie den Justizausschuss des Senats. In den 90er Jahren stand er zudem dem Komitee zur Strafrechtsreform vor.
Innerhalb der SVP erreichte Riz den Höhepunkt seiner Karriere, als er von 1991 bis 1992 als Nachfolger von Silvius Magnago Parteiobmann wurde – eine Rolle, die seine zentrale Stellung in der Südtiroler Politik unterstrich.
Jurist, Hochschullehrer und Autonomie-Experte
Neben seiner politischen Laufbahn war Riz über Jahrzehnte auch als Rechtsanwalt und Hochschullehrer tätig. Mehr als 30 Jahre lang lehrte er italienisches Verfassungsrecht und Autonomierecht an der Universität Innsbruck und prägte damit Generationen von Juristinnen und Juristen, die sich mit Minderheitenrechten und Föderalismus befassten.
„Für die Autonomie müssen wir weiter streiten“
In dem Filmporträt Unter Bäumen, das seine Tochter Veronika im Jahr 2023 geschaffen hatte, blickte Riz selbst auf sein politisches Wirken zurück. Darin sagte er: Politik bedeute, „die Realität mit klaren Augen anzuschauen“. Für die Autonomie habe man kämpfen müssen – und müsse es auch weiterhin tun.
Zugleich zeigte sich Riz überzeugt, dass der eingeschlagene Weg richtig gewesen sei. Der jahrzehntelange Autonomiekampf habe eine Ordnung hervorgebracht, „die sich sehen lassen kann“. Auch im hohen Alter habe er daran geglaubt, dass der mühsam errungene Weg der richtige gewesen sei.
Würdigung durch die Landesregierung
Landeshauptmann Arno Kompatscher würdigte Roland Riz als einen der wichtigsten Mitgestalter der Südtiroler Autonomie. Besonders hob er dessen „Sinn für das Machbare“ hervor, der es Riz ermöglicht habe, mutig, aber zugleich realistisch für die Anliegen Südtirols einzutreten. Seine große juristische Fachkompetenz habe ihm nicht nur in Rom, sondern auch international hohes Ansehen verschafft.

Im Namen der gesamten Landesregierung und der Bevölkerung Südtirols sprach Kompatscher der Familie von Roland Riz sein aufrichtiges Beileid aus.
„Eine Schlüsselfigur der Südtirol-Autonomie“
„Roland Riz hat maßgeblich dazu beigetragen, die Südtirol-Autonomie umzusetzen und nachhaltig zu festigen“, erinnert SVP-Obmann Dieter Steger. Dies sei ihm durch seine Führungsrolle in der Südtiroler Volkspartei, seine langjährige parlamentarische Arbeit und nicht zuletzt durch seine fundierte wissenschaftliche Expertise gelungen. „Wir werden dem Verstorbenen ein ehrendes Gedenken bewahren.“
Sein beharrliches Wirken habe bis zur Streitbeilegungserklärung vor den Vereinten Nationen 1992 gereicht: „Er hat die Südtirol-Autonomie maßgeblich mitgestaltet und sich um ihre internationale Verankerung in besonderer Weise verdient gemacht.“ Als brillanter Verfassungsrechtler und hochgeschätzter Professor habe er über Jahrzehnte Autonomierecht an der Universität Innsbruck gelehrt und grundlegende Werke zu verfassungsrechtlichen Aspekten der Südtiroler Autonomie verfasst: „Seine Expertise hat die rechtliche Absicherung der Autonomie in Rom nachhaltig gestärkt.“
Im Namen der Südtiroler Volkspartei spricht Dieter Steger der Trauerfamilie sein aufrichtiges Beileid aus: „Wir werden Roland Riz nicht vergessen und ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren.“
Anteilnahme von Präsident Schuler
“Mit Roland Riz verliert Südtirol eine prägende und herausragende Persönlichkeit des politischen und gesellschaftlichen Lebens. Als Politiker hat er sich mit großer Sachkenntnis, Integrität und Weitblick für die Anliegen Südtirols eingesetzt und er hat die Autonomie unseres Landes maßgeblich mitgestaltet“, erinnert der Präsident des Südtiroler Landtages, Arnold Schuler, und spricht der Familie von Riz sein Beileid aus.
„Als Politiker hat sich Riz mit großer Sachkenntnis, Integrität und Weitblick für die Anliegen Südtirols eingesetzt und er hat die Autonomie unseres Landes maßgeblich mitgestaltet“, erinnert Schuler an einen der Wegbereiter der Südtiroler Autonomie.
Julia Unterberger gedenkt im Namen der Autonomiegruppe Riz
„Im Namen der Senatorinnen und Senatoren der Autonomiegruppe spreche ich den Angehörigen von Roland Riz, der heute Morgen im Alter von 98 Jahren verstorben ist, mein Beileid und meine Anteilnahme aus.
Roland Riz war über viele Jahre hinweg eine der angesehensten, bekanntesten und geschätztestenPersönlichkeiten der SVP. Universitätsprofessor, Vizebürgermeister von Bozen, sechs Mal Abgeordneter und drei Mal Senator, Parteisekretär zwischen 1991 und 1992. Er war ein bedeutender Bezugspunkt für das politische und institutionelle Leben in Südtirol. Mit seinem Tod geht ein wichtiger Teil Südtiroler Geschichte zu Ende”, so, Julia Unterberger, Vorsitzende der Autonomiegruppe im Senat.
Spagnolli: “Riz hinterlässt eine bedeutende Spur”
“Roland Riz verkörperte eine weitsichtige politische Vision, die von der Überzeugung getragen war, dass eine überzeugende Vertretung des eigenen Territoriums untrennbar mit der Bereitschaft verbunden ist, Verantwortung für übergeordnete Interessen und gesamtstaatliche Fragestellungen zu übernehmen. Ausdruck dessen war seine Übernahme des Amtes des Vorsitzenden der Justizkommission im Senat, die er im Bewusstsein annahm, dass der Schutz der Minderheiten und die Wahrnehmung nationaler Verantwortung einander nicht widersprechen, sondern sich gegenseitig stärken”, erklärte der Bozner Senator und Vizepräsident der Autonomie-Gruppe, Luigi Spagnolli, in einer Mitteilung.
“Durch seinen politischen und institutionellen Werdegang hat Riz maßgeblich verdeutlicht, dass Autonomie nicht im Gegensatz zum Staat steht, sondern als loyaler und konstruktiver Partner verstanden werden kann – im Dienst der lokalen, nationalen und europäischen Gemeinschaft.
Auch deshalb wird Riz als eine der prägenden Persönlichkeiten unserer jüngeren Geschichte in Erinnerung bleiben. Ruhe in Frieden”, so Spagnolli.
Daniel Alfreider nimmt im Namen der SVP Ladina Abschied
„Wir dürfen niemals vergessen, wer das Fundament für den heutigen Wohlstand gelegt hat. Dankbarkeit gegenüber jenen mutigen Männern und Frauen, die nach dem Krieg die Zukunft Südtirols in die Hand genommen haben, ist unsere Verpflichtung. Roland Riz war einer von ihnen“, erklärt Daniel Alfreider, Vorsitzender der SVP Ladina.
Mit großer Beharrlichkeit setzte sich Roland Riz insbesondere für den Schutz der deutsch- und ladinischsprachigen Minderheiten ein. Von besonderer Tragweite für die ladinische Volksgruppe war dabei das Zweite Autonomiestatut von 1972. Während das Statut von 1948 im Wesentlichen die Existenz der ladinischen Bevölkerung anerkannte, brachte das Autonomiestatut von 1972 erstmals umfassende Schutzbestimmungen für die Ladinerinnen und Ladiner. Damit wurde die verfassungsrechtliche Grundlage für den Minderheitenschutz und die Autonomie Südtirols nachhaltig gefestigt – ein Meilenstein, zu dem Roland Riz entscheidend beitrug.
Die im sogenannten Paket verankerten Maßnahmen – von Schule, Sprache und Kultur über die politische Vertretung bis hin zur Anerkennung des Ladinischen als Amtssprache in den ladinischen Gemeinden – bilden bis heute das Fundament für die rechtliche und kulturelle Absicherung der ladinischen Volksgruppe. Die SVP Ladina spricht seiner Frau seiner Familie ihr aufrichtiges Beileid aus.
Mit Roland Riz verliert Südtirol einen Architekten seiner Autonomie und ein Vorbild für viele Politiker-Generationen nach ihm.




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