In Südtirol starten zwei Schulungsprogramme

Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen: Was kann man tun?

Mittwoch, 17. Oktober 2018 | 12:46 Uhr

Bozen – Südtirol weist, was die Anzahl der übergewichtigen Personen betrifft, einen relativ niedrigen Anteil an Betroffenen auf. Diese erfreuliche Entwicklung sei, so Forscher, dem hohen Lebensstandard, der ausgeprägten Bewegungsfreude der Südtiroler und nicht zuletzt dem hohen Bildungsniveau zuzuschreiben. Trotzdem gibt es sie auch in Südtirol Familien, die seit Jahren damit kämpfen, dass deren Kinder und Jugendliche endlich an Kilos verlieren bzw. das Gewicht nicht weiter ansteigt.

Der erbitterte Kampf um ein gesundes Gewicht stellt eine große Herausforderung für die betroffenen Kinder, aber auch für deren Eltern dar. Leider werden sowohl übergewichtige Kinder selbst, als auch deren Eltern häufig Zielscheibe für gesellschaftliche Entwertungen und Verletzungen. Hänseleien, Ausgrenzungen und Schuldzuweisungen stehen an der Tagesordnung.

Übersehen wird meist, dass die Beteiligten oft erhebliche Mühen auf sich nehmen und bereits zahlreiche Versuche unternommen haben, eine gesunde Gewichtsentwicklung zu erreichen. Nur häufig haben diese nicht den erwünschten Erfolg erzielt, was zu noch mehr Frust angesichts des leidigen Themas des Essens führt.

Was läuft falsch in der Behandlung der Fettleibigkeit?

Häufig wird das Problem der Fettleibigkeit (Adipositas) zu stark diätabhängig betrachtet, d.h. viele Betroffene konzentrieren sich zu sehr darauf, sehr strenge kalorienreduzierte Diäten einzuführen. Die Ursachen des starken Übergewichts im Kindesalter sind aber multifaktoriell: Genetische Faktoren (Darm-Mikrobiotika, Immunolgie) über Umwelteinflüsse (Klima, pränatales Gewicht der Eltern) bis hin zur familiären Situation (Modellfunktion in der Lebensstilführung) beeinflussen das Körpergewicht.

Wird das Übergewicht lediglich als Problem einer „falschen Ernährung“ oder „Überernährung“ betrachtet, wird man der Erkrankung nicht gerecht: Übergewicht und Fettleibigkeit müssen im Zusammenhang einer gesunden Lebensführung betrachtet werden. Zu dieser gehören ausgewogene Ernährung, aber auch Freude am Leben, vor allem bei Kindern auch Lust, die Umwelt zu erkunden, sich zu bewegen, sich mit der Welt über den eigenen Körper auseinanderzusetzen. Die Zeit, die Kinder an der frischen Luft verbringen, sei es im freien Spiel oder unter Einbindung von Sportvereinen, ist von unschätzbarem Wert für Kinder im Wachstum.

Wächst sich das Übergewicht aus?

Leider zeigt eine Vielzahl an Studien, dass fettleibige Kinder meist auch als Erwachsene übergewichtig bleiben. Im Fokus der Behandlung stehen deshalb vor allem die Verringerung der Folgeerkrankungen des Übergewichts (kardiovaskuläre Erkrankungen, Insulinresistenz, Haltungsschäden …) sowie eine Unterbrechung der Gewichtszunahme. Die gute Nachricht ist – und das wird von Experten immer wieder bestätigt -, dass die Erfolgsraten zur Minderung des Übergewichts bei Kindern höher liegen als bei Erwachsenen. Im Besonderen seien ambulante Therapien und Schulungsprogramme, welche auf eine veränderte Lebensstilhaltung abzielen, besonders geeignet, Fettleibigkeit und deren Folgeerscheinungen langfristig zu minimieren.

Also was tun?

In Südtirol starten in kürze zwei Schulungsprogramme für übergewichtige Kinder, eines in Bruneck und eines in Bozen.

In Bruneck startet das multiprofessionelle Fachteam für Essstörungen das Schulungsprogramm „Rundum Fit“ für übergewichtige Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 13 Jahren. Es handelt sich um ein Angebot, welches über ein halbes Jahr stattfindet und auf den Eckpfeilern der Bewegung, der Ernährung und dem Verhalten sowohl Eltern als auch Kinder separat beschult. Dabei sollen die Gruppenmitglieder sich gegenseitig unterstützen, um Motivation und Ausdauer für eine langfristig veränderte Lebensführung aufzubauen. Information und Anmeldung: EOS Fachambulanz, Telefon:  0474 370070, E-mail: info@eos-fachambulanz.it

In Bozen startet das Team der Fachstelle Essstörungen INFES das Schulungsprogramm „Love Yourself“, welches sich an zehn- bis 14-jährige übergewichtige Mädchen richtet. In einer Gruppe von Gleichgesinnten sollen die Mädchen gestärkt werden, den Spaß an Bewegung entdecken und über gemeinsames Einkaufen und Kochen eine bewusste Ernährung erfahren. Um den Erfolg des Programmes zu unterstützen, werden auch die Eltern mit einbezogen. Einschreibungen sind bis am 26. Oktober möglich. Telefon:  0471 970039, Email:  info@infes.it

Von: mk

Bezirk: Bozen, Pustertal

Kommentare

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5 Kommentare auf "Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen: Was kann man tun?"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Staenkerer
1 Monat 12 h

ba meinem enkel hot des gute beispiel meiner tochter sehr gholfn, sie hot ihn vorgeleb wos man bei der ernährung ändern konn und das man mit bewegung viel erreich, ober nir kritisiert oder gezwungen! er hot sich durch nachahmung wegen den erfolg seiner mutti, von an eher schüchteren, ziemlich übergewichtigen kind (wor er bis ca. 12- 13 johr) zu an schlonken selbstbewusten19 jährigen gemausert, für dem bewusste ernährung und zufuaß gien oder radfohrn zum hobby wurde!

santosubito
santosubito
Neuling
1 Monat 10 h

mc donalds…i’m lovin’ it

kleinerMann
kleinerMann
Superredner
1 Monat 10 h

ich würde es mit Bewegung und einer ausgewogenen gesunden Ernährung versuchen . . schon brutal wie unkordiniert in den letzten Jahren unsere Kinder geworden sind. Von einem Ballgefühl ganz zu schweigen. Wird Zeit dass Kinder in der Freizeit wieder vermehrt zum Sport heran geführt werden !

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
1 Monat 6 h

Smartphone und Tablet wegnehmen, Ball oder sonstige Sportgeräte in die Hand drücken

Sag mal
Sag mal
Kinig
30 Tage 21 h

hier mal Chips,da mal Pommes,Süsses jederzeit .Hatt was mit verwöhnen..keinen Wunsch abschlagen zu tun!Lasst Sie den Schulweg zu Fuss gehn.In der Pause Spiele mit viel Bewegung.Müll runter tragen,Zimmer selbst aufräumen,Mamma zur Hand ,mit dem Hund raus gehn(an der Leine)..u.s.w.

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