Von: APA/AFP
In Washington fällt am Mittwoch der Startschuss zu den Feierlichkeiten zum 250-jährigen Bestehen der Vereinigten Staaten. Unter dem Motto “Freedom 250” (Freiheit 250) sollen sie am Unabhängigkeitstag am 4. Juli ihren Höhepunkt erreichen. Auch dabei dreht sich wieder einmal alles um einen Mann: Präsident Donald Trump. Trump hat zum Auftakt Mittwochabend die “großartigste Kundgebung aller Zeiten” angekündigt.
Bei der “patriotischen Eröffnungszeremonie” für ein rund zweiwöchiges Volksfest auf der Nationalpromenade von Washington will der Präsident laut Organisatoren eine Ansprache halten. Militärkapellen sollen von Trump ausgewählte Lieder spielen und Kampfjets über Washington donnern. Schon seit Wochen sind Teile der National Mall zwischen Kongress und Washington-Denkmal dafür mit Zäunen abgesperrt.
“Kein König! Keine Tyrannei!”: Dieses Motto hatte der US-Gründervater Thomas Paine 1776 in seiner Schrift “Gesunder Menschenverstand” ausgegeben, in der er ein flammendes Plädoyer für die Unabhängigkeit der Amerikaner von Großbritannien hielt. Trump kokettiert dagegen immer wieder damit, ungekrönter Herrscher über die USA zu sein. “Zwei Könige” überschrieb das Weiße Haus erst Ende April ein Foto von Trump und dem britischen Monarchen Charles III.
Wenn Trump am Mittwochabend vor die Menge tritt, könnte er ähnliche Provokationen im Köcher haben. Die oppositionellen Demokraten werfen dem Präsidenten vor, die 250-Jahr-Feiern für ein parteipolitisches Spektakel vor den Zwischenwahlen zum Kongress im November nutzen zu wollen und die US-Geschichte in eine Hochglanzversion “umzuschreiben”. Trump wiederum unterstellt den “Dummokraten” (auf Englisch: Dumocrats), wie er sie nur noch verächtlich nennt, sie würden die USA “hassen” und seien “Verräter”.
“Schlacht” um die Gedenkfeiern
Sieben demokratisch regierte US-Staaten haben deshalb ihre Teilnahme an dem lange geplanten Volksfest auf der Nationalpromenade abgesagt. Unter dem Titel “Great American State Fair” sollte es eigentlich typische Traditionen, Musik und Speisen aus allen 50 Landesteilen präsentieren.
US-Medien wie die “New York Times” und die Zeitschrift “The Atlantic” sprechen von einer “Schlacht” um die Gedenkfeiern, die eigentlich die Nation zusammenschweißen sollten. Auch einige Musiker haben ihre Teilnahme abgesagt, weil ihnen die Veranstaltungen zu parteiisch sind.
Trump versuche einmal wieder, sich ins Rampenlicht zu stellen, sagt Peter Loge von der George-Washington-Universität, der zu politischer Kommunikation forscht. “Ich finde das bedauerlich, denn die Vereinigten Staaten sind ein Ideal und eine Idee”, sagt Loge. Trump behaupte, er alleine verkörpere die Vorstellungen der Gründerväter – “aber indem er das beansprucht, verleugnet er die Idee der Vereinigten Staaten”.
Trump spaltet die Gemüter
Bereits zu seinem 80. Geburtstag am 14. Juni hatte Trump die Gemüter gespalten, indem er blutige Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus veranstalten ließ – mit Sportlern, die ihn priesen und seine Gegner mit Hohn überzogen. Auch die Fußball-WM nutzte der Präsident für die Zwecke seiner MAGA-Bewegung (Make America Great Again, Macht Amerika wieder großartig).
Kritiker werfen ihm vor, damit von seinen Umfragewerten ablenken zu wollen, die wegen der massiv gestiegenen Treibstoffpreise im Iran-Krieg einen Tiefstand erreichten. Sie erinnern zugleich an die 200-Jahr-Feiern 1976 unter dem republikanischen Präsidenten Gerald Ford. Dieses Jubiläum habe die USA wieder zusammengeschweißt – nach Vietnam-Krieg, erster Ölkrise und dem Rücktritt von Präsident Richard Nixon im Watergate-Skandal.
Wäre auch Trump dazu in der Lage? Er hat die Frage so beantwortet: Für den Unabhängigkeitstag am 4. Juli hat er “die spektakulärste aller Trump-Kundgebungen” angekündigt. Er werde “eine Grundsatzrede halten, die Sie nicht verpassen wollen”, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social an seine MAGA-Anhänger gerichtet. Dank ihm könnten die Amerikaner zudem einem weiteren historischen Schauspiel beiwohnen, ergänzte er in Großbuchstaben: Der “größten Feuerwerksshow der Geschichte”.




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