Fahrverbot trifft ärmere Mitbürger – ein Kommentar

Weder Sinn noch Herz

Donnerstag, 01. Dezember 2022 | 01:18 Uhr

Bozen – Die Nachricht, dass die Bozner Stadtregierung angeblich beschlossen hat, die Aussetzung des Fahrverbots für ältere Diesel-Fahrzeuge zu beenden, sorgt in Südtirol für einen wahren Proteststurm.

Vollkommen zu Recht bemerken viele Kritiker, dass angesichts der Autobahn, die die Stadt durchquert und der Kohlekraftwerke, die infolge des Krieges europaweit einen dritten Frühling erleben, diese Maßnahme kaum zur Verbesserung der Luftwerte beitrage. Vielmehr – so diese Stimmen – treffe das teilweise Fahrverbot für Euro-3-Diesel-Pkw jene, die sich kein neues Auto leisten können.

APA/APA (dpa/Symbolbild)/Jan Woitas

Der Verdacht liegt nahe, dass es letztendlich nur darum geht, etwas Aktionismus zu betreiben. Da die Anzahl der sich noch im Umlauf befindlichen Euro-3-Dieselfahrzeuge relativ gering ist und mit diesen Autos in der Regel jährlich nur wenige Kilometer gefahren werden, ist der Nutzen dieses Verbots mehr als nur zweifelhaft.

Sauer stößt vielen Südtirolern auch auf, dass das zeitweise Fahrverbot erst am 1. Jänner 2023 in Kraft treten soll. Offenbar scheint den Bozner Stadtvätern der Umweltschutz nur dann besonders wichtig zu sein, wenn er das Weihnachtsmarktgeschäft nicht stört.

APA/APA (dpa)/Frank Rumpenhorst

Die unverhältnismäßig große Kritik am Fahrverbot ist aber auch ein Symptom dafür, dass im Landl die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Der Ärger darüber, dass sich Besitzer teurer Elektrofahrzeuge oder neuester Euro-6-Autos sich nicht nur das Etikett des umweltfreundlichen Bürgers ans Jackett heften dürfen, sondern auch noch zu jeder Tages- und Nachtzeit fahren können, während Ärmere als Umweltferkel gelten und notgedrungen ihre alte Kiste stehen lassen müssen, ist vollkommen berechtigt und sollte von der Bozner Stadtregierung nicht unterschätzt werden.

Der Ärger ist aber der Lohn dafür, dass Verbote geschaffen werden, die weder Sinn und noch weniger Herz haben.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare
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Rudolfo
Rudolfo
Kinig
2 Monate 3 Tage

“Robin Hood” Berichterstattung und Kommentar. Im “reichen” Südtirol ab 2023 keine Euro 3 mehr in der Stadt, im “armen” Deutschland seit 2020 !! keine Euro 5 !! und älter…. Finden Sie den Fehler….

info
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Superredner
2 Monate 3 Tage

Wenn man es ganz korrekt angehen wollte, könnte man nach Schadstoffklassen gestaffelte Kilometergrenzen einführen. Sinnvoller wäre, das Auto so unnötig und unattraktiv zu machen, wie nur möglich ist.

Neumi
Neumi
Kinig
2 Monate 3 Tage

Das ist so nicht ganz korrekt. Nur in wenigen Städten in Deutschland gibt’s das und in den meisten davon noch nicht mal ganzflächig.

Außerdem haben eine Klauseln für “Oldtimer”, die es bei uns nicht gibt.
Gerade für die ältesten Fahrzeuge gibt es jede Menge Ausnahmen, was Vorgaben angeht.

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
2 Monate 3 Tage

@Neumi..mir geht es hauptsächlich um Euro 5 !!!

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
2 Monate 3 Tage

@Neumi…was glaubst Du, wie Viele z.B. im Großraum Stuttgart davon betroffen sind, relativ neuwertige Euro 5 zu Schleuderpreisen zu verkaufen….

Staenkerer
2 Monate 2 Tage

@Neumi wos i woaß müßn viele de an normal bozn meidn decht durchfohrn um von oan tol in a onders zu kemmen, a pendler, hondwerker und händler, nit lei de, de zum vergnügen ummerfohrn, von der autobohn redn mir gor nit!
gibs do a vergleichbore nadelöhre in deutschlond und wie lösen de des problem?
und … brings überhaupt eppas ba so viel “ausnohmen” de es schun lei wegn wegn der geografischen loge bozens gebn muaß

Alter Hase
Alter Hase
Tratscher
2 Monate 2 Tage

Ganz einfach. Deutschland wird von der Automobilindustrie beherrscht. (Einziges Land ohne Tempolimit auf Autobahnen).
Wir brauchen nicht alles, was die Deutschen tun. Ab und zu schon, aber nicht immer.

Savonarola
2 Monate 3 Tage

ich werde in Bozen keinen Euro mehr ausgeben, es gibt ja genug Touristen am Weihnachtsmarkt, die für die nötigen Einnahmen sorgen.

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 2 Tage

Und immer wieder die selben Ausrede: weil dies oder jenes sowieso getan wird, muss man das eine auch nicht tun. Der Nachbar hat ein Atomkraftwerk, darum ist es sinnlos, dass wir keines haben.
Beispiel, bedingt durch den Krieg muss man Kohlekraftwerke leider länger laufen lassen. Dass auch das den ärmeren Schichten zugute kommt ist dem Schreiber des Kommentars wohl entgangen? Wobei im selben Atemzug gesagt wird, es würden nur wenige dieser Autos rum fahren und wenige Kilometer machen. Wozu dann so ein Aufschrei?

Staenkerer
2 Monate 18 h

es gib städte und dörfer genua de froh sein wenn de leit ihr geld in de gschäfte in ihren centren ausgebn stott in a neuer karre zu investiern … dem geplärr der “ormen” bozner gschäftsleit noch hatt i glott gemoant de stodt gheart a zu de…

Diogenes
Diogenes
Tratscher
1 Monat 29 Tage

Wozu der Aufschrei!? Wie bekannt, fahren besonders ältere Menschen ältere Autos, da sie sich mit ihren mickrigen Pensionen kein neues Auto leisten können. Nun, bei stetig steigenden Lebenshaltungskosten, diese Bürger ein- bzw. auszusperren, ist eine Sauerei. Bozen grenzt sie damit von kultureller, gesellschaftlicher Teilhabe aus und lässt sie vereinsamen. Saubermanngetue, Aktionismus, Scheinheiligkeit und Arroganz herrschen in der Bozner Ratsstube.

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