Gewalttätige Übergriffe auf das Krankenhauspersonal häufen sich – VIDEO

Ärztin fast erwürgt: „Ich werde die Arbeit wechseln“

Donnerstag, 12. Januar 2023 | 07:01 Uhr

Udine – Eine junge Ärztin, die 28-jährige Adelaide Andriani, war in der Vergangenheit bereits zweimal Opfer von Angriffen geworden, aber das, was vor einigen Tagen geschah, als vor der Arztpraxis, in der sie ihren Dienst versah, fast erwürgt wurde, war der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Nun überlegt Dr. Adelaide Andriani ernsthaft, ihren Beruf aufzugeben.

Instagram/Giada Aveni

Der bedenkliche Vorfall geschah am vergangenen Samstag vor dem Eingang eines Ambulatoriums des Krankenhauses Gervasutta von Udine in Friaul-Julisch Venetien. Der Begleiter eines Patienten, der von Dr. Adelaide Andriani gerade behandelt wurde, ging wutentbrannt auf die junge Medizinerin los. Der Angriff war so heftig, dass die 28-Jährige für einen Moment dachte, dass es für sie vorbei sei. „Er legte seine Hände um meinen Hals und für einige Augenblicke konnte ich nicht atmen. Ich spürte, dass die Luft nicht durchkam“, so die junge Ärztin. Es war vielleicht nur dem Eingreifen ihrer Kollegin Giada Aveni und einem Mann zu verdanken, dass der Angriff nicht in eine Tragödie mündete.

Ihre Kollegin Giada Aveni war es auch, die die Folgen des Angriffs mit Fotos dokumentierte und sie zusammen mit einem eindringlichen Appell ins Netz stellte. Die Fotos, die zwei große Hämatome am Hals zeigen, sorgen weit über Udine hinaus für viele Diskussionen. Die Aufnahmen zeigen insbesondere auf dramatische Art und Weise, unter welch unerträglichen Bedingungen das medizinische Personal täglich gezwungen ist, zu arbeiten. Das Drama ist, dass vor allem Frauen – unter ihnen auch Dr. Adelaide Andriani – ernsthaft darüber nachdenken, den Beruf zu wechseln.

Instagram/Giada Aveni

„Es ist nicht möglich, dass ein Arzt nach einer laut seinem Dafürhalten für den Patienten angemessenen Behandlung für den Ratschlag, die Erste Hilfe aufzusuchen, angegriffen wird“, so Giada Aveni in ihrem Beitrag auf Instagram. Nach den Schilderungen der beiden Ärztinnen war es in der Tat der Rat, den Verunfallten in die Notaufnahme zu bringen, der den Begleiter des am Bein verletzten Patienten zur Weißglut brachte. „Er legte seine Hände um meinen Hals und für einige Augenblicke konnte ich nicht atmen. Ich spürte, dass die Luft nicht durchkam. Ich dachte für einen Moment, dass ich jetzt ersticken werde“, so die 28-Jährige gegenüber den Carabinieri. Dank des Eingreifens ihrer Kollegin sei es ihr gelungen, sich aus dem Griff zu befreien, erzählt Dr. Adelaide Andriani. Allerdings schaffte es der Täter vor dem Eintreffen der Carabinieri, das Weite zu suchen.

Trotz ihrer erst kurzen Arztkarriere war Dr. Adelaide Andriani vor dem brutalen Würgeangriff des Patientenbegleiters bereits zweimal Opfer von tätlichen Angriffen geworden. Einer von ihnen hatte sich im Gefängnis von Udine zugetragen, wo sie als Ärztin für die Fortsetzung der medizinischen Betreuung eines Häftlings eingesetzt worden war.

Instagram/Giada Aveni

„Ich rufe dazu auf, diesen Instagram-Beitrag zu verbreiten, denn ich will mir nicht vorstellen, dass nach meiner Kollegin noch weitere Personen Gefahr laufen, von einem Patientenbegleiter oder von irgendjemandem erwürgt zu werden. Es darf nicht sein, dass Menschen, die im Krankenhaus arbeiten, bedroht und verbal und physisch angegriffen werden, wie es der Schreiberin dieser Zeilen passiert ist!“, richtet Dr. Giada Aveni einen Appell an die italienische Öffentlichkeit.

Der Präsident der Vereinigung der Kammer der Chirurgen und Zahnärzte, Filippo Anelli, schlägt ebenfalls Alarm. „Die Angriffe auf die Ärzte nehmen stark zu“, so Filippo Anelli. Einem aktuellen Bericht des gesamtstaatlichen Versicherungsinstituts für Arbeitsunfälle INAIL zufolge kommt es in Italien jedes Jahr zu mindestens 2.500 gewalttätigen Übergriffen auf Angehörige der Gesundheitsberufe. Insider meinen jedoch, dass die Dunkelziffer weit höher liege.

Der italienische Gesundheitsminister Orazio Schillaci verspricht Abhilfe und kündigt für die kommenden Monate eine ganze Reihe von Maßnahmen an, die die Sicherheit des Gesundheitspersonals verbessern sollen. Die Gesundheitsbediensteten hoffen, dass sich bald etwas ändert. „Wir fordern mehr Sicherheit bei der Ausübung unserer Arbeit! Solange es einem nicht passiert, merkt man nicht, dass es noch einmal gut gegangen ist. Es ist aber nicht gesagt, dass es beim nächsten Mal auch so sein wird“, betont Dr. Giada Aveni in ihrem Instagram-Post.

Von: ka

Kommentare

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11 Kommentare auf "Ärztin fast erwürgt: „Ich werde die Arbeit wechseln“"


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65Wendi
65Wendi
Grünschnabel
21 Tage 11 h

Wie schrecklich, die Leute werden immer Aggressiver Silvester Polizei und Feuerwehr Angriffe und nun das Personal im Krankenhaus,es wird Zeit so durchzugreifen das sich jeder zweimal überlegt so eine Tat zu begehen 😔

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
21 Tage 8 h

Wer Ärzte,Pflegepersonal,Feuerwehr,Weisses Kreuz oder sonstige Helfende,oder Freiweillige angreift,sollte härter bestraft werden!

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Universalgelehrter
20 Tage 22 h

Genau diese Einsatzkräfte haben ständig mit Leuten zu tun die gerade unter Rauschmitteln stehen, dazu gehört Alkohol, Marihuana, synthetische Drogen usw.
Deswegen sind sie dann die ersten angreifbaren Personen. Nicht zu vergessen die verschiedenen Polizeikräfte..
Traurig die Tatsache dass es einen Sicherheitsdienst in der Ersten Hilfe braucht.

Pasta Madre
Pasta Madre
Tratscher
21 Tage 9 h

Ich verstehe eins nicht.
Wer war dieser Mann, Er muss doch identifizierbar sein, und zur Rechenschaft gezogen werden.
Das Sanitätspersonal tut mir sowieso leid, die sind von der Regierung und der Führungriege am meisten ausgebeutete Personal.
Auf ihnen lastet viel zu viel Bürokratie und Druck.

el_tirolos
el_tirolos
Superredner
21 Tage 8 h

Solche Leute gehören wie in Australien hart bestraft!

ieztuets
ieztuets
Superredner
21 Tage 10 h

In an Gfängnis gang i sowieso nie ohne Begleitschutz jemanden zu behondeln… und der Kronkenhaus-Gewolttäter weart woll ausgforscht und entsprechend bestroft wearn kennen (inkl. Prozess, Schmerzensgeld usw. usw.), damit er woaß wos er do getun hott… oder häää?

wellen
wellen
Universalgelehrter
21 Tage 8 h

Italien hat 2020 die Strafen für Angriffe auf das Sanitätspersonal drastisch erhöht, es wird automatisch Anzeige gestellt, und die Sanitätsbetriebe können zivilrechtlich gegen die Täter vorfehen wegen Arbeitskraft- Ausfall der Ärztin. Wie bei der Gewalt gegen Frauen braucht es halt zusätzlich Maßnahmen der Prävention, Deeskalationskurse und Selbstverteidigung. Weil Gesetze noch nie abschreckende Wirkung hatten.

Rider
Rider
Superredner
21 Tage 5 h

Die Nomen zoomt bild von setta leit auf Nochrichtenseiten/ fernseher aufhengen und zoagn, ve mir aus a plakate auf dor stroße, dass sie sich so schamen kennen dernoch!

George Best
George Best
Grünschnabel
21 Tage 5 h

In was für eine Sch…welt setzen wir unsere Kinder und Enkel ? Keine Werte, keine Moral mehr. Zumindest zu einem grossen Teil. Aber anstatt dem Nachwuchs diese zu vermitteln, was durchaus anstrengend sein kann, werden netflix, social media etc als Babysitter missbraucht

N. G.
N. G.
Kinig
21 Tage 1 h

Och, sieh dir an wie schriftlich in Facebook oder hier in SN mit dem Gegenüber umgegangen wird. Respekt NULL! Beleidigungen an der Tagesordnung. Unterstellungen an der Tagesordnung. Lügen an der Tagesordnung!
Was erwartest du dann draußen in der Realität? Das hier sind erwachse Leute… Sollten es zumindest sein!

L.G
L.G
Grünschnabel
20 Tage 18 h

Das machst du ja auch ;.))

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