Stausee voller entwurzelter Bäume wird zum Symbol einer Umweltkatastrophe

„Apokalyptische Lage“: Unwetterdesaster in den Belluneser Dolomiten

Sonntag, 04. November 2018 | 08:04 Uhr

Belluno/Comelico – Am Samstag fanden in der von der Unwetterwoche hart getroffenen Provinz Belluno in Venetien mehrere Lokalaugenscheine statt. Der Präsident von Venetien, Luca Zaia, und der Direktor des italienischen Zivilschutzes, Angelo Borrelli, machten sich in den Tälern der Belluneser Dolomiten ein Bild von der Lage.

ANSA/ VIGILI DEL FUOCO

Die Eindrücke waren so verheerend, dass Angelo Borrelli von einer „apokalyptischen Lage“ sprach. In der Provinz Belluno, wo am Samstag immer noch Dörfer und Fraktionen von der Außenwelt abgeschnitten waren und es noch massive Probleme mit der Stromversorgung gab, war von den Unwettern und Stürmen der letzten Woche ganz besonders hart getroffen worden. Windböen, die in den Dolomitentälern bis zu 180 Kilometer pro Stunde erreicht hatten, hatten Bäume sowie Strom- und Telefonmasten wie Streichhölzer umgeknickt. Insgesamt waren zwischen Südtirol, Trentino, Venetien und Friaul-Julisch Venetien in den vergangenen Tagen schätzungsweise 14 Millionen Bäume den Stürmen zum Opfer gefallen. Dabei waren rund 100.000 Hektar Wald entweder ganz oder zum Großteil zerstört worden. Zu allem Unglück war durch Murenabgänge und Abrutschungen ganzer Straßenabschnitte auch das Verkehrsnetz schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.

Der Direktor des italienischen Zivilschutzes meinte anlässlich einer Pressekonferenz in Belluno, dass die Schäden in den Belluneser Dolomiten weit verheerender als andernorts in Italien seien. Er kündigte an, dass er für die Provinz Belluno die Verhängung des Notstands fordern werde.

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Besonders in der Wald- und Forstwirtschaft sind die Schäden immens. Da es technisch unmöglich sei, die niedergeworfenen Bäume bis zum Einbruch des Winters einzubringen und zu verarbeiten, könne – so Experten – davon ausgegangen werden, dass der Nutzwert des Holzes sehr gering sein werde. Während der Pressekonferenz brachte Präsident Zaia auch seine Befürchtung zum Ausdruck, dass das Umweltdesaster die seit Jahren anhaltende Bergflucht in den Belluneser Dolomiten verschärfen und zur Entvölkerung höherer Tallagen beitragen werde.

Am Ende der Pressekonferenz dankten Luca Zaia und Angelo Borrelli den Tausenden von Einsatzkräften – vor allem am Mittwoch und Donnerstag befanden sich zwischen Soldaten des Heeres, Feuerwehrleuten und Freiwilligen des Zivilschutzes mehr als 8.000 Menschen im Einsatz – für die Beseitigung der ersten, schlimmsten Schäden und für die gelungene Evakuierung der sich in Gefahr befindenden Bevölkerung. Laut einer ersten Schätzung wurden allein für die Region Venetien die Unwetter- und Sturmschäden auf mehr als eine Milliarde Euro beziffert. Dabei wurden die zu erwartenden Folgeschäden für den Tourismus und die Land- und Forstwirtschaft der Region noch nicht einmal berücksichtigt.

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Währenddessen wurde der Stausee von Comelico zum Symbol für die Umweltkatastrophe in den Belluneser Dolomiten. Wie die Drohnenaufnahmen der Feuerwehr zeigen, ist hinter der Staumauer fast kein Wasser mehr zu sehen, weil die gesamte Wasseroberfläche über und über mit schwimmenden, entwurzelten Bäumen sowie abgerissenen Ästen bedeckt ist. Nach den von massiven Regenfällen begleiteten Stürmen trieben die reißenden Bäche und Flüsse allein in diesen Stausee Tausende von abgerissenen und entwurzelten Bäumen zusammen.

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Keine Worte können das Desaster besser beschreiben, als das Bild des mit Holz bedeckten schlammigen Wassers des Stausees.

 

 

 

Von: ka