Energiepreise im Höhenflug

Warnung vor neuer Preiswelle bei Strom, Gas und Treibstoffen

Freitag, 13. März 2026 | 09:15 Uhr

Von: mk

Margreid – Die Energiepreise steigen erneut stark – und damit wächst auch die Sorge vor einem neuen Inflationsschub. Seit Beginn der militärischen Eskalation im Nahen Osten ist der Ölpreis zeitweise auf nahezu 120 Dollar pro Barrel gestiegen, während sich die Gaspreise zwischenzeitlich nahezu verdoppelt haben. Angriffe auf Energieinfrastruktur und die Blockade wichtiger Transportwege wie der Straße von Hormus lassen weitere Preisschocks befürchten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für Unternehmen könnte das weitreichende Folgen haben, warnt der Verbraucherschutzverein Robin aus Margreid.

Höhere Energiekosten belasten Haushaltsbudgets und treiben gleichzeitig die Inflation an – eine Erfahrung, die Europa bereits nach dem Gaspreisschock 2021–2022 gemacht hat. Besonders paradox ist laut Robin die Situation in Südtirol: Obwohl das Land einen großen Teil seines Stroms aus günstiger Wasserkraft produziert, zahlen Haushalte hier de facto dieselben hohen Strompreise wie im restlichen Italien.

Italien bei Strompreisen im europäischen Spitzenfeld
Italien gehört weiterhin zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen für Haushalte in Europa. Laut Daten von Eurostat liegt Italien seit Jahren im oberen Bereich der europäischen Strompreise für private Verbraucher. Auch Südtiroler Haushalte sind vollständig in dieses nationale System eingebunden und tragen daher dieselbe Preislast.

Gaspreis bestimmt Strompreis

Der Grund für diese Preisstruktur liegt laut Robin vor allem im aktuellen Strommarktmodell: Der Strompreis richtet sich nach dem teuersten Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage benötigt wird – häufig ein Gaskraftwerk.

In Italien stammen rund 45 Prozent der Stromproduktion aus Gaskraftwerken, deren Brennstoff importiert werden muss. Dadurch reagiert der gesamte Strommarkt empfindlich auf internationale Gaspreisschocks. „Für Südtirol ist diese Logik besonders schwer verständlich: Ein Land, das seine Energie überwiegend aus lokaler Wasserkraft gewinnt und regelmäßig Stromüberschüsse produziert, zahlt trotzdem Preise, die von importiertem Gas bestimmt werden“, erklärt Robin.

Italien versucht Entlastung – doch Verbraucher sollen CO₂-Kosten der Gaskraftwerke tragen

Mit dem sogenannten „Decreto bollette“ versucht die italienische Regierung, die hohen Strompreise zumindest teilweise abzufedern. Geplant ist unter anderem eine Neutralisierung der Kosten des europäischen Emissionshandelssystems (ETS) für Gaskraftwerke.

Konkret bedeutet das: Die Kosten für CO₂-Zertifikate der Gaskraftwerke sollen den Produzenten erstattet werden – finanziert über zusätzliche Tarifkomponenten auf den Stromrechnungen der Verbraucher.

Damit würden die Haushalte indirekt die CO₂-Kosten der fossilen Stromproduktion bezahlen. Schätzungen zufolge könnte dies rund vier Milliarden Euro pro Jahr ausmachen, sofern die geringeren Kosten nicht weitergegeben werden.

Der Verbraucherschutzverein Robin sieht diese Maßnahme kritisch: Sie widerspreche dem Grundprinzip des europäischen Emissionshandels – dem Verursacherprinzip („polluter pays“) – und verlagere Kosten von den Verursachern auf die Stromkunden.

Entlastung für ärmere Haushalte – aber keine strukturelle Lösung

Positiv bewertet Robin, dass die italienische Regierung gleichzeitig versucht, ärmere Haushalte über soziale Stromboni stärker zu entlasten.

Doch diese Maßnahmen würden nichts am strukturellen Problem ändern: Solange der Strompreis weiterhin stark vom Gaspreis abhängt, bleiben italienische Verbraucher – und damit auch Südtirol – anfällig für internationale Energiekrisen.

Analysen der italienischen Zentralbank und des Statistikamts ISTAT zeigen, dass der Gaspreisschock nach dem Ukrainekrieg einer der wichtigsten Treiber der Inflation in Italien war. Ein neuer Energiepreisschock könnte diese Entwicklung wiederholen, warnt Robin.

Könnte Südtirol eine eigene Lösungen umsetzen?

„Gerade in Südtirol wäre eine solche Situation nicht zwangsläufig. Das Autonomiestatut sieht mit Artikel 13 ausdrücklich eine stärkere Nutzung der lokalen Energieautonomie vor. Zudem bestätigen Gutachten der Universitäten Innsbruck und Padua die Möglichkeit, eine regionale Energieaufsichtsbehörde einzurichten, die lokale Ressourcen stärker im Interesse der Bevölkerung reguliert. Südtirol produziert mehr Strom aus Wasserkraft, als es selbst verbraucht – und dennoch zahlen unsere Familien Gaspreise für Strom“, erklärt Robin-Geschäftsführer Walther Andreaus. „Das ist weder energiepolitisch sinnvoll noch sozial gerecht.“

„Stromautonomie nutzen, erneuerbare Energien stärken“

Der Verbraucherschutzverein Robin fordert daher:

1. Nutzung der Stromautonomie Südtirols
Die lokalen Wasserkraftressourcen müssen stärker für stabile und günstigere Strompreise für Haushalte und Betriebe eingesetzt werden.

2. Entkopplung des Strompreises vom Gas
Langfristig müssen erneuerbare Energien und langfristige Stromlieferverträge stärker genutzt werden, um Preisschwankungen zu vermeiden.

3. Faire Verteilung der Energiekosten
Die Kosten der fossilen Stromproduktion dürfen nicht einseitig auf Verbraucher abgewälzt werden.

„Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen zeigen erneut, wie verletzlich ein Energiesystem ist, das stark von importiertem Gas und Öl abhängt. Für Südtirol bedeutet das: Die Energieautonomie ist kein politisches Schlagwort – sie ist ein entscheidender Hebel zum Schutz der Verbraucher“, erklärt Robin abschließend.

Bezirk: Bozen

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