Von: luk
Rom/Iran – Wenn die Spannungen im Nahen und Mittleren Osten steigen, rückt oft eine Zahl in den Mittelpunkt: 20 Prozent des weltweiten Ölhandels passieren die Straße von Hormus zwischen Iran und der arabischen Halbinsel. Täglich werden dort rund 20 Millionen Barrel Rohöl transportiert.
Für Europa – und besonders für Italien – ist diese Zahl jedoch weniger relevant, als häufig angenommen wird. Laut aktuellen Analysen fließen fast neun von zehn Barrel, die die Meerenge passieren, nach Asien. Hauptabnehmer sind China, Indien, Südkorea und Japan. Europa und die USA spielen bei diesen Lieferungen nur eine vergleichsweise kleine Rolle.
Italien nur begrenzt abhängig
Auch die konkreten Importdaten zeigen eine relativ geringe direkte Abhängigkeit: 2025 importierte Italien rund 423 Millionen Barrel Rohöl. Davon kamen nur etwa 39,8 Millionen Barrel aus Lieferketten, die tatsächlich über die Straße von Hormus führen – vor allem aus Saudi-Arabien und teilweise aus dem Irak.
Damit stammen nur rund zehn Prozent der italienischen Ölimporte aus dieser Route. Der Großteil kommt aus anderen Regionen, etwa aus Libyen, dem Kaspischen Raum (Aserbaidschan und Kasachstan) sowie aus Nigeria, den USA, Norwegen und Brasilien.
Reserven sichern Versorgung
Hinzu kommen strategische Reserven. Laut dem italienischem Umwelt- und Energieministerium liegen die Rohölbestände stabil zwischen 2,5 und 3,15 Millionen Tonnen. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von rund 156.000 Tonnen pro Tag reicht das für etwa 18 Tage Versorgung – selbst ohne neue Importe. Einschließlich raffinierter Produkte übersteigen die Gesamtreserven 15 Millionen Tonnen.
Ein möglicher Konflikt oder eine Blockade der Straße von Hormus würde daher nicht automatisch zu einem Versorgungsengpass in Italien führen.
Benzinpreise steigen trotzdem
Trotzdem spüren Verbraucher die geopolitischen Spannungen sofort an der Zapfsäule. Der Grund liegt im globalen Ölmarkt: Rohöl ist eine weltweit gehandelte Ware. Wenn ein großer Teil des Angebots gefährdet ist, steigt der Preis überall, auch für Länder, die nicht direkt betroffen sind.
Zwischen 28. Februar und 9. März stieg der Benzinpreis in Italien um rund 6,1 Cent pro Liter (an der Zapfsäule etwa 7,5 Cent). Neben den Marktmechanismen spielen dabei auch Futures-Spekulationen und ein stärkerer US-Dollar eine Rolle, da Öl weltweit in Dollar gehandelt wird.
Experten sprechen zudem vom sogenannten „Raketen-und-Federn-Effekt“: Preise steigen schnell bei schlechten Nachrichten, sinken aber deutlich langsamer, wenn sich die Lage entspannt.
Mehr Preis- als Versorgungsrisiko
Eine Krise in der Straße von Hormus würde Italien daher eher finanziell als logistisch treffen. Während die Lieferketten relativ diversifiziert sind und durch Reserven abgesichert werden, reagieren die Märkte sofort und die höheren Preise werden schnell an die Verbraucher weitergegeben.




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