Verkehrsminister Toninelli will italienische Wirtschaft schützen

Brenner-Transit: Spannungen zwischen Italien und Österreich

Sonntag, 17. Juni 2018 | 14:00 Uhr
Update

Bozen – Der Lkw-Transitverkehr über die Alpen führt weiterhin zu Spannungen zwischen Österreich und Italien. Der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli hat erneut Tirols Lkw-Blockabfertigung kritisiert. “Einseitige Maßnahmen wie jene Tirols können nicht passiv geduldet werden. Sie erfordern klare Antworten”, meinte Toninelli. Der Minister meinte, Italien müsse den Dialog mit Österreich fördern, zugleich jedoch die Interessen der italienischen Unternehmen verteidigen.

Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli kündigte ein entschlossenes Handeln gegen Alleingänge vonseiten Nordtirols an. Zuvor hatte das österreichische Verkehrsministerium die Sommerfahrverbote auf der Tiroler Inntal und Brennerautobahn ausgeweitet.

Das Fahrverbot betrifft die Samstage im Juli und August. Schon ab 7.00 Uhr dürfen keine Schwerfahrzeuge mehr Richtung Deutschland fahren. Richtung Italien gab es diese Regelung schon länger. Auf der Nordspur war bislang bis 15.00 Uhr die Fahrt frei.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter, der die Maßnahme schon im Frühjahr in Wien beantragt hat, reagierte damit auf Fahrverbote in Deutschland, die im Sommer in Deutschland gelten.

Platter will mit der Maßnahme verhindern, dass die Inntalautobahn an den Wochenenden mit Lkw zugeparkt wird.

In Rom bezeichnete Verkehrsminister Toninelli die Tiroler Alleingänge als „nicht tragbar“. Man werde die Interessen der italienischen Wirtschaft verteidigen.

I trasporti non possono essere più visti separati dall’industria, dalla manifattura, dai servizi, dall'agricoltura. Una razionale integrazione logistica è fondamentale. Dalle Alpi passa il 70% del nostro import-export. Ma le Alpi non sono così distanti dai porti come si possa pensare. Ecco che tutto si tiene insieme.Qui il mio saluto all'assemblea annuale di Anita, Associazione Nazionale Imprese Trasporti Automobilistici.

Pubblicato da Danilo Toninelli su sabato 16 giugno 2018

Zuvor hatte LH Platter die Verkehrsminister von Deutschland und Italien eingeladen, sich in Tirol selbst ein Bild von der Situation zu machen.

Frächter gegen Einschränkungen

Der Präsident des italienischen Frächterverbands ANITA, der Südtiroler Thomas Baumgartner, meinte, italienische Waren sollten ohne Einschränkungen die Märkte in Mittel- und Nordeuropa erreichen können. Die italienische Wirtschaft hänge vom Alpentransit ab. 70 Prozent der italienischen Waren würden die Alpen passieren und fast 47 Millionen Tonnen Waren jährlich den Brenner überqueren, der der transalpine Korridor mit dem stärksten Verkehr sei.

33,5 Millionen Tonnen Waren (71 Prozent) werden per Lkw-befördert, 13,4 Millionen (29 Prozent) auf Schiene, berichtete der Frächterverband ANITA. Für die Zukunft sei es wichtig, immer mehr den Lkw-Transport auf Schiene zu verlegen. Zu diesem Zweck sei der Brennerbasistunnel von wesentlicher Bedeutung, der jedoch erst 2027 fertig werde.

Für den ANITA-Verband ist Tirols Lkw-Blockabfertigung eine Maßnahme, die dem Prinzip des freien Warenverkehrs in der EU widerspricht und den italienischen Export schwer belastet. “Italien kann das nicht akzeptieren”, betonte der Verband.

Platter versteht Kritik aus Italien nicht

Die Kritik aus Italien ist für Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) “vollkommen unverständlich”. “Die von Tirol gesetzten Notmaßnahmen sind alles andere als einseitig, sondern in der Europaregion mit den beiden Provinzen Südtirol und Trentino abgestimmt”, erklärte Platter am Sonntag gegenüber der APA.

Südtirol und Trentino würden sogar Seite an Seite mit Tirol kämpfen, um den Lkw-Transitverkehr nachhaltig von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Vom Setzen einseitiger Maßnahmen könne daher keine Rede sein. “Tirol setzt gemeinsam mit seinen Partnern Maßnahmen, während Berlin und Rom immer noch in alten Mobilitäts-Denkmustern verhaftet bleiben”, meinte der Landeshauptmann.

Positiv überrascht zeigte sich Platter von den Aussagen des italienischen Frächterverbands ANITA, dass es für die Zukunft wichtig sei, den Lkw-Verkehr zunehmend auf die Schiene zu verlagern. “Auf diese Einsicht können wir aufbauen”, sagte der Landeshauptmann. Bis dato habe der italienische Frächterverband in der Lkw-Transitfrage aus Sicht Tirols eine klar destruktive Haltung eingenommen. “Dass nun die Erkenntnis auch bei den italienischen Frächtern angekommen ist, dass etwa der Brennerbasistunnel in Zukunft von wichtiger Bedeutung sein wird, stimmt überraschend zuversichtlich”, so Platter.

Von: luk

Kommentare

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10 Kommentare auf "Brenner-Transit: Spannungen zwischen Italien und Österreich"


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Mauler
Mauler
Grünschnabel
1 Monat 6 Tage

Italien will seine Wirtschaft schützen ober scheisst auf die Gesundheit der Südtiroler, mir als Nadelöhr des Nord/Süd Transit!

Martinus
Martinus
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Italiens Wirtschaft ist auch Südtirol Wirtschaft. Wenn wir verkaufen wollen müssen auch unsere Waren über den Brenner. Toninelli hat Recht mit seiner Kritik. Die Nordtiroler müssen auch verstehen das wir unsere Bedürfnisse haben. Leider sind Wirtschaft und Umwelt-bzw.Gesundheitsschutz nicht immer auf einer Linie. Am Beispiel Osttirol sieht man einfach wie dieses wirtschaftlich von Italien bzw. Südtirol abhängig ist. Das beste wäre einen Konsens zwischen den Meinungen zu finden.

haudi
haudi
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

die Eu scheisst af die Südtiroler Gesundheit!!!!
der gonze Puff isch erscht seit der Osterweiterung!!!!!!!!
Fohr selbor seit 20johr lkw und es werd olleweil schlimmer ,a für di Existemz fa heimische Speditionen

buggler
buggler
Grünschnabel
1 Monat 6 Tage

so ists richtig , jetzt noch die treibstoffpreise senken und schon hat diese regierung mehr getan als die pdsvp regierung , aber bitte für den landeshauptmann den treibstoffpreis verdoppeln er wünscht sich das!

bin vo do
bin vo do
Grünschnabel
1 Monat 6 Tage

i tat österreich amol nimmer beliefern,schaugn wia weit sie nor kemmen.

haudi
haudi
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

wos in Österreich bleibit isch a minimaler Prozentsotz!

Terlinger
Terlinger
Grünschnabel
1 Monat 6 Tage

Alle reden von europäischer Gemeinschaft und trotzdem kocht jeder sein eigenes Süppchen. Von europäischer Einigkeit weit und breit keine Spur

elmar
elmar
Tratscher
1 Monat 6 Tage

Ich kann die Bevölkerung verstehen aber jeder könnte einwenig dazu beitragen wenn wir mehr Regionale Produkte kaufen würden Ich weiß das damit nicht alle Probleme vom Tisch sind aber es wäre ein Anfang wenn man bedenkt was so alles hin und her gekarrt wird

peterle
peterle
Superredner
1 Monat 5 Tage

Die Löhne bei uns anpassen und schon ist die Regionalität leistbar.

Kurios
Kurios
Superredner
1 Monat 5 Tage

Baut endlich die Alemagna weiter, dann verteilt sich die Blechlawine. Der Durchzugsverkehr ist der Schlimmste. Touristen die ihr verlängertes Wochenende hin und zurück nur durch Südtirol fahren und nur ihren Müll aus dem Fenster werfen

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