Zahl der Infizierten und Toten steigt weiter steil an – VIDEO

Coronavirus: Lage in Bergamo und Brescia immer bedrohlicher

Montag, 16. März 2020 | 08:06 Uhr

Bergamo/Brescia – Die Lage der von der Coronavirusepidemie am meisten betroffenen lombardischen Provinzen Bergamo und Brescia wird immer bedrohlicher. Nachdem bereits in den letzten Tagen eine hohe Anzahl von Neuinfizierten und Toten registriert worden war, mussten die Behörden am Sonntag erneut Hunderte von Neuansteckungen und Dutzende von Toten melden. Zugleich steht genauso wie in der ganzen Lombardei die Gesundheitsfürsorge kurz vor dem Kollaps. Während die Verwalter verzweifelt versuchen, neue Intensivbetten bereitzustellen, sucht die Region Lombardei im In- und Ausland nach Ärzten und Pflegekräften.

Auch der Sonntag war für die Provinzen Bergamo und Brescia ein schwarzer Tag. Zu den bereits dramatischen Zahlen der Vortage kamen am Sonntag Hunderte von Neuansteckungen – 552 in Bergamo und 351 in Brescia – hinzu. Auch die Anzahl der Todesopfer erhöhte sich, wodurch sich die Zahl der Opfer in Bergamo auf insgesamt 261 und in Brescia auf 223 erhöhte. Zu den letzten Toten gehörte auch ein Mitarbeiter des Noteinsatzdienstes 118, der im Krankenhaus „Papa Giovanni XXIII“ von Bergamo im Einsatz war. Nachdem er sich mit dem Coronavirus angesteckt hatte, starb er mit nur 47 Jahren in der Nacht vom Freitag auf den Samstag im Krankenhaus. In der Folge mussten alle Räumlichkeiten des Dienstes sterilisiert und seine Kollegen in die Quarantäne geschickt werden.

Innerhalb der von der Coronavirusepidemie schwer betroffenen Provinz Bergamo stechen aufgrund der dort herrschenden dramatischen Lage noch mal zwei Gemeinden, Nembro und Alzano Lombardo, heraus. In den beiden Gemeinden, die sich in der unteren Val Seriana befinden, starben innerhalb von wenigen Tagen Dutzende Menschen. Allein im rund 12.000 Einwohner zählenden Nembro wurden innerhalb von zwölf Tagen 70 Tote registriert, im benachbarten Alzano hingegen starben innerhalb von zwei Wochen 50 Einwohner.

ANSA/Tiziano Manzoni

„Es ist ein wahrer Albtraum. Am Freitag starben sechs Menschen und allein am Samstagvormittag mussten wir weitere fünf Tote melden. Die einzige Möglichkeit, den Virus zu besiegen, ist die von der Regierung verordneten Regeln zu befolgen“, so der Bürgermeister von Alzano Lombardo, Camillo Bertocchi.

Allerdings sparte Camillo Bertocchi nicht mit Kritik. Die beiden Gemeinden, in denen fast zur selben Zeit wie in Codogno die Epidemie ausgebrochen war, hatten vergeblich gefordert, gleich wie die zehn Gemeinden südlich von Lodi abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt zu werden.

„Es ist jene Zeit gewesen, als wir ‚Rote Zone‘ hätten werden können. Die Unsicherheit dieser Tage hat für große Verwirrung gesorgt. Meiner Ansicht nach hätte die Regierung uns, die wir hier geboren sind, hier leben und die Bedürfnisse unserer Umgebung genau kennen, zurateziehen sollen“, so Camillo Bertocchi. Heute gehe man davon aus, dass nach den ersten Ansteckungen am 23. Februar wertvolle Zeit vergeudet wurde.

Die Lage ist in der gesamten Provinz Bergamo dramatisch. In Bergamo und in anderen Orten mussten die Kirchen geöffnet werden, weil die Leichenhallen für die vielen Toten – mehr als 250 in der letzten Woche – zu klein geworden waren. „Der Feuerbestattungsofen von Bergamo ist pausenlos in Betrieb, es werden keine Begräbnisse mehr abgehalten und jede halbe Stunde wird eine Feuerbestattung durchgeführt“, so der Bürgermeister von Bergamo, Giorgio Gori. Die hohe Anzahl der Verstorbenen spiegelt sich auch in den vielen Todesanzeigen wider. Während in der Tageszeitung „L’Eco di Bergamo“ früher alle Todesanzeigen und Beileidsbekundungen auf kaum mehr als einer Zeitungsseite Platz fanden, sind es nunmehr bis zu elf Seiten.

In der Zwischenzeit versucht die Regionalverwaltung der Lombardei verzweifelt, weitere Intensivbetten zur Verfügung zu stellen. Innerhalb von 48 Stunden gelang es, in den Krankenhäusern weitere 300 Betten bereitzustellen. Diese werden aber sofort belegt, sodass – so der Regionalassessor für die Gesundheitsfürsorge, Giulio Gallera – in der ganzen Lombardei manchmal kaum mehr als eine Handvoll Betten übrig bleiben. Mithilfe einer gemeinsamen Kraftanstrengung hofft die Region, zusammen mit dem Zivilschutz in zwei Hallen der Mailänder Messe ein Krankenhaus mit 500 Betten zu errichten. Dafür müssen aber genug Beatmungsgeräte und das entsprechende medizinische Personal aufgetrieben werden. Es handelt sich um keine leichte Aufgabe.

ANSA/ Filippo Venezia

Von: ka

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