Streit um mitgebrachtes Essen am Strand entzweit Italien – VIDEO

„Das schadet dem Image der Strandbäder!“

Dienstag, 07. Juli 2026 | 07:02 Uhr

Von: ka

Bari/Rom – In Apulien ist ein Streit ausgebrochen, der droht, auf ganz Italien überzugreifen. Einige Strandbadbetreiber haben den Zutritt mit selbst mitgebrachtem Essen und Getränken untersagt. Die Unternehmer fürchten einen „Imageverlust“ und Einbußen für ihre Restaurants, da die mitgebrachten Speisen und Getränke mitunter zu ausufernden Gelagen am Strand führen.

Verbraucherschützer kritisieren hingegen die hohen Preise der Strandrestaurants und betonen, dass den Strandbadbetreibern laut italienischem Gesetz nicht das Recht zusteht, zahlenden Gästen den Verzehr von mitgebrachtem Essen und Getränken zu verbieten. Die Verbraucherschützer haben recht, aber auch die Strandgäste müssen einige Regeln beachten.

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In diesem Jahr ist in Apulien eine Kontroverse darüber entbrannt, ob in einem konzessionierten Strandbad, also an einem privaten Strand, mitgebrachtes Essen verzehrt werden darf. Von der Küste des Gargano bis zur Küste des Salento sind einige Strandbadbetreiber mit dem apulischen Regionalpräsidenten Antonio Decaro aneinandergeraten. Die Betreiber wollten das Mitbringen von Speisen und Getränken angeblich erschweren oder sogar verbieten, damit die Badegäste ausschließlich in den Bars und Restaurants des Strandbads konsumieren. Die Betreiber sind der Ansicht, dass es einen „wirtschaftlichen und imagebezogenen Schaden“ verursachen würde, wenn den Badegästen erlaubt würde, ein Lunchpaket mitzubringen. Die Verbraucherverbände vertreten seit jeher eine andere Meinung und weisen darauf hin, dass ein Tag am Meer auf diese Weise immer teurer wird. Im Salento beispielsweise ist laut einer Analyse des Verbraucherschutzvereins Adoc in den letzten fünf Jahren ein durchschnittlicher Preisanstieg von etwa 25 Prozent für Liegestühle und Sonnenschirme zu verzeichnen, wobei die Preissteigerungen in einigen Orten bis zu 50 Prozent erreichten.

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Der Corriere del Mezzogiorno berichtete über einen solchen Fall und fasste die Beschwerden einiger Familien zusammen. Diese waren gezwungen, ihre Brötchen und ihre Focaccia ganz unten in den Rucksäcken zu verstecken, um Ärger am Eingang der Strandbäder zu vermeiden. „An unserem Strand ist es verboten, Essen von zu Hause mitzubringen und es unter dem Sonnenschirm zu verzehren. Aber mit zwei Kindern kann ich es mir nicht leisten, jeden Tag Brötchen an der Bar zu kaufen oder im Restaurant des Strandbads zu Mittag zu essen. Ein Brötchen kostet fünf Euro. Für vier Personen sind das schon 20 Euro, dazu kommen noch die Getränke und vielleicht ein Eis. Also bereite ich das Essen zu Hause zu, verstecke es in der Strandtasche und wenn es Mittag wird, lasse ich die Kinder beim Spaziergang am Strand oder am Meeresufer essen“, so die 35-jährige Rosaria, die mit ihren beiden Kindern einen Strand in Vieste besucht. Dieser Vorfall hat eine Diskussion entfacht, die in Italien jeden Sommer aufs Neue aufkommt.

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In einem in den sozialen Medien veröffentlichten Video hat sich der Präsident der Region Apulien, Antonio Decaro, zu Wort gemeldet und die Haltung kritisiert, dass ein mitgebrachtes Mittagessen einen „Imageverlust“ bedeute. „Schon die Kosten für Sonnenschirme und Liegestühle sind exorbitant“, schrieb Decaro in den sozialen Netzwerken. „Können wir wirklich von denjenigen, die sich für ein Strandbad entscheiden, verlangen, dass sie ausschließlich in der Bar oder im Restaurant des Strandbads essen?“

Decaro erinnerte daran, dass die Region Apulien die Ordnung an den Stränden bereits durch die Strandverordnung regelt. Seit 2019 ist es an den Stränden Apuliens verboten, Einwegplastik zu verwenden. Wer Essen von zu Hause mitbringt, muss biologisch abbaubares Besteck und Geschirr verwenden. „Der Rest scheint nur eine ‚elegante‘ Art zu sein, zu sagen: Esst bei uns oder gar nicht“, fügte er hinzu und bekräftigte: „Das Meer ist ein Allgemeingut und darf nicht zum Luxus werden.“

stnews/ka – archiv

Aber darf das Mitbringen von selbst zubereitetem Essen überhaupt durch ein Strandbad verboten werden? Laut der Nationalen Verbrauchervereinigung Unione Nazionale Consumatori lautet die Antwort nein. Ihr Vorsitzender Massimiliano Dona bekräftigt dies jedes Jahr und erinnert in den sozialen Medien immer wieder daran, dass sich die staatliche Konzession auf Stranddienstleistungen wie Liegen und Sonnenschirme bezieht und nicht auf die Gastronomie. Aus diesem Grund, so Dona, dürfe der Betreiber des Strandbads die Taschen nicht durchsuchen und seinen Gästen nicht vorschreiben, Speisen und Getränke ausschließlich an der hauseigenen Bar oder im Restaurant zu kaufen. Mit anderen Worten: Wer einen Sonnenschirm mietet, darf ein belegtes Brot, eine Focaccia, einen Salat oder andere selbst zubereitete Speisen mitbringen. In diesem Jahr ist Dona noch nicht erneut auf dieses Thema eingegangen. Die Regeln haben sich in der Zwischenzeit aber sicherlich nicht geändert.

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Das Recht, Essen von zu Hause mitzubringen, bedeutet jedoch nicht, dass sich jeder so verhalten kann, wie er möchte. Dona selbst betont in seinen Videos in den sozialen Medien, dass Verbraucher den Anstand am Strand wahren und die anderen Badegäste respektieren müssen. Es ist daher angemessen, dass der Betreiber eingreift, wenn regelrechte Picknicks und Gelage mit Tischen, Stühlen, Grills oder großen Kühltaschen veranstaltet werden, durch die Gemeinschaftsbereiche beansprucht oder Störungen verursacht werden. Hinzu kommt die Verpflichtung, den Strand sauber zu halten, den eigenen Müll einzusammeln und kommunale Umweltverordnungen einzuhalten.

Das heißt, gegen das mitgebrachte Brötchen oder die Focaccia samt etwas Obst und einem kühlenden Getränk ist nichts einzuwenden, das Mittagessen sollte jedoch nicht in ein großes und lautes Gelage ausarten.

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