Ermittlungen wegen Jugendprostitution gegen Inter-Star Alessandro Bastoni – VIDEO

“Die Minderjährige will mit dir Spaß haben”

Donnerstag, 02. Juli 2026 | 08:08 Uhr

Von: ka

Mailand – Die von der Staatsanwaltschaft koordinierten Ermittlungen gegen Luxus-Escorts, die im April zur Zerschlagung eines elitären Prostitutionsrings in den Nachtlokalen Mailands, zur Festnahme seiner „Organisatoren” und zur Beschlagnahme von nicht weniger als 1,2 Millionen Euro führten, lösten im italienischen Fußball ein Erdbeben aus. Nach wochenlangen Ermittlungen wurde am 30. Juni dem ersten bekannten Star, dem 27-jährigen Inter-Mailand-Verteidiger Alessandro Bastoni, ein Ermittlungsbescheid wegen Jugendprostitution zugestellt.

Bastoni steht unter Verdacht, mit einer damals Minderjährigen gegen Bezahlung Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Abgehörte Gespräche zum Escort-Ring und zu Fußballern – „Die Minderjährige will Spaß mit dir haben“ – sollen ihn schwer belasten. Doch die junge Frau meldet sich zu Wort: „Ich habe kein Geld von ihm angenommen.“ Für Alessandro Bastoni ist es ein annus horribilis, denn wegen einer frühen Roten Karte, durch die die Azzurri im entscheidenden Playoff-Finale gegen Bosnien-Herzegowina geschwächt wurden, gilt er in der italienischen Öffentlichkeit als „Hauptschuldiger” für das Verpassen der WM-Endrunde.

Instagram/Alessandro Bastoni

Die von der stellvertretenden Staatsanwältin Bruna Albertini und der Staatsanwältin Rosaria Stagnaro gemeinsam mit der Finanzpolizei durchgeführten Ermittlungen zielen darauf ab, die gesamte Struktur der kriminellen Organisation zu rekonstruieren. Wer war für die Abendveranstaltungen zuständig? Wer hat die Mädchen angeworben? Und wer hat sie tatsächlich zu den Veranstaltungen begleitet? Laut La Repubblica sah der Ablauf Abendessen und Discoabende in den exklusivsten Lokalen Mailands vor. „Interessierten“, die „mehr“ wollten, wurde anschließend die Möglichkeit geboten, die Nacht in einem Hotel fortzusetzen, wo laut Anklage auch Lachgas zum Einsatz kam.

In den Prostitutionsskandal sind rund 70 aktive und ehemalige Serie-A-Fußballer verwickelt – vom ehemaligen Inter-Star bis hin zu vielen jungen Spielern. Allesamt sollen die „Dienste” der Eventagentur Ma.De Milano von Deborah Ronchi und Emanuele Buttini in Anspruch genommen haben. Die meisten von ihnen dürften ungeschoren davonkommen, denn allein die Zugehörigkeit zur „Kundschaft” ist keine Straftat. Für den 27-jährigen Fußballstar Alessandro Bastoni, Verteidiger bei Inter Mailand und in der Nationalmannschaft, gegen den die Mailänder Staatsanwaltschaft wegen Jugendprostitution ermittelt, könnten jedoch sehr ernste Konsequenzen folgen. Er ist der erste Fußballspieler, der offiziell in die Ermittlungen verwickelt ist.

Instagram/Emanuele Made

Der Vorwurf der Jugendprostitution geht auf ein mutmaßliches Treffen mit einem zum Tatzeitpunkt 17-jährigen Mädchen zurück. Darin soll einer der Mitarbeiter der Eventagentur Ma.De Milano, die im Mittelpunkt der Ermittlungen steht, Bastoni mit der Minderjährigen in Kontakt gebracht haben.

Der Chat, der Alessandro Bastoni schwer belasten soll, stammt vom 9. Juli 2020 und ist somit fast sechs Jahre alt. Alessio Salamone, die rechte Hand von Deborah Ronchi und Emanuele Buttini, schrieb ihm: „Ich glaube, die Minderjährige will mit dir schlafen.” An diesem Tag ist ein Abendessen mit anderen Leuten geplant, doch der Abend endet schließlich bei dem Spieler zu Hause. Als sein Freund ihn fragt, wie es gelaufen sei, antwortet er: „Alles okay, Löwe.“ Die Anklage gegen den Verteidiger von Inter Mailand und der Nationalmannschaft wegen Kinderprostitution basiert auf einer Reihe von Nachrichten und einer Zeugenaussage.

Instagram/Emanuele Made

Der heute 27-Jährige riskiert im Falle einer Verurteilung viel, denn gemäß Artikel 600 bis des Strafgesetzbuches heißt es: „Wer sexuelle Handlungen mit einem Minderjährigen im Alter zwischen vierzehn und achtzehn Jahren vornimmt, im Austausch gegen eine Geldzahlung oder einen sonstigen Vorteil, auch wenn dieser nur versprochen wurde, wird mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zu sechs Jahren und einer Geldstrafe von 1.500 bis 6.000 Euro bestraft.“

Instagram/Alessandro Bastoni

Laut La Repubblica ist die Sachlage jedoch nicht ganz so eindeutig. Die heute junge Frau, die als Zeugin vernommen wurde, hat bestritten, dass es jemals eine Beziehung zwischen ihr und dem Fußballer gegeben habe. In den Ermittlungsakten bleibt jedoch eine Spur dieses Treffens erhalten, die die Ermittler nun bewerten müssen, um den Tathergang zu rekonstruieren.

Instagram/Alessandro Bastoni

Bastoni wird am Freitag, dem 3. Juli, zusammen mit seinem Anwalt Salvatore Scuto bei der Staatsanwaltschaft in Mailand erscheinen. Die stellvertretende Staatsanwältin Bruna Albertini und die Staatsanwältin Rosaria Stagnaro, die gemeinsam mit der Finanzpolizei die Ermittlungen im Fall der Escorts im Fußball leiten, werden ihn befragen. Die Staatsanwältin will auch Daniel Maldini, Riccardo Calafiori und Kevin Bonifazi als Zeugen vernehmen. Der schwerwiegendste Vorwurf betrifft jedoch Bastoni, der sich gemeinsam mit den Inhabern der Agentur, Emanuele Buttini und Deborah Ronchi, die seit April unter Hausarrest stehen, sowie mit Salomone selbst verantworten muss.

Instagram/Emanuele Made

Die Jugendliche war damals 17 Jahre und acht Monate alt. Das Abendessen fand in Cinisello Balsamo statt, wo Ma.De Milano seinen Sitz hatte. Das Unternehmen stellte den Escort-Damen – und vermutlich auch Minderjährigen – Wohnungen zur Verfügung. Die vier sollen die Minderjährige am Abend des 11. Juli 2020 zur Prostitution verleitet haben. Es geht um „sexuelle Handlungen gegen Zahlung des Preises für die Dienstleistung und die Organisation des Treffens”. Das Mädchen wurde bereits als Zeugin vernommen. Sie hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Andere Frauen aus diesem Umfeld haben zu Protokoll gegeben, dass sie nicht des Geldes wegen mit den Spielern ausgegangen seien. Der Anwalt von Bastoni hat ein Zitat des Spielers an die Öffentlichkeit gebracht: „Wir sprechen von vor sechs Jahren, damals war ich zwanzig Jahre alt, ich war gerade bei Inter angekommen, ich war Single. Mit diesem Mädchen ist nie etwas gelaufen, und mir war nie bewusst, dass ich Beziehungen zu Minderjährigen hatte. Geschweige denn, dass ich ein Mädchen für Sex bezahlt hätte, schon gar nicht, wenn sie minderjährig war.“

Instagram/Alessandro Bastoni

In den von den Ermittlern zusammengetragenen Chats zwischen Salamone und Bastoni heißt es: „Ich bin mittlerweile dein Mann für alles. Oh, und ich habe nicht einmal ein Trikot bekommen! Aber du weißt ja: Wenn es ein Mädchen gibt, schick mir die Profildaten, und ich melde mich bei ihr.“ Am Tag nach diesem Chat besprechen die beiden ein Sushi-Abendessen in Cinisello Balsamo. Anwesend sind Bastoni, zwei seiner Freunde, drei Frauen – darunter die Inhaberin der Agentur Ronchi – und Salamone.

Das „Paket“ beinhaltet auch ein Taxi für die Minderjährige, mit der der Fußballer „ganz offensichtlich bereits nach dem Abendessen in der Wohnung in Cinisello Balsamo Geschlechtsverkehr haben will“, wie es in den Akten heißt. „Aber gibt es dort Orte wie einen ‚privaten Bereich‘?“, fragt Bastoni seinen Freund. Der antwortet: „Wir lassen uns schon etwas einfallen, schlimmstenfalls bringst du sie nach Hause.“

In dieser Nacht schreibt Salamone erneut an Bastoni: „Pass gut auf dich auf, mein Freund. Pass gut auf dich auf.“ Und auch an das Mädchen: „Wenn es irgendwelche Probleme gibt, schreib mir.“ Sie antwortet: „Alles okay. Ich bin bei Bastoni, schlafe hier und werde morgen früh nach Hause gebracht.“

Die im April aufgenommenen Ermittlungen führten dazu, dass Ronchi, Buttini, Salomone und Amilton Luan Fraga Luz unter Hausarrest gestellt wurden. Ihnen wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Zwecke der Beihilfe zur Prostitution und deren Ausbeutung vorgeworfen, nun auch im Falle von Minderjährigen. Die heute junge Frau, die als Zeugin vernommen wurde, soll ausgesagt haben, kein Geld von Bastoni erhalten zu haben.

Instagram/Alessandro Bastoni

Für Alessandro Bastoni war es ein annus horribilis, denn für viele fußballbegeisterte Italiener steht er als Sinnbild für den Niedergang der Azzurri und des italienischen Fußballs im Allgemeinen. Der spielstarke, linksfüßige Innenverteidiger, der zu den wertvollsten Defensivspielern Europas zählt, durfte mit Inter Mailand in der Saison 2025/26 die Meisterschaft und die Coppa Italia feiern, doch das Jahr 2026 verlief für ihn sportlich unglücklich. Er geriet nach einer Schwalbe im Derby d’Italia gegen Juventus Turin, durch die Pierre Kalulu fälschlicherweise vom Platz gestellt wurde, heftig in die Kritik.

Zudem verpasste Italien die WM-Qualifikation für die Endrunde 2026, nachdem er im entscheidenden Play-off-Finale gegen Bosnien und Herzegowina früh eine rote Karte gesehen hatte. Viele glauben, dass Alessandro Bastoni Inter Mailand – und wahrscheinlich auch Italien – verlassen wird. Und das nicht, weil er sich schuldig fühlt, sondern weil er einen unbelasteten Neuanfang sucht.

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