89-Jähriger heiratet "Badante": Für Gericht kein Hindernis

“Er ist taub und sie hat einen anderen”

Mittwoch, 03. April 2024 | 08:10 Uhr

Perugia – Die Stadt Perugia in Umbrien ist Schauplatz eines aufsehenerregenden Rechtsstreits. Als ein 89-jähriger Mann die 56-jährige Pflegerin – ein Berufsbild, das mittlerweile auch in Südtirol besser unter der Bezeichnung Badante bekannt ist – seiner verstorbenen Frau heiraten wollte, erhoben seine Schwestern und deren Kinder Einspruch.

„Er ist taub und sie hat einen anderen“, klagten die Angehörigen des Bräutigams. Der Richter von Perugia schmetterte jedoch den Einspruch der Familienangehörigen ab und gab für die Heirat zwischen dem 89-jährigen Pensionisten und der 56-jährigen Frau grünes Licht. Taubheit und eine mögliche Beziehung der Frau, so das Berufungsgericht in seinem im Januar ergangenen Urteil, seien kein Heiratshindernis. Den Angehörigen steht noch die Möglichkeit offen, dieses Urteil anzufechten.

APA/APA (dpa/Symbolbild)/Andreas Lander

„Er ist taub und hat uns nichts gesagt, und sie hat bereits einen anderen Mann“, lautet die Begründung seiner nahen Verwandten, mit der sie sich gegen die zweite Ehe des 89-jährigen Pensionisten mit der 56-jährigen Pflegerin seiner vor einem Jahr verstorbenen ersten Frau stemmten, doch der Richter gab dem älteren Mann recht und erklärte, dass keiner der von der Familie des Mannes vorgebrachten Gründe ausreiche, um die Ehe zu verhindern. Die Erste Abteilung für Personen und Familie des Gerichts von Perugia wies daher den Einspruch der Angehörigen zurück und machte den Weg für die Heirat zwischen dem Pensionisten und der 56-jährigen Frau frei.

APA/APA (Symbolbild)/HELMUT FOHRINGER

Wie die römische Tageszeitung Il Messaggero berichtet, standen sich vor dem Berufungsgericht von Perugia der 89-Jährige und seine 56-jährige Braut in spe sowie die Schwestern und deren Kinder gegenüber. Nach dem Tod seiner ersten Frau vor einem Jahr hatte sich der 89-Jährige dazu entschlossen, ihre 56-jährige Badante zu heiraten, die sich in den letzten Jahren um seine erste Frau gekümmert hatte.

Dies gefiel seinen Angehörigen jedoch gar nicht. Die Schwestern und Neffen des Bräutigams in spe vertraten nämlich die Meinung, dass der ältere Mann von der Badante seiner verstorbenen Frau aus Eigennutz zur Eheschließung überredet worden wäre. Sie hegten den Verdacht, dass die im Vergleich zum Pensionisten noch recht junge Frau es auf das Vermögen ihres zukünftigen Ehemannes abgesehen habe.

APA/APA/dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert

Da aus ihrer Sicht gleich mehrere Hinderungsgründe für die Heirat vorhanden seien, zogen sie vor Gericht. Sie wiesen insbesondere darauf hin, dass der 89-Jährige taub und pflegebedürftig sei. Auch die laut ihrer Aussage bestehende Tatsache, nach der die zukünftige Braut bereits eine Liebesbeziehung zu einem anderen Mann habe, fanden sie nicht nur zutiefst anstößig, sondern auch für eine Eheschließung hinderlich.

Größten Verdacht erregte bei ihnen jedoch der Umstand, dass die beiden die Heirat vor den Verwandten bis zuletzt verheimlicht hätten. Die Schwestern des 89-Jährigen und deren Kinder hätten von der bevorstehenden Hochzeit erst durch die gesetzlich vorgeschriebene öffentliche Kundmachung erfahren. Vor allem dies, so die Verwandten des älteren Mannes, sei ein Zeichen dafür, dass die Frau mit ihrer ganzen Kraft persönliche Ziele erreichen wolle, die nicht im Rahmen des Bundes der Ehe vorgesehen seien.

APA/APA (dpa)/Friso Gentsch – Symbolbild

Das Berufungsgericht von Perugia schmetterte jedoch alle Einwände der Schwestern und Neffen des Bräutigams in spe ab. Während der Anhörung erhielten die Richter den Eindruck, dass dem 89-Jährigen vollkommen bewusst war, welche rechtlichen Folgen die Eheschließung auf seine Familie haben würde. Das Gericht von Perugia betonte, dass im Gegensatz beispielsweise zur geistigen Urteilsunfähigkeit und Unzurechnungsfähigkeit die Taubheit kein Ehehindernis darstellt. Da dies im Falle des Falles nur ethische Fragen aufwerfen könne, ist auch der von den Angehörigen beanstandete Lebenswandel der 56-Jährigen, dem zufolge sie bereits eine Beziehung zu einem anderen Mann pflege, kein Hindernis für eine Eheschließung.

Den Angehörigen steht zwar noch die Möglichkeit offen, auch dieses Urteil anzufechten, aber da laut Gesetz die Hinderungsgründe für eine Ehe klar umrissen sind, stehen die Chancen der Schwestern und Neffen des Bräutigams, die Ehe doch noch vereiteln zu können, eher schlecht. Wenn beide bei vollem Bewusstsein diese Entscheidung treffen können und wenn keine triftigen Hinderungsgründe vorliegen, kann salopp formuliert laut dem Gesetz der Bund der Ehe geschlossen werden.

Von: ka

Kommentare

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29 Kommentare auf "“Er ist taub und sie hat einen anderen”"


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Eisenhauer
Eisenhauer
Tratscher
17 Tage 8 h

Nach der Heirat wird es nicht lange dauern, er verstirbt und sie ist um einiges reicher. Danach wird das nächste zu betreuende Opfer gesucht. Ist doch schon unzählige male so passiert.

Zussra
Zussra
Superredner
17 Tage 8 h

@Eisenhauer Donn nenn ins Beispiele mit hondfesta Beweise!

Staenkerer
17 Tage 7 h

sell wetd stimmen, ober recht viel mehr wie erbn welln seine verwontn, do steat lei schwester und neffen, worscheinlich a nit …

Herzig
Herzig
Tratscher
17 Tage 7 h

Nicht jede Badante kann man in einem Topf werfen. Kann sein, muss es aber nicht. Ausserdem weiss der alte Herr von ihrer Beziehung zu einem anderen. Deshalb muss er nicht wegen dem sterben.

Eisenhauer
Eisenhauer
Tratscher
17 Tage 6 h

Ich werde hier im Forum sicher nicht das Privatleben von Menschen aus meinen persönlichen Umfeld preisgeben. Aber du kannst mir glauben solche Geschichten passieren öfter als man meinen mag. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie geht von einem zum anderen…..

Staenkerer
17 Tage 5 h

@Herzig wos i außerglesn honn wor des de badante seiner frau und isch nit seine badante! wohrscheinlich geats den monn wirklich um sein vermögen, und deswegn dient de eheschließung jo lei den, taktisch kugen, zweck zu verhindern das a testament ungfochtn wern kannt, denn a ehefrau isch a ohne testament unanfechtbar erbberechtigt!

N. G.
N. G.
Kinig
17 Tage 2 h

@Eisenhauer Es ist ganz einfach. Der Mann ist geschäftsfähig, das wurde sicherlich bei dem Prozess festgestellt, ansonsten hätte er nicht Recht bekommen und damit darf er tun was immer er will! Was dahinter steckt hat dann weder mich noch dich was zu interessieren. Oder sollten wir uns alle ab 85 entmündigen lassen?

latteguschtl
Grünschnabel
16 Tage 22 h

wenn sich die Verwandten früher um deren Eltern, Oma und Opa richtig gekümmert hätten gäbe es keine Badante, hier zeigt sich wie schon zu oft, die Gier nach dem Geld und teilen ist nicht jedermann´s sache

Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
16 Tage 21 h

Ih wear ah a Bedante 🤔🤭

N. G.
N. G.
Kinig
17 Tage 9 h

Worum es hierbei geht ist vollkommen klar! Erbe!
Solange der zwar alte Herr klar im Kopf ist kann er tun was er will. Warum sollte er sein Vermögen nicht an die Badante durch Heirat vererben dürfen, was spricht dagegen wenn es es im vollem Bewusstsein tut. Wenn er seiner Frau, er ist alt, ihre Freiheit gibt einen Anderen haben zu dürfen, dann ist das auch deren Sache! Warum nicht ne offene Beziehung wenn er davon weiß.

Zussra
Zussra
Superredner
17 Tage 8 h

Recht hot a!
Zi Erben warnse olla zom pronto, obbo af ihme zi schaugn hot niemand doweil!

Herzig
Herzig
Tratscher
17 Tage 7 h

Ganz deiner Meinung. Er wird schon wissen, warum er der Badante sein Hab und Gut vererben will. Vielleicht sind seine Angehörigen die Gierigen und er weiß das.

sophie
sophie
Kinig
17 Tage 9 h

Liebe mocht blind, van O…. bis zin Grind…..🙉🙈

Herzig
Herzig
Tratscher
17 Tage 7 h

Mit einem gewissen Alter fühlt sich Liebe gut an, macht aber nicht unbedingt blind.

So ist das
17 Tage 4 h

Bei so einem Altersunterschied geht es sicher um Liebe 😂😂😂

Krotile
Krotile
Universalgelehrter
17 Tage 21 Min

vielleicht geht es ja um Respekt! manchmal ist Respekt mehr wert als Liebe!

Mello
Mello
Tratscher
17 Tage 8 h

De Richter sein lächerlich…

@
@
Universalgelehrter
17 Tage 4 h
Die Richter haben festgestellt, dass der Senior voll zurechnungsfähig ist und sich bewusst war, welche rechtlichen Folgen die Eheschließung auf seine Familie haben würde. Also wird der Herr schon gewusst haben, warum er seine Verwandten gewissermaßen “enterbt” .Was an der Entscheidung der Richter findest du also lächerlich? Die Verwandtschaft haben sich eben mehr Sorge ums Erbe als um den alten Herrn gemacht. Wer ist für dich dann der größere Erbschleicher? Der nur das Erbe will und sich nicht kümmert oder der auch das Erbe will, sich aber um den Herrn kümmert. Dass es keine Liebesheirat wird, ist dir, mir und… Weiterlesen »
Krotile
Krotile
Universalgelehrter
17 Tage 22 Min

Mello – du meinst weil der Herr alt und taub ist darf er nicht mehr selber entscheiden? Taubheit bedeutet nicht unzurechnungsfähig – ich finde der Richter hat den Erbschleichern einen Strich durch ihre Rechnung gemacht und das ist gut so!

Krotile
Krotile
Universalgelehrter
17 Tage 6 h

Der Umstand, dass der Herr die Hilfe einer Badante in Anspruch nehmen musste, zeigt vor allem, dass keiner dieser “nahen Verwandten” das Bedürfnis hatte, sich um den älteren Herrn zu kümmern. Offenbar hatte das Ehepaar keine eigenen Kinder – wie es mit der Verwandtschaft sein kann, damit hat fast jeder von uns schon so seine Erfahrungen gemacht 😉 – Er will sein Hab und Gut offenbar der Dame vererben, die sich um ihn bis zum Schluss kümmern wird! ich würde es genauso machen!

thomas
thomas
Kinig
17 Tage 7 h

Ich hab meine Badante zur Universalerbin bestimmt

user6
user6
Tratscher
17 Tage 5 h

se leckt sich sicher schun die finger…

Homelander
Homelander
Universalgelehrter
17 Tage 7 h

Bol gewissa Weibo Geld schmeckn, sebm konnsch zommpockn… in die sebm isch nix zi bled… muss liebe schön sein…😂

Krotile
Krotile
Universalgelehrter
17 Tage 25 Min

Homelander – die “nahe Verwandtschaft” das sind auch “Weibo”! ich finde DIE viel verwerflicher als die Badante.

user6
user6
Tratscher
17 Tage 7 h

die verwandten sollen doch froh sein, nach der hochzeit ist sie zu 100 prozent für ihren mann verantwortlich, auch für die unangenehmen dinge…..

Bissgure
Bissgure
Superredner
17 Tage 2 h

erscht gsechn , wie Vowonnte sich wie die Geier afs Erbe stürzen . obo sischt homse nia zeit kop , ständig neue Ausredn , kotznfutto im sillian hol , afn berg , schoppn und und und ….. geldgeil bis zum get nicht mehr !! Der olte monn soll tian wos er für richtig holtit !

Pyrrhon
Pyrrhon
Universalgelehrter
16 Tage 19 h

Die Lösung des ‘Problems’ wär ganz einfach, der betagte Herr verschenkt sein gesamtes Hab u Gut vor der Hochzeit ( z.B. Krankenhaus, Pflegeheim, Erforschung seltener Krankheiten..) im Gegenzug erhällt er eine ausreichende Leibrente mit der er noch seinen Lebensabend genießen kann, mal schauen ob es danach noch Gegner oder Befürworter der Ehe gibt..

Stryker
Stryker
Superredner
16 Tage 23 h

So kriag zumindest jemand die Hinterbliebenen Rente weiter bol er stirb.Hot sie sich verdiant wenn sin guat pfleg!👍

kaisernero
kaisernero
Universalgelehrter
16 Tage 11 h

Olt, Geil und Senil………………..und bis zlescht um olls keman

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