Beschlagnahmen in Italien, Frankreich und Deutschland

Finanzpolizei landet Schlag gegen Pay-TV-Piraterie

Freitag, 22. Mai 2026 | 08:42 Uhr

Von: mk

Ravenna/Bologna – Der Finanzpolizei von Ravenna ist in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Bologna und Eurojust ein schwerer Schlag gegen die audiovisuelle Piraterie gelungen. Bei einer großangelegten Razzia mit rund 200 Einsatzkräften wurden über 100 Durchsuchungen und Beschlagnahmungen in Italien, Frankreich und Deutschland durchgeführt.

Im Zentrum der Ermittlungen steht die illegale Entschlüsselung großer Streaming- und Pay-TV-Anbieter wie Sky, Dazn, Netflix, Disney+ und Spotify. Erstmals stießen die Ermittler dabei auf eine neuartige, hochentwickelte Technologie: Über eine illegale App namens „Cinemagoal“ und im Inland platzierte virtuelle Maschinen wurden die Original-Codes legaler Abonnements alle drei Minuten abgefangen und anonymisiert an die Endnutzer weitergeleitet.

Die IP-Adressen der Kunden wurden dabei verschleiert, um zu verhindern, dass diese entdeckt werden.

Mehr als 70 Wiederverkäufer vertrieben das System für jährliche Gebühren zwischen 40 und 130 Euro, wobei die Zahlungen zum teil anonym über ausländische Schein-Konten abgewickelt wurden. Neben dieser neuen Methode kamen auch illegale Decoder zum Einsatz, womit TV-Inhalte heruntergeladen werden.

Der durch die Piraterie entstandene wirtschaftliche Schaden für die betroffenen Medienunternehmen wird auf rund 300 Millionen Euro geschätzt. Den Drahtziehern drohen Strafverfahren wegen audiovisueller Piraterie, Computerbetrugs und unbefugten Zugriffs auf IT-Systeme.

Auch für die Kunden hat die illegale Nutzung Konsequenzen: Gegen die ersten 1.000 identifizierten Endnutzer wurden bereits Bußgelder zwischen 154 und 5.000 Euro verhängt. Für alle Betroffenen gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

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