Ergebnis des Robert-Koch-Instituts eingetroffen, Gianni Di Vita und eine Freundin erneut vernommen – VIDEO

„Gianni und Alice Di Vita sind nie mit Rizin in Berührung gekommen“

Freitag, 21. August 2026 | 08:09 Uhr

Von: Martin Geier

Pietracatella/Campobasso – Im traurigen Fall des Doppelmordes mit Rizin an Antonella Di Ielsi und ihrer 15-jährigen Tochter Sara Di Vita, die drei Tage nach dem Weihnachtsessen im Krankenhaus starben, scheinen die Ermittler der Wahrheit immer näherzukommen. Die Experten des Robert-Koch-Instituts in Berlin haben in den Proben von Vater und Tochter keine Antikörper-Spuren gefunden. „Gianni und Alice Di Vita sind nie mit Rizin in Kontakt gekommen“, betonen sie.

Das Untersuchungsergebnis lässt einige Rückschlüsse zu. Am Tag nach dieser Nachricht fand aufgrund „widersprüchlicher Aussagen“ auf der Quästur von Campobasso eine sechsstündige Gegenüberstellung zwischen Gianni Di Vita und einer Freundin statt. Auch Alice Di Vita wurde erneut einvernommen. „Es gibt noch keine Eintragungen ins Ermittlungsregister“, geben sich die Ermittler zugeknöpft. Der oder die Hauptverdächtige soll jedoch bald feststehen, es fehlen nur noch einige Puzzleteile.

ANSA/NICOLA LANESE/Auf dem Foto, das während der Beerdigung in der Wallfahrtskirche Madonna di Costantinopoli in Pietracatella in der Provinz Campobasso ausgestellt war, sind Antonella Di Ielsi (zweite von rechts) und Sara Di Vita (rechts) – Mutter und Tochter – zusammen mit ihrem Ehemann beziehungsweise ihrem Vater, Gianni Di Vita, und ihrer Tochter beziehungsweise ihrer Schwester, Alice Di Vita, zu sehen.

Der Fall des Doppelmords von Pietracatella könnte kurz vor einem Durchbruch stehen. Am Donnerstagnachmittag war Gianni Di Vita, der Vater und Ehemann der beiden im Dezember in Molise mit Rizin vergifteten Frauen, erneut in den Räumlichkeiten der Quästur von Campobasso zu Gast.

Gerüchten zufolge fand eine Gegenüberstellung zwischen Di Vita und einer befreundeten Lehrerin statt, die den Ermittlern in den vergangenen Monaten zu denselben Sachverhalten widersprüchliche Aussagen gemacht haben soll. Die Vernehmung dauerte etwa sechs Stunden. Anwesend waren die Staatsanwältin von Larino, Elvira Antonelli, und der Leiter der Mobilen Einsatzgruppe der Polizei, Marco Graziano. Auch Alice Di Vita wurde erneut einvernommen.

Es ist das fünfte Mal, dass Di Vita im Rahmen der Ermittlungen zum Tod von Antonella Di Ielsi und ihrer Tochter Sara vernommen wird. Die seit Monaten laufenden Ermittlungen gegen Unbekannte wegen vorsätzlichen Doppelmordes gewinnen nun an Fahrt.

In den vergangenen Tagen hat die Staatsanwaltschaft einen Computer und zehn USB-Sticks von Di Vita beschlagnahmt. Aus der Bestätigung der Beschlagnahme geht hervor, dass diese externen Speichermedien, die Daten und Dateien enthalten, im Rahmen der Ermittlungen beschlagnahmt wurden, in denen fünf Ärzte wegen fahrlässiger Tötung unter Verdacht stehen. Di Vita ist in diesen Ermittlungen Geschädigter.

In einem zweiten Strang derselben Ermittlungen wird gegen Unbekannte vorgegangen. Laut dem Schriftstück könnten die Datenträger von Antonella Di Ielsi genutzt worden sein, die im beruflichen Umfeld ihres Mannes arbeitete, sowie von ihrer Tochter Sara, insbesondere während des Fernunterrichts während der Pandemie. Die Staatsanwaltschaft geht daher davon aus, dass sich auf dem Computer und den USB-Sticks Dokumente befinden könnten, die von den beiden Opfern verfasst wurden, oder Spuren von Internetaktivitäten, die für die untersuchten Straftaten relevant sind.

ANSA/NICOLA LANESE

Aus dem Robert-Koch-Institut gingen unterdes die ersten Ergebnisse der Blutuntersuchungen ein. Die in Berlin durchgeführten Untersuchungen des Blutes von Gianni Di Vita, dem Ehemann und Vater der beiden durch Vergiftung ums Leben gekommenen Opfer sowie seiner Tochter Alice, haben eine Rizin-Exposition ausgeschlossen. Die Proben waren am 1. Juli entnommen und vom Berliner Institut, das als internationales Referenzzentrum für die Untersuchung toxischer Substanzen dient, analysiert worden. Das Ergebnis bestätigt somit, dass weder der Mann noch seine 18-jährige Tochter jemals mit dem Gift in Kontakt gekommen sind, das stattdessen Antonella Di Ielsi und ihre Tochter Sara Di Vita getötet hat.

Das Ergebnis aus Berlin untermauert die bereits durch die Analysen des Instituts Maugeri in Pavia gewonnenen Erkenntnisse und ermöglicht es, einen noch offenen Punkt in den Ermittlungen abzuschließen. Die Experten der Staatsanwaltschaft von Larino hatten das Robert-Koch-Institut nämlich gebeten, das Blut auf das Vorhandensein von Antikörpern zu untersuchen, die der Körper als Reaktion auf Rizin bildet.

Die Untersuchungen ergaben ein negatives Ergebnis. Zuvor waren in Pavia bereits Analysen am Blut von Gianni Di Vita durchgeführt worden, ohne dass Spuren der Substanz gefunden wurden. Diese Untersuchung wurde jedoch nicht als endgültig angesehen, da die Proben nicht bei angemessener Temperatur gelagert worden waren. Die in Deutschland angewandten neuen Techniken, mit denen eine Exposition gegenüber dem Gift auch noch nach Monaten nachgewiesen werden kann, ermöglichten nun den Abschluss der Untersuchung.

Die Ergebnisse lassen einige Rückschlüsse zu. In den Stunden nach dem Essen kurz vor Weihnachten hatte sich der Gesundheitszustand von Sara Di Vita und ihrer Mutter Antonella Di Ielsi derart stark verschlechtert, dass sie starben. Gianni Di Vita hatte sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls unwohl gefühlt und war daher vorsorglich ins Spallanzani-Krankenhaus in Rom eingeliefert worden. Dies ließ zunächst die Vermutung aufkommen, dass auch er möglicherweise vergiftet worden sei. Dies wurde durch die doppelt untersuchten Proben jedoch nicht bestätigt, was den Verdacht der Ermittler erregen soll.

Und schließlich tauchte eine beunruhigende digitale Spur auf. Dank einer Anzeige der Journalistin Alessandra Potena bei der Quästur in Campobasso konnten die Ermittler Online-Suchanfragen in englischer Sprache ausfindig machen, die auf einen mysteriösen „Mr. X“ – oder vielleicht „Miss X“ – zurückzuführen sind. Dieser soll in den Monaten vor der Tragödie anonyme Foren und Communities mit Fragen zu Rizin und dessen Wirkungen überschüttet haben. Das zugehörige Profil war plötzlich für mehrere Monate von der amerikanischen Plattform verschwunden, als hätte es das Nichts verschluckt. Vor einigen Wochen tauchte es dann mit demselben Spitznamen wieder auf. Eine Abwesenheit, gefolgt von einer Rückkehr, die in den Augen der Ermittler schwer wiegt. Wer verschwindet und dann wieder auftaucht, könnte befürchtet haben, entdeckt zu werden, und anschließend seine Wachsamkeit verringert haben.

Auch während der Feiertage um den 15. August kam die Arbeit in der Quästur von Campobasso nicht zum Erliegen und die Vernehmungen wurden fortgesetzt. In den Büros der Mobilen Einsatzgruppe der Polizei wurden auch Personen vorgeladen, die bisher noch nicht befragt worden waren. Der Durchbruch scheint nah. Der oder die Hauptverdächtige soll bald feststehen, es fehlen nur noch einige Puzzleteile.

 

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