Mutter, Lebensgefährte und Großvater wegen Freiheitsberaubung festgenommen – VIDEO

Glücklicher Ausgang: Alisya [16] und Sarah [12] wohlbehalten gefunden

Dienstag, 23. Juni 2026 | 08:04 Uhr

Von: ka

Formia/Civitella Alfedena – Alisya und Sarah Di Giacinto, die aus einem geschützten Wohnheim in Civitella Alfedena in den Abruzzen verschwunden waren und nach denen zwei Wochen lang verzweifelt gesucht worden war, wurden am Sonntag im Rahmen eines Großeinsatzes der Carabinieri und von Spezialkräften in einer Wohnung in Formia gefunden.

Die Mutter der Mädchen, Valentina D’Acunto, ihr Lebensgefährte, Vincenzo Esposito, und der Großvater der Mädchen, Marco D’Acunto, wurden wegen Freiheitsberaubung festgenommen. Letztere sollen die Mädchen in Civitella Alfedena abgeholt und anschließend einer älteren Verwandten in Formia übergeben haben. Die 80-jährige Frau, bei der die Mädchen untergebracht waren, wird der Beteiligung an dieser Entführung verdächtigt. In der italienischen Öffentlichkeit herrscht große Erleichterung, denn das Schlimmste war befürchtet worden.

Nach dem spurlosen Verschwinden der Schwestern Alisya und Sarah Di Giacinto aus einem geschützten Wohnheim in Civitella Alfedena in den Abruzzen durchsuchten Suchmannschaften der Feuerwehr und des Zivilschutzes, Sicherheitskräfte sowie Dutzende Freiwillige Wälder und Flussläufe.

Zugleich nahm die zuständige Staatsanwaltschaft von Sulmona Ermittlungen auf. Angesichts der zerrütteten Familienverhältnisse der Schwestern – ihre Eltern hatten sich getrennt und das Sorgerecht für die beiden Mädchen war dem Vater zugesprochen worden – bestand von Anfang an der Verdacht einer Entführung durch die Mutter und deren Verwandte. Zudem schien die Flucht von Anfang an geplant gewesen zu sein. So hatten die beiden Schwestern in der Nacht ihr Make-up und ihre Kleidung verschwinden lassen und alles mitgenommen.

Facebook/Teleregione – canale 17

Nach umfangreichen Ermittlungen drangen Dutzende von Carabinieri der Sondereinheit ROS am frühen Sonntagmorgen gegen 5.00 Uhr in die Wohnung einer 80-jährigen Frau ein, in der sich die Minderjährigen aufhielten. Die Frau hatte zunächst angegeben, eine Tante der Mädchen zu sein, tatsächlich ist sie jedoch eine entfernte angeheiratete Verwandte.

Als die Carabinieri die Wohnung betraten, erwartete sie eine Überraschung: „Wir hatten damit gerechnet, vor der Tür Kriminelle oder Verrückte vorzufinden, doch wir trafen auf eine 80-jährige Dame. Die jungen Mädchen waren in einem Zimmer eingesperrt. Sie durften weder hinausgehen noch die Rollläden öffnen. Sie konnten nur fernsehen.”

Im Rahmen desselben Großeinsatzes der Carabinieri und Spezialkräfte wurden Valentina D’Acunto, die Mutter der Mädchen, ihr Lebensgefährte Vincenzo Esposito sowie der Großvater der Mädchen, Marco D’Acunto, wegen Freiheitsberaubung festgenommen. Im Falle eines Schuldspruchs riskieren sie eine Haftstrafe von bis zu zwölf Jahren. Die 80-jährige Frau, bei der die Mädchen untergebracht waren, steht unter Verdacht, an dieser Entführung beteiligt gewesen zu sein.

 

ANSA/Facebook/ Stefano Di Giacinto

Es war ein Videoanruf zwischen der Mutter und der älteren Tochter, die Valentina D’Acunto verriet und damit die Wende im Vermisstenfall brachte. Laut dem Staatsanwalt von Sulmona, Luciano D’Angelo, rief die Mutter „eine Telefonnummer an, die im Fokus der Ermittlungen stand und auf einen Pakistaner registriert war. Diese SIM-Karte gehörte zu einer Gruppe von Karten, die einige Tage vor dem Verschwinden der Mädchen in Neapel aktiviert worden waren.” Die Ermittler hofften auf einen ähnlichen Fehltritt der Mutter, die ihre Töchter in den letzten Tagen nur in dem von D’Angelo beschriebenen Videoanruf gesehen hatte. „Zu den vielen Schwächen der Mutter“, so der Staatsanwalt weiter, „gehörte auch, dass sie die Kontrolle aufrechterhalten wollte. Sie konnte nicht tagelang ohne Kontakt zu ihren Töchtern auskommen.“

Außerdem soll die Mutter durch den umfangreichen Einkauf von Lebensmitteln für Zöliakiebetroffene entlarvt worden sein – eine Erkrankung, unter der Sarah, das jüngste Kind, leidet. „Die Mädchen waren nicht glücklich, als man sie fand. Im Gegenteil“, berichtet Staatsanwalt D’Angelo. Er fügt hinzu: „Sie sind zwar freiwillig mitgegangen und ins Auto gestiegen, hatten aber, sobald sie im Haus waren, keine Möglichkeit mehr, wieder hinauszukommen.“

D’Angelo betont, dass es sich auch dann um eine Entführung handelt, wenn die Mädchen damit einverstanden gewesen wären – vor allem, da sie „seit ihrem dritten beziehungsweise sechsten Lebensjahr von einem Ort zum anderen geschleppt werden“. Nun wurden sie in eine geschützte Einrichtung gebracht und dem Bürgermeister von Minturno als Vormund anvertraut.

Aufgrund der konfliktreichen Trennung ihrer Eltern waren die Schwestern bereits seit Längerem im Netzwerk der Sozialdienste erfasst. Die Entführung erfolgte weniger als eine Woche nach dem Entzug des Sorgerechts der Mutter durch das Jugendgericht am 28. Mai. Das Gericht von Cassino entzog der Mutter die elterliche Sorge, da sie sich „hartnäckig gegen die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen den Schwestern und ihrem Vater gewehrt und dabei manipulative und beeinflussende Verhaltensweisen gegenüber den Minderjährigen an den Tag gelegt“ habe.

Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Valentina D’Acunto mit ihrem Erziehungs- und Kommunikationsstil den Bedürfnissen der Mädchen nicht gerecht wird und ihren Interessen zuwiderläuft. Ihr wurde vorgeworfen, das Leid ihrer Töchter nicht zu verstehen und ihnen gegenüber manipulative Verhaltensweisen an den Tag zu legen.

Sarah und Alisya wurden in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni auf dem Platz von Civitella Alfedena abgeholt, wo Spürhunde zum letzten Mal ihre Spur aufgenommen hatten. In der italienischen Öffentlichkeit herrscht nun große Erleichterung, denn die Befürchtung des Schlimmsten hat sich nicht bestätigt.

„Hier haben wir es mit einem Fall gestörter elterlicher Liebe zu tun. Man wollte seinen Kindern auf die falsche Weise helfen”, sagte der Staatsanwalt von Sulmona, Luciano D’Angelo, während der Pressekonferenz am Montag. „Ich richte eine Bitte an euch: Lasst sie in Ruhe“, sagte er an die italienische Öffentlichkeit gerichtet.

Stefano Di Giacinto, der Vater der beiden Mädchen, war froh, seine Töchter noch einmal sehen zu können – wenn auch nur für kurze Zeit –, bevor sie in eine geschützte Einrichtung gebracht wurden. „Valentina hat dieses Urteil nie akzeptiert. Sie hat sich immer als unverzichtbar für unsere Töchter gefühlt, mich immer von ihnen ferngehalten und dabei jede gesetzliche Verordnung umgangen. Aber sie bauen heute wieder eine Beziehung zu mir auf“, erklärte er.

Di Giacinto hat auf seiner Facebook-Seite einen Beitrag verfasst, in dem er seiner Erleichterung Ausdruck verleiht und sich bei allen Menschen bedankt, die ihn in diesen beiden dramatischen Wochen unterstützt haben. „Ich habe nie ans Schlimmste gedacht. Wir beginnen ein neues Leben, wir fangen von vorne an. Geben wir den Mädchen Zeit, die Jahre zurückzugewinnen, die ihnen jemand vorenthalten hat. Papa ist da. Ich liebe euch.“

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