...aber keiner hat einen Rauchmelder

Italiener geben 18 Milliarden für Alarmanlagen aus

Mittwoch, 18. Februar 2026 | 07:15 Uhr

Von: idr

Rom – Strengste Kontrollen für Diskotheken, null Schutz für Wohnungen: In Italien brennt es über 57.000 Mal pro Jahr in Privathäusern, doch es gibt keinerlei gesetzliche Verpflichtung für Brandschutz. Die Folge: In fast der Hälfte aller Fälle gibt es Tote oder Verletzte.

Während für öffentliche Lokale immer schärfere Auflagen gelten, bleibt das eigene Zuhause in Italien ein rechtsfreier Raum. Laut den neuesten Statistiken der Feuerwehr ereigneten sich 2024 insgesamt 57.393 Hausbrände – über 16 Prozent davon in Wohnungen. In 46 Prozent der Fälle gab es Tote, in 53 Prozent Verletzte. Zahlen, die sich seit Jahren kaum verändern.

Das Paradoxon ist frappierend: Laut einer Studie des Forschungsinstituts Censis betrachten neunundachtzig Prozent der Italiener Haussicherheit als grundlegend – doch diese Sorge bezieht sich fast ausschließlich auf Einbrüche. „Italiener geben jährlich 18 Milliarden Euro für Alarmanlagen und Diebstahlschutz aus, aber fast kein Haushalt hat Rauchmelder, Feuerlöscher oder flammhemmende Decken”, kritisiert Nino Frisina, Gründer der Organisation Zero Incendi.

Das Problem verschärft sich durch moderne Baumaterialien. Was früher mehrere Minuten dauerte, wird heute zur Todesfalle: Ein Zimmer kann binnen zwei bis drei Minuten vollständig in Flammen stehen. Meist tötet nicht das Feuer selbst, sondern der Rauch – giftige Dämpfe machen die Luft innerhalb von Sekunden unatmbar.

„In Italien ist der Sicherungsautomat für Strom gesetzlich vorgeschrieben, aber nicht für Feuer”, sagt Frisina. Während Kurzzeitvermietungen seit Januar 2025 immerhin einen Feuerlöscher vorweisen müssen, gibt es für normale Wohnungen keinerlei Auflagen. Intelligente Rauchmelder, die per Smartphone warnen, oder automatische Löschsysteme wie Wassernebel-Geräte könnten Leben retten – doch die Mehrheit der Italiener kennt diese Technologien nicht einmal.

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