Therapiezentren stoßen an ihre Grenzen

Klebstoff, Kokain, Heroin: Drogenhorror beginnt bereits mit acht Jahren

Freitag, 05. Oktober 2018 | 08:07 Uhr

Rom – Ähnlich wie in vielen anderen westlichen Ländern, ist auch in Italien das Durchschnittsalter beim Erstkontakt mit Drogen immer niedriger. In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl minderjähriger Drogenabhängiger verdoppelt. Bereits im Volksschulalter beginnen Buben und Mädchen, Lösungsmittel und Klebstoffe zu schnüffeln. Im Mittelschulalter steigen die so abhängig gemachten Kinder auf härtere Drogen wie Kokain um, wobei es oft zu besonders traurigen Phänomenen wie Beschaffungskriminalität und Prostitution Minderjähriger kommt.

Finanzpolizei

Die Angestellten der Sozialdienste sowie Ärzte und Pfleger in den Krankenhäusern zeichnen ein dramatisches Bild. Sie berichten von achtjährigen Kindern, die verheerende Billigdrogen wie Klebstoffe und Lösungsmittel schnüffeln. Sie erzählen von 13-jährigen Mädchen, die für Geld ihren Körper verkaufen, um die nächste Drogendosis zu besorgen. Dabei werden sie oftmals schwanger und sind gezwungen, abzutreiben. Das Pflegepersonal ist manchmal gezwungen, Jugendliche mit Gurten an Betten zu binden, um sie in psychiatrischen Krankenhäusern den vom Gesetz vorgeschriebenen Therapien unterziehen zu können. Selbst Heroin wird von diesen Minderjährigen nicht mehr geraucht, sondern direkt in die Venen injiziert, sodass bereits 13-Jährige teilweise am ganzen Körper schreckliche Nadelstichverletzungen aufweisen. Wie die früheren Drogenabhängigen der 80-er Jahre stecken sich die jugendlichen Drogenabhängigen dabei mit Aids, Hepatitis und ähnlichen Erkrankungen an.

stnews

Die persönlichen Lebens- und Abhängigkeitsgeschichten der einzelnen Jugendlichen offenbaren das ganze Drama des steigenden Drogenkonsums unter Jugendlichen.

Riccardo beispielsweise hat die Mittelschule nur von weiten gesehen. Bücher, Schulkameraden, Hausaufgaben und Klassenarbeiten hat er nie gekannt. Als er zwölf Jahre alt war, hat er nur die unbändige Sucht verspürt, sich mit Kokain vollzupumpen. Heute ist Riccardo 16 Jahre alt, seit vier Jahren drogenabhängig und ist im Laufe dieser „Karriere“ bereits dreimal aus einer therapeutischen Einrichtung geflohen. Der 16-Jährige, der kaum je eine Schule besucht hat, ist praktisch Analphabet und gehört zu heute jener verlorenen Generation, die von Tag zu Tag zahlreicher wird.

Solche und ähnliche Geschichten finden sich zuhauf in den Protokollen der Ordnungskräfte, die täglich im Kampf gegen den Drogenhandel stehen, und in den Akten der Jugendgerichte wieder. Die Zahlen zeichnen ein trauriges Bild. In den letzten fünf Jahren hat sich in Italien die Anzahl minderjähriger Drogenabhängiger verdoppelt, wobei das Durchschnittsalter des Beginns des Drogenkonsums heute bei zwölf Jahren liegt. Das italienische Gesundheitssystem wird vom steigenden Phänomen der jugendlichen Drogenabhängigen überfordert. Die Therapiezentren für minderjährige Drogenabhängige lassen sich mit den Fingern abzählen. Gezwungenermaßen hat sich leider längst die Praxis durchgesetzt, dass die jugendlichen und mit psychischen Problemen belasteten Drogenabhängigen in eigentlich für Erwachsene bestimmte Zentren untergebracht werden müssen. Dieser Mangel an geeigneten Therapieeinrichtungen hat auch zur Folge, dass die jungen Abhängigen teilweise Hunderte von Kilometern von ihren Familien entfernt ihren Weg aus der Abhängigkeit finden müssen.

APA/APA( Archivb/AFP/GETTY IMAGES)/SPENCER PLATT – Symbolbild

Laut den Zahlen des Fachbereichs der Jugendgerichte des römischen Justizministeriums werden in Italien derzeit insgesamt 20.466 Jugendliche und junge Erwachsene – darunter versteht man Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren – von den Sozialdiensten betreut. Von diesen über 20.000 sich in Therapie befindenden Personen sind allein das letzte Jahr mehr als 7.000 neu hinzugekommen. Auch eine weitere Zahl bereitet große Sorgen. In den letzten zwölf Monaten sind, so die Jugendgerichte, von Jugendlichen insgesamt 1.837 Straftaten, die im Zusammenhang mit dem Drogenkonsum stehen, verübt worden, was gegenüber dem Jahr 2015 einen Anstieg von fast 300 Straftaten bedeutet. Wie berichtet, stoßen die bereits bestehenden Betreuungseinrichtungen längst an ihre Grenzen, sodass viele Regionen entweder neue Therapiezentren geschaffen oder einen Teil der Jugendlichen in private Einrichtungen eingewiesen haben.

Dennoch stehen Sozialdienste, Justiz und Ordnungskräfte dem Problem oft ratlos gegenüber. Therapie und geeignete Einrichtungen hin oder her – es geht letztendlich um die wichtigste Frage. Wie können Jugendliche überhaupt davon abgehalten werden, jemals in den Teufelskreis aus Drogenabhängigkeit, Beschaffungskriminalität und hingeworfener Schul- und Berufsbildung zu geraten?

Von: ka

Kommentare

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29 Kommentare auf "Klebstoff, Kokain, Heroin: Drogenhorror beginnt bereits mit acht Jahren"


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BEATS
BEATS
Tratscher
15 Tage 13 h

LEGALISIEREN!!!! Die dealer verlangen keinen Ausweis! und gestreckt ist der shit dann auch noch

typisch
typisch
Universalgelehrter
15 Tage 9 h

klar, dann gibts noch mehr süchtige u elend

Tabernakel
15 Tage 9 h

Deine Erfahrungen solltest Du für Dich behalten.

Grisu
Grisu
Tratscher
15 Tage 9 h

Bitte lies zuerst mal den Artikel ordentlich durch.

BEATS
BEATS
Tratscher
15 Tage 8 h

@Grisu klebstoff kann sich jeder kaufen 😂

m69
m69
Universalgelehrter
15 Tage 7 h

@BEATS 

mit Klebstoff fängt es an….

Tabernakel
15 Tage 7 h

Ich dachte Weißleim, UHU und Pattex wären legal?

m69
m69
Universalgelehrter
15 Tage 7 h

@Tabernakel 

das sind sie auch! 

jetzt weißt Du es auch. 😉

Chichifaz
Chichifaz
Tratscher
15 Tage 6 h

kimp drauf on ober wenns nor indie vereine a so in massn konsumiert wert wia dr alk nor kannts problematisch werden….;)@typisch

mithirnundherz
mithirnundherz
Grünschnabel
15 Tage 5 h

@BEATS also dann ist er ja legal und gerade deswegen die einsteigs droge..

bergeistod
bergeistod
Tratscher
13 Tage 10 h

Wir sprechen hier nicht von etwas Gras sondern von sozialen Desastern. Was willst Heroin im Supermarkt? Gehts noch?? Analphabeth

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
15 Tage 12 h

da fragt sich sicher niemand ,ob man nicht die mutter manchmal bei den kinder bleiben lassen sollte ,statt 7 monat für den staat zu arbeiten und den rest für die familie und für die rente zu arbeiten.
so wenig kinder in italien und die noch drogensüchtig.Was läuft da falsch?
wo haben die kinder noch  platz?

Pacha
Pacha
Grünschnabel
15 Tage 11 h

@giftzwerg…..wir können es drehen und wenden so oft wir wollen, was Heute zählt ist Geld und Karriere!

Mammy
Mammy
Neuling
15 Tage 9 h

Genau immer schön abschieben die kleine damit sie mit 3 dann schon seelisch krank sind und nicht mehr wissen wohin sie überhaupt gehören… wenn sie den ganzen tag in der kita & co verbringen… dann können sie das ach sooo toll verdiente geld zum arzt tragen und der soll dann wunder bewirken… selber schuld…. aber leider sind ja die kinder die opfer weil schuld sind dann immer die anderen…

Zaungast
Zaungast
Grünschnabel
15 Tage 8 h

Kinder die vom Unterricht fernbleiben müssten doch auffallen? Wo bleibt da die Verantwortung der Eltern?
In unserer egoistischen Welt ist meist kein Platz mehr für Kinder und deren Bedürfnisse.

m69
m69
Universalgelehrter
15 Tage 7 h

Zaungast@

… außerdem muss dass den Behörden gemeldet werden, wenn es sich nicht um eine Krankheit des kindes handelt.

Tabernakel
15 Tage 7 h

@m69

Welchen Behörden?

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
15 Tage 5 h

Wo bleibt da die Verantwortung der Lehrer ?
 oft fällts den lehrer net amol au ,sodass die eltern selber irgendwann draufkommen ,wie gesagt irgendwann.
 lehrer sollens melden wenn kinder  net onwesend sein

m69
m69
Universalgelehrter
13 Tage 20 h

@Tabernakel 

Die Carabinieri wenn es sich um ein Dorf handelt, wenn es sich um einer der Städte handelt, dann kann man wählen zwischen Carabinieri oder Polizei, zur Not taugen auch die Dorfpolizisten!

Tabi Sie als vorzeige Lehrer müssten das “eigentlich” schon wissen! 

Tabernakel
15 Tage 9 h

Der Alkoholkonsum in Südtirol fängt noch vor 8 Jahren an.

Don Giovanni
Don Giovanni
Tratscher
15 Tage 3 h

Stimb und donn schreib man selche Kommentare 😘😘

m69
m69
Universalgelehrter
14 Tage 1 h

Tabernakel@

bei dir angefangen oder?

Ps. ich selber trinke fast keinen Alkohol, wenn dann nur wenn ich im Urlaub bin, mit meiner Frau. 

Supergscheider
Supergscheider
Tratscher
15 Tage 8 h

Kinder sich selbst überlassen und sein “Way of Life ” leben, dabei kommt daß heraus

Tabernakel
15 Tage 7 h

Hättest Du es besser anders gemacht.

pustramadl
pustramadl
Neuling
15 Tage 9 h

Die Schulen( in der Grundschule bereits beginnen) sollten das Thema Drogen wieder vermehrt im Unterricht aufarbeiten, vertiefen, Betroffene in Therapieeinrichtungen besuchen, die Folgen des Drogenkonsums kennenlernen,usw…
Habe selbst drei Kinder im Alter von 12 bis16. Im Unterricht wurde diese Thema nicht aufgegriffen. Als ich vor 30 Jahre die Schule besucht, war es sehr wohl Thema.

elmike
elmike
Tratscher
15 Tage 8 h

Die Lait miaßatn es Problem an der Wurzel undian! Auserfinden aus welchen Gründen überhaupt die Kinder und Jugendlichen des Zuig ungfeifen! I hoff dass de Entwicklung gestoppt werden konn…

Paul
Paul
Universalgelehrter
14 Tage 1 h

wem wunderts , bei der Politik der Narrenfreiheit für Kriminelle Drogendealer ,
aber es scheint jätzt endlich eine Wende zu geben , Dank Salvini

Tabernakel
12 Tage 10 h

jätzt…aber….

traktor
traktor
Universalgelehrter
14 Tage 9 h

alles ist sicher… wir haben kein sicherheits und drogenproblem…
wer das nicht glaubt wird eingesperrt….

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