"Würde heute anders entscheiden"

Krebstod von Teenager: Mutter distanziert sich von Hamer-Methode

Donnerstag, 19. März 2026 | 08:06 Uhr

Von: luk

Vicenza – Im Prozess vor dem Schwurgericht in Vicenza hat die Mutter des 14-jährigen Francesco Gianello eingeräumt, heute anders entscheiden zu würden. Der Jugendliche war im Jänner 2024 an einem Osteosarkom im Oberschenkel gestorben.

Die Eltern sind wegen Totschlags angeklagt, weil sie eine empfohlene Biopsie und frühe Krebsbehandlung zunächst abgelehnt hatten. Die Mutter schilderte im Gerichtssaal, man habe sich nach einem belastenden Klinikaufenthalt am Istituto Ortopedico Rizzoli in Bologna gegen den Eingriff entschieden. Ausschlaggebend seien auch die Ratschläge eines Arztes gewesen, der sich auf die Theorien von Geerd Hamer – Mediziner und später Wunderheiler – berief und die Krankheit mit psychischen Traumata in Verbindung brachte.

Statt einer sofortigen schulmedizinischen Therapie folgte die Familie zeitweise einem alternativen Ansatz. Schmerzmittel wie Ibuprofen seien bei Bedarf verabreicht worden. Erst nach einer plötzlichen Verschlechterung im April 2023 wurde der Jugendliche in Perugia behandelt, wo Biopsie und Chemotherapie eingeleitet wurden. Die Erkrankung war jedoch bereits weit fortgeschritten. Später erhielt der junge Patient palliative Betreuung und starb Anfang 2024.

Auf die Frage des Richters erklärte die Mutter, sie würde „so nicht mehr handeln“ und sich sofort in onkologische Behandlung begeben. Das Gericht ordnete eine neue unabhängige Begutachtung an, um den möglichen Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Eltern und dem Tod des Jugendlichen zu klären.

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